Erschöpfung/Kreislaufprobleme
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Felipina
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Erschöpfung/Kreislaufprobleme
nach einem körperlich anstrengenden Tag hatte ich Kreislaufprobleme, niedrigen Blutdruck (fast ohnmächtig), völlige Kraftlosigkeit, Zittern, Schwitzen, Übelkeit. Das passiert mir leider immer wieder.
Ich erkläre es mir so, dass mein Gehirn dank der annähernden einseitigen Taubheit und dem fehlenden Gleichgewicht (ohne, dass ich es merke) Hochleistungen erbringt, und damit die Reize bei Bewegung einfach zu viel des Guten sind.
Macht das für Euch Sinn? Und kennt Ihr das auch?
Und vor allem, hat jemand Lösungsvorschläge, wie damit umgegangen werden kann? Außer, sich körperlich nur gering zu belasten?
Mit freundlichen Grüßen,
Felipina
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snowdog
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Re: Erschöpfung/Kreislaufprobleme
die beschriebenen Symptome dürften in Abstufungen jedem bekannt sein, es sind Reaktionen auf Belastungen des Organismus. Warum sie uns AN-Betroffene besonders prominent begleiten, hängt in der Tat mit einer Art "Hochleistungscharakteristik" zusammen. Der Ausfall eines Sinnesorgans stellt das Gehirn vor nachhaltige Anforderungen, die auf einen veränderten Betriebszustand zurückzuführen sind. Dies hat Prozesse zur Folge, gut nachvollziehbar am Effekt der vestibularen Kompensation, also dem Ausfall des (einseitigen) Gleichgewichtsnervs und der daraus folgenden geänderten Signalverarbeitung. Das Gehirn registriert zunächst den Ausfall bzw. die massive Störung eines Sensors, um in der Folge die Signalverarbeitung neu zu justieren. Ein bisher funktionierendes Normal ("Gleichgewicht") wird aufgrund einer veränderten Signalgebung neu eingerichtet. Vergleichbar mit einer Neuprogrammierung eines Bauteils, dass bisher anders funktionierte. Benötigt wird die Funktion von jetzt auf gleich, richtig "rundlaufen" gelingt aber erst mit der Zeit - also eine Art Selbstlernprozess, der Signale durch Wiederholungen zunehmend exakter einordnen kann.
Das alles klingt viel banaler als es in Wirklichkeit ist, es fordert dem Gehirn Anstrengungen ab, die zwar unbewusst ablaufen aber reale Beslastungen darstellen. Diese Dauerbelastung äußert sich durch veränderte Empfindungen, wie z.B. schnellere Ermüdung, höhere Empfindlichkeit, Reizschwellen, Schmerzempfinden u.a.Ähnlich verhält es sich bei Auftreten eines einseitigen Hörverlusts.
Die Signalverarbeitung ist fundamental gestört, ein Sensor (Ohr) übernimmt die Funktion von vorher zweien. Dies ist faktisch eigentlich nicht möglich (räumliches Hören gelingt nur mit zwei Ohren), die Laufzeitverschiebungen akustischer Signale liefern dem Gehirn die Information zur Orientierung. Ein Knall, eine Sirene, ein Zuruf - spontan verortet das Gehirn die Richtung und reagiert mit passender Aufmerksamkeit. Der Ausfall eines Ohres verhindert den gewohnten "passenden" Effekt, gleichwohl erschreckt ein plötzliches Geräusch, das Gehirn muss Informationen interpretieren, anreichern und eben anders verarbeiten. In Summe eine Mehrleistung oder eben Anstrengung, die als Belastung wirkt.
Das alles passiert nun nicht isoliert, sondern simultan, mit Wechselwirkungen und unterschiedlich starken Ausprägungen. Ein gestörter Gleichgewichtssinn, ein gestörtes Hörvermögen, diverse Nerventriggerungen durch Stress - das alles muss zum neuen Normal werden, in einer subjektiv unveränderten Umwelt. Warum empfinde ich Wahrnehmungen zunehmend anstrengender, was vorher gar nicht registriert wurde ? Warum fühle ich mich weniger belastbar und früher erschöpft, spüre mein Leistungsvermögen eingeschränkt ?
