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von snowdog » 10.01.2017, 11:49
Liebe Emmats,
Beschwerden im Nackenbereich und an der HWS treten nach
einer AN-OP relativ häufig auf. Ein Grund dafür ist u.a. die
Fixierung in einer speziellen Lage, in Abhängigkeit vom gewählten
Zugangsweg. Dauert der Eingriff mehrere Stunden, wird der
gesamte Haltungs- und Bewegungsapparat in Mitleidenschaft
gezogen. Im günstigen Fall ähnelt das einem starken Muskelkater
(bis hin zur „Genickstarre“), es kann sich aber durchaus zu einer
langwierigen Verspannung ausarten. Diese kann längere Zeit
andauern, Beschwerden können sich auch erst nachträglich
einstellen. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle (unfreiwillige
Schonhaltung, fehlende Bewegung, keine Mobilisation),
Kopfschmerzen und starker Schwindel können eine Ursache für
eine „Fehlhaltung“ sein, aber auch Probleme, Stress und Angst
können zu Verspannungen führen.
Jede Heilungsphase verläuft unterschiedlich und dies gilt auch
für den Verlauf dieser Beschwerden. Bei guter Kondition und
körperlicher Verfassung müssen solche Auswirkungen gar nicht
spürbar werden, die individuelle Belastbarkeit spielt ebenfalls
eine Rolle.
Daraus aber ein Patentrezept abzuleiten, wonach möglichst
frühe Belastung und Bewegung den schnellsten Weg zurück
zur Normalität weisen, ist ein Trugschluss.
Die OP ist für jeden Organismus ein schwerwiegender Eingriff,
und davon muss sich der Körper erholen. Das macht er in der
ersten Phase weitgehend alleine, Ruhe und Schlaf reichen ihm dabei.
Mancher neigt dazu (hierzu zählen häufig Sportler und körperlich
aktive Menschen), seinem vertrauten Körper zu fordern, ähnlich
wie nach der Rückkehr nach einer Sportverletzung – sukzessive
Belastungen zu steigern und möglichst schnell zu alter Form
zurückzugelangen. Kann funktionieren, muss aber nicht.
Dazu sollte man sich vergegenwärtigen, dass eine OP am Gehirn
und an den Stammnerven etwas grundlegend anderes ist als ein
gerissenes Band, ein gebrochener Knöchel oder ein verletzter Muskel.
Ein Kreuzbandriss im Knie wird heute so repariert, dass der Patient
die Praxis gehend verlässt – eine hergestellte Stabilität soll gleich
einer möglichen Versteifung entgegen wirken.
Eine Hirntumor-OP ist weder als Eingriff noch mit der Rekonvaleszenz
der frühen Phase damit vergleichbar.
Zu deinen Fragen:
Die Nackenprobleme könne Ihre Ursache in der HWS haben,
hier solltest Du eine orthopädische Begutachtung (Röntgenbild)
einholen. „An sich in Ordnung“ reicht da eher nicht. Ich persönlich
habe in Folge meiner Kopfschmerzsymptome beinahe 2 Jahre
lang massive Bewegungseinschränkungen im Schulter- und
Nackenbereich gehabt, Massagen und Physio halfen da leider
wenig. Eine Kopfdrehung zur Seite war nicht mal zu 90° möglich,
die schmerzbedingte Schonhaltung trug dazu bei.
Die Ursachen für die Panikattacken herauszufinden, dürfte
schwieriger sein. Neurologische Befunde können von reinem
Funktionserhalt (Nervenleitung) bis hin zur Fehltriggerung
aufgrund von Schädigung oder Zerstörung der Nerven abstellen,
neurologische Heilprozesse sind häufig langwierig.
Zu allem kommt eine psychische Komponente, Angstgefühle
und seelische Belastungen sowie häufige Stresssituationen
können nachgewiesen zu Verspannungen führen, oftmals eben
die Nacken- und Hinterkopfregion. Gerade hier spielt auch die
Eigenbeobachtung eine wichtige Rolle – was verschafft Linderung,
was verstärkt Symptome ? Wirken Entspannungstechniken ?
Gibt es typische Auslöser solcher Panikattacken, lässt sich die
Frequenz beeinflussen ?
Schließlich kann die bevorstehende Veränderung der beruflichen
Situation einige „Schatten voraus werfen“ - Erwartungsdruck,
mögliche Unsicherheit, Versagensangst - Dinge die unbewusst
neben die Vorfreude treten können und längst nicht mehr so
„locker“ verkraftet werden wir vor der OP.
Und wenn es ein Tipp sein darf – die Art von Kraft, die aus
guter Erfahrung im geliebten Fitnessstudio gewonnen wurde,
ist nicht zwingend die einzige. Vielleicht erlauben die Beschwerden
Ausdauerübungen im Freien (Joggen, Radfahren, Nordic Walking,
ausgiebige Spaziergänge) – positive Impulse durch Bewegung
für Körper und Geist, ganz bewusst als neuer Input.
Ein Versuch kann sich lohnen. Alles Gute weiterhin.
Beste Grüße
snowdog
snowdog (Moderator seit 4.12) Jg.62,m,verh.,2 Söhne,
AN re.5x8 mm,n-c. suboccipital AN-OP in Offenbach 4.08,
postoperativ Liquorfistel,keine Fazialisparese, einseitig taub,chron.Kopfschmerzen,jährl.Kontroll-MRT f.d.ersten 5 J.