es ist an der Zeit, dass ich mich melde. Dieses Forum habe ich wenige Tage vor meiner schicksalshaften OP in Chemnitz entdeckt. Es hat mich mit vielen guten Tipps versorgt, mir Mut gemacht und mich durch die schwierigste Zeit meines Lebens begleitet. So wusste ich immer, wenn ich wieder in der Lage dazu bin, werde ich meinen Beitrag für andere leisten. Herzlichen Dank an alle, welche mir mit ihren Zeilen geholfen haben. Nun zu meiner Geschichte:
Im April 2010 bemerkte ich während einer Wanderung plötzlich starken Schwindel, so als hätte ich ein großes Glas Wein zu viel getrunken. Dieser Zustand hielt an. Da ich mich kurz vorher selbständig gemacht habe, schob ich es auf eine vorübergehende Überlastung. Im Juni kam dann die Erkenntnis dazu, dass ich auf dem linken Ohr schlechter hörte. Ich holte mir sofort einen Termin für den nächsten Tag beim HNO. Die Untersuchung manifestierte die Hörminderung, die Untersuchung ergab "nichts nennenswertes" mit der lapidaren Äußerung der Ärztin: Das Problem befindet sich nicht in meinem Fachgebiet, konsultieren Sie ihren Orthopäden. Inzwischen war es Sommer mit der Praxispause meines Haus-Orthopäden. Anfang Sept. wurde meine HWS chiroth. behandelt, die Symptome, inzwischen auch die Augen betreffend, eine verschwommene Aura und Blicke wie durch Flaschenböden, hat es nicht gebessert. Dann erfolgte die Anweisung MRT, welches im Oktober erfolgte. Eine Woche später erhielt ich die Diagnose: ausgedehntes AN m. Hirnstammverlagerung, sofortige Terminvereinbarung durch den Orthopäden in die Sprechstunde Prof. Steinmeier, ChA. Neurochirurgie Chemnitz. Wie in Tance habe ich diesen Termin wahrgenommen und bin danach erleichtert, umfassend beraten und mit einem guten Gefühl nach Hause. Für mich persönlich kam wg. der Größe nur eine OP in Frage. Es folgten die üblichen Voruntersuchungen. Gehör links und Gleichgewicht hatte der Tumor schon zerstört. So konnte, O-Ton vom HNO-Prof. nichts mehr während der OP kaputt gemacht werden. Dies wurde mir so im Beisein andere Patienten auf dem Gang mitgeteilt! Hätte ich damals nicht massivste weitere Beschwerden gehabt, welche sich in den 4 Wochen von d. Diagnose bis zur OP entwickelt haben, wäre ich auf dem Absatz umgekehrt und hätte mich neu orientiert. Diese Zeit hatte ich aber nicht mehr. Inzwischen konnte ich den Kopf nicht mehr bewegen, mich nicht bücken, Auto fahren war nicht mehr möglich, schlafen die reinste Tortur. Ich habe jeden Morgen meinem Schöpfer dedankt, wieder munter geworden zu sein und habe die Tage bis zur OP gezählt. Das schreibe ich, um alle zu warnen, zu lange zu warten, obwohl ich weiss, dass bei jedem der Verlauf anders ist.
Dann war es endlich so weit. 22.11.2010 Aufnahme, 23.11. OP - 11 Stunden, occipitaler Zugang, der Fazialis musste teilw. durchtrennt werden. Mir wurde keine Hirnwasserdrainage gelegt, im CT stellte man ein beginnendes Hirnödem fest, die Ventrikel waren tlwse. bis auf 4,3cm erweitert, sofortige Not-OP mit Legen der Drainage. Intubiert kam ich auf die Intensivstation und blieb noch fast 24 Std. unter Beatmung. Das weiss ich nur nach mehrmonatigem Kampf um die Herausgabe meiner Patientenakte. Meinem damaligen Lebensgefährten, welcher mich am Nachmittag nach d. OP besuchte, sagte man, ich hätte beim aufwachen rumort und man hat mich wieder in Narkose gelegt. Leider ist es auch noch zu einem Lagerungsschaden während der OP gekommen - multiple Parese des linken Armnervengeflechts, d. h. Arm nicht mehr gezielt koordinierbar, die 3 Finger des Medianus konnte ich nicht mehr bewegen, das Gefühl ist kpl. abhanden gekommen. Dies ist der Grund, warum ich erst jetzt schreibe, nach intensivsten Therapien fällt das Schreiben sehr schwer.
Ich weiss, dass alle Mitglieder dieses Forums mit Anteilnahme nicht sparen, bitte habt aber Verständnis, dass ich nicht immer antworten kann, teils wg. des Handicaps, teils wg. Zeitmangel. Ja, ich verdiene mir meine Brötchen immer noch selbst - und das soll auch so bleiben. Als schwerbehinderter Arbeitgeber bin ich schon ein Exot!!! Hier werde ich meinen Bericht kappen und weitere Artikel gezielt ins Netz stellen! Eine Frage muss ich aber loswerden: Gibt es Leitlinien, welche für die OP von AN´s zwingend eingehalten werden müssen und gehört das Legen von Hirnwasserableitungen dazu? Gibt es noch andere Operierte, bei denen auf die Hirnwasserdrainage verzichtet wurde?
Hier noch kurz ein paar für mich hilfreiche Fakten, tlwse. als Stichpunkte wg. meines ermüdenden Armes geschrieben:
Für 3 Wochen Ruhigstellung des Auges durch Botox-Injektion. Das hab ich nur wg. der multiplen Schäden machen lassen, um etwas Ruhe rein zu bringen und Prioritäten bei der Therapiereihenfolge zu setzen. Hat funktioniert, nach 3 Wochen öffnete sich das Auge wieder u. ich habe mit Augenübungen begonnen. Heute ist das Auge noch trocken, der Lidschluss ist nachts noch n.100%, nur Eingeweihte sehen das Manko!!!
trockenes Auge - Hylo-Gel besser als Tropfen, da länger feucht bleibendes Auge, anfänglich aller 2 Stunden, heute 1-2mal täglich und 2xnachts.
Nordic walking ist für mich ein fantastisches Gleichgewichts- und Hirntraining gewesen, bin 1 Jahr nach OP mit meinen Stöcken von Schierke aus auf den Brocken - und wieder runter gelaufen!
Versteckt Euch nicht!!! Stellt Euch der Öffentlichkeit, auch das ist Training und die erfahrene Akzeptanz heilt viele seelische Wunden!
So, nun reicht es fürs erste, ich hoffe es hilft vielen, zumindest Mut machend. In diesem Sinne, es folgen weitere Beiträge an anderen Stellen.
Einen erholsamen Sonntag allen Mitleidenden
Micky