Die einfache Antwort lautet: weil ich in einem anderen Leistungsbereich unterwegs bin. Das zu erkennen ist wichtig, weil es nichts mit trainierbarer Widerstandskraft zu tun hat. Mit dem Ausfall von Sinnesorganen geht eine Schwächung des Organismus einher. Eine Therapeutin erklärte mir, Hören mit nur einem Ohr verdoppelt die Aufmerksamkeitsanstrengung. Mit anderen Worten: die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsspanne im (Arbeits)Alltag halbiert sich. Das gleiche Pensum bewältigen zu wollen ist bei unveränderter Belastungssteuerung also eine Illusion.
Wenn Du nun von Symptomen nach einem "körperlich anstrengenden Tag" sprichst, sind deren Auftreten erwartbare Reaktionen. Es sind Signale, dass Du Grenzen erreicht oder überschritten hast und dass diese Beachtung finden müssen. Das Gefühl von "Zuviel des Guten" ist ja bereits ein positiver Umgang mit den Alltagsbelastungen, im Wissen, dass die Umwelt eben nur in Grenzen anpassbar bleibt.
Was Lösungsvorschläge anbelangt, gibt es ein paar persönliche Erfahrungen. Am Anfang steht die Akzeptanz und das Wissen um die veränderten Prozesse. Der Umgang mit den Einschränkungen fiel mir leichter, als ich die Erwartung "alles wie vorher" runterstufte. Lebensqualität definieren, Prioritäten ordnen, positiv denken. "Körperlich geringe Belastung" ist tatsächlich kein Lösungsvorschlag, weil es etwas anderes meint. Es geht nicht darum, ausschließlich im "Schongang" unterwegs zu sein aus der Sorge heraus, der Körper schaffe einfach nicht mehr. Belastungssteuerung verstehen ist im Ergebnis ein funktionierender Anpassungsprozess, quasi ein Lernerfolg. Positives Registrieren bewältigter Anstrengungen ist hilfreicher als Beklagen eines Verlustes. Die Einsicht, bestimmte Situationen zu meiden weil man sie als belastend empfindet, verdient ein "like", keinen Vorwurf. Das liest sich alles leichter als es ist, hat aber bei mir als Hilfestellung
etwas bewirken können.
Ich wünsche Dir und allen Forenlesern ein fröhliches Osterfest
Herzliche Grüße
snowdog
AN re.5x8 mm,n-c. suboccipital AN-OP in Offenbach 4.08,
postoperativ Liquorfistel,keine Fazialisparese, einseitig taub,chron.Kopfschmerzen,jährl.Kontroll-MRT f.d.ersten 5 J.
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Felipina
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Re: Erschöpfung/Kreislaufprobleme
vielen lieben Dank für Deine ausführliche Antwort, ja es ist eine Daueranstrengung für unser Gehirn, quasi "einäugig" in einer "zweiäugigen" Welt zurechtzukommen. Danke, dass Du schreibst, dass Du das Phänomen auch kennst, obwohl ich Dir natürlich Besseres wünsche.
Ja, mich nur angemessen fordern, das muss ich lernen. Ich hoffe, das wird mir in Zukunft häufiger gelingen. Heute ist wieder alles im Lot. Bei mir kam zur Zeit noch leichtes Untergewicht hinzu, durch eine Art Lebensmittelunverträglichkeit. Aber trotzdem ist Unkonzentriertheit und Müdigkeit seit dem Akustikusneurinom schneller vorhanden.
Dir und allen Mitlesenden wünsche ich auch ein fröhliches
und erholsames Osterfest!
Mit freundlichen Grüßen,
Felipina
Kontrollen Cyberknife Göppingen
