Hallo Carmen
Zuerst herzliche Glückwünsche zu der gut überstandenen Operation. Schön zu erfahren, dass Prof. Sepehrnia nach seinem Wegzug aus der Schweiz immer noch hier operiert.
Meine OP hatte ich 2019, beim selben Operateur wie du. Prof. Sepehrnia konnte mir dabei mein Resthörvermögen erhalten. (ca. 40- 50 % je nach Frequenz, ab 6000 Hz, quasi taub), rechtes Ohr normal hörend.
Bei der Nachkontrolle letztes Jahr – erstmals bei Prof. Hopf – empfahl mir dieser aber dringend ein Hörgerät für das Richtungshören. Seit April bin ich bei vier Akustikern gewesen und bin mir noch nicht sicher, ob ich überhaupt genügend von einem HG profitiere. Deshalb habe ich beschlossen, nach Abschluss der Testphase meine HNO Ärztin um Rat zu fragen.
Ja, es gibt riesige Unterschiede zwischen den Akustikern und falls man nicht klarkommt, sollte man nicht zögern, zu wechseln. Als ich beim ersten mit dem Demogerät hinauslief, klang jeder Fussgänger wie eine ganze Armee, in der Bäckerei raschelte das Papier für das Brötchen penetrant laut, dafür verstand ich die Verkäuferin schlechter als ohne Hörgerät. Nach Info Suche – auch hier im Forum – verstand ich, dass der gute Hörakustiker das Gerät für meinen Hörverlust wohl falsch eingestellt hatte, was mir die zweite Akustikerin dann auch bestätigte. Anders als der erste, der sich mit einem Reintonaudiogramm begnügte, machte sie auch einen Sprachtest. Zwar fühle ich mich mit HG als Fussgänger etwas sicherer im Strassenverkehr oder höre Velos, Fussgänger etc. von hinten, doch gefühlt verstehe ich mit oder ohne HG etwa gleich viel.
Mitte Mai war in den USA die «Acoustic Neuroma awareness week» mit vielen informativen Videos für uns Patienten über unseren seltenen Tumor. Das Video über Möglichkeiten der Hör Rehabilitation interessierte mich natürlich sehr. Den Link findest Du unten. Allerdings ist es in Englisch. Unten rechts bei «cc» kannst du wenigstens englische Untertitel einblenden.
Die Spezialisten empfehlen, sich nach einer OP bei Hörverlust/einseitiger Taubheit zuerst einmal einige Monate Zeit zu nehmen, damit sich das Gehirn an die veränderte Hörsituation gewöhnen könne und um sich gut von der OP zu erholen. Falls man auf dem nicht beteiligten Ohr normales Hörvermögen habe, gäbe es Patienten, die beschliessen würden, gar nichts zu tun. Andere jedoch fühlten sich beeinträchtigt oder hätten anspruchsvolle Hörsituationen in Job oder Freizeit. Du kannst dann beginnen, Cros zu testen, was vielen hier im Forum geholfen hat. Wenn du bei der Suchfunktion «Cros» eingibst, erhältst du einige Ergebnisse. Falls du damit nicht klarkommst, werden Knochenleitungsgeräte wie BAHA und Bonebridge erwähnt. Allerdings fehlt sowohl bei Cros wie BAHA und Bonebridge das Richtungshören.
Bei einem Cochlea Implantat hingegen wäre das anders, da hier direkt der Hörnerv stimuliert wird. Wie Harald bereits erwähnt hat, ist dafür jedoch ein leitfähiger Hörnerv nötig, was dir der Operateur bestätigen muss. Laut den US Spezialisten könnte es zudem sein, dass wir AN Patienten etwas weniger gut profitieren könnten, dies sei aber auch individuell. Es gäbe auch ein spezielles Hörtraining, um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Tinnitus Geplagte fänden manchmal durch ein CI eine Erleichterung. Tinnitus nach OP/Hörverlust entstehe, weil das Gehirn den Input des Hörnervs vermisse und versuche, das Gehörzentrum zu stimulieren. Leider hilft dir momentan wohl nur Geduld und die Hoffnung, dass sich nach der OP doch noch vieles ändern kann.
Ich würde das Ganze nochmals mit deiner HNO Ärztin anschauen und evt. einen aktuellen Hörtest machen, denn diese variieren leider sehr bei den Akustikern. Falls ein CI in Frage käme, müsstest du dich wohl ins Unispital Zürich überweisen lassen.
Hier noch der Link von Acoustic Neuroma Association
https://www.anausa.org/learn-about-acou ... bilitation
Weiterhin gute Erholung von deiner OP und Daumendrücken, dass du die für dich richtige Lösung findest.
Liebe Grüsse
Irbis
AN 23x23x16 mm mit Kompression des Hirnstammes und des N. Trigeminus, Totalresektion am 27.2.19 durch Prof. Sepehrnia, Klinik St. Anna, Luzern