Liebe Leser
ich habe diese Seite kürzlich entdeckt und will doch in einem Schweizer Forum meine Krankengeschichte einstellen. Da ich kein Forum mit dem entsprechenden Thema gefunden habe stelle ich sie hier ein. Ich hoffe, dass da alle Fragen beantwortet werden und ich nichts vergessen habe, es wurde halt etwas lang.
Mein Akustikneurinom AN
Das erste was ich in diesen Zusammenhang stelle, war das plötzliche Auftreten eines Hörsturzes links, das war im Januar 2004 im Alter von 47 1/2 Jahren. Beim Telefonieren hörte ich nicht mehr so gut wie sonst - na, dann ist der Apparat wieder einmal im Eimer. Am Morgen danach, ich schlief auf dem rechten Ohr, wachte ich auf und hörte den Radiowecker nicht, ich hob automatisch den Kopf und dann hörte ich Musik mit dem rechten Ohr.
Also zur Arbeit und von dort den Hausarzt angerufen für die sofortige Untersuchung. Da wurde der Hörsturz aufgenommen und gleich zur stationären Behandlung ins Spital eingewiesen, aber nicht am Ort ins Regionalspital, sondern ins Kantonspital in Chur. Diese Situation war der grösste Schock. Sofort wurden Infusionen und Tabletten verabreicht. Das MRI zeigte dann ein kleines Stecknadelkopf-grosses AN. Nach einer Woche und der Kenntnis von allen Gängen und Treppen zur körperlichen Fitness, ich fühlte mich ja nicht krank, konnte ich wieder nach Hause. Das Gehör hatte sich fast gänzlich erholt.
Während den folgenden 2.5 Jahren wurde im Abstand von 6 Monaten das AN via MRI beobachtet, es wuchs 2 Jahre lang auf ca. 2.4 cm und blieb dann so. Das Gehör wurde aber schleichend schlechter. In der Zeit lernte ich einen Motorradfahrenden Kollegen anders kennen, er hatte vor mehr als 10 Jahren eine AN-OP, das Gespräch mit ihm half mir sehr viel.
So entschloss ich mich zu einer Operation zu drängen. Der Kontakt zum operierenden Neurochirurgen im Kantonsspital Chur, Dr. Woodtli, wurde für ein Vorgespräch hergestellt. Die geschilderten Aussichten, die lange Vorgeschichte und das Bearbeiten des Themas liessen nie Angst oder Panik aufkommen. Bis da hatte ich ja bis auf den langsamen Hörverlust links absolut keine Symptome.
Am 19. Feb. 2007 war es so weit, ich wurde in den Vorbereitungsraum geschoben, nahm ein paar Züge aus der Maske und weg war ich. Das war um halb acht. Aufgewacht bin ich auf der Intensiv um ca. 23 Uhr, kurz nach dem Ende der eigentlichen OP. Sie erzählten von einer 11 stündigen OP. Na ja, dass da etwas fehlt war mir egal, viel mehr störte mich das Surren und Vibrieren das ich vermeinte zu spüren. Und dann der Reiz der Magensonde, derentwegen ich violett erbrechen musste. Ich zählte die Schläuche und kam auf 13 !
Anscheinend hat der Neurochirurg sich viel Mühe gegeben und Zeit genommen mit dem Gesichtsnerv, der Kommentar dazu war, dass er ziemlich zerdrückt, besser zerfleddert war. Gehör- und Gleichgewichtsnerv sind futsch. Aber der Lidschluss war nicht vollständig weg, meist blieb am Anfang ein kleiner Schlitz offen, was aber mit etwas Übung immer besser wurde, Tränenfluss war immer da. Das Loch in der Schädeldecke hinter dem Ohr bleibt offen. Ich kann den Hirndruck nun gut fühlen und schon fast abschätzen wann ein Kopfschmerz eintreten wird.
Etwa zwei Tage war ich im Bett mit Katheter, Infusionen und Drainage des Hirnwassers, welche ich mir mit Aufstützen auch Mal herausriss, zum Glück an der vorgesehenen "Sollbruchstelle". Als ich endlich aufstehen und zum Klo konnte war mir schon ziemlich schwindlig und ich bekam so ein Handgestell um mich daran festzuhalten. Das erste mal in die Physio-Therapie musste ich mit diesem Ding. Wenn ich nun schon mobil war, konnte ich auch duschen auf dem Schemel sitzend, Kopf ausgelassen, da hier ja Verband und Narbe waren. Beim vierten Mal Therapie ging ich schon ohne Hilfe, noch etwas schwankend und mit dem Spitalbegleiter, aber immerhin.
Dank den Schmerzmitteln spürte ich kaum etwas und mit der Zeit kam auch der Appetit wieder, das Schmecken war nicht beeinträchtigt. Und endlich hatte ich Zeit ein dickes Buch zu lesen.
Etwa am sechsten Tag konnte ich es mir nicht verkneifen ein herumstehendes Kickboard des Spitalpersonals auf dem Gang auszuprobieren, es ging erstaunlich gut.
Nach 8 Tagen fragte der Assistenzarzt so nebenbei, was ich vom Heimgehen halte. Und am nächsten Morgen haben sie mich fast rausgeschmissen. Der nächste Termin zur Kontrolle im MRI ist Mai '08.
Die ersten Wochen verliefen ohne Arbeit, dafür mit Therapie, recht schnell. Ich ging schnell wieder ins Turnen für Jedermann, muss aber Hüpfen und starke Beschleinigung am Kopf vermeiden.
Die linksseitige Gesichtslähmung war voll da und Saxophon spielen war nicht mehr möglich, woran ich überhaupt nicht gedacht hatte und was mich am Meisten nervte. Trotzdem biss ich mir nie auf die Lippen. Der Mund wurde ziemlich schief gestellt. Die Fortschritte im Bereich Gleichgewicht waren eklatant, nach vier Wochen wagte ich schon wieder den ersten Ausflug mit dem Motorrad.
Inzwischen konnte ich wieder langsam in den Arbeitsprozess zurück mit anfänglich 25% und alle zwei Wochen Erhöhung um weitere 25%, dafür danke ich meinem Arbeitgeber sehr.
Die Gesichtslähmung verbesserte sich, so dass das Aussehen von Monat zu Monat besser wurde. Erst nach 7 Monaten meldete sich die Backenmuskulatur vom Auge her zurück. Nach 8 Monaten konnte ich wieder aus dem Mundwinkel heraus Saxophon spielen, einerseits zur Motivation, andererseits zur Therapie.
Ich bin zuversichtlich, dass (fast) alles wieder wie vorher wird.
Weiteres das zu bemerken ist:
Kopfweh gibts viel mehr als früher, besonders bei Wetterwechseln. Wahrscheinlich ist auch die Kälte Verursacher davon. Eine Mütze ist jetzt aber immer dabei. So lange wie möglich schiebe ich die Schmerztablette vor mir her, und ich musste erst dreimal eine nehmen zwei am Anfang, eine erst kürzlich im Dezember, Vorrat ist immer dabei.
Einen leichten Tinnitus hatte ich schon immer, kam der auch schon vom AN ?, nun ist er etwas mehr geworden und ich kann mit dem Bewegen des Auges in die Verschiedenen Richtungen Tonhöhe und Intensität verändern. Allerdings kann ich ihn weghören.
Als Brillenträger bemerkte ich doch einen zunehmenden Unterschied im Fokussieren, ich warte noch eine Weile mit dem Anpassen an die neue Situation, da ich mir mit Brille weg und wieder auf helfen kann.
Herzliche Grüsse
Max
