ich bin heute 48 Jahre alt. Mußte mich also in jungen Jahren schon mit dem Thema AKN auseinandersetzen. Und das zu Zeiten, wo es noch kein Internet gab
Ich litt im Vorfeld an einem Tinitus, Schwankschwindel und starken Wortfindungsschwierigkeiten.
Heute ist der linke Gehörnerv und der Nerv fürs Gleichgewicht durchtrennt. Den Tinitus links habe ich immer noch, jetzt schon seit 25 Jahren, ich höre ihn ständig, obwohl das Ohr taub ist. Die Ärzte erklärten mir, dass der Ton vom Gehirn gespeichert ist, ähnlich wie ein Phantomschmerz.
Natürlich ist mit nur einem Gehör auch das räumlich Hören nicht mehr gegeben, man kann also nicht mehr orten. Sätze wie "ich bin hier..." machen mich heute noch rasend. Der Telefonhörer, der irgendwo in der Wohnung liegt und klingelt, macht mich verrückt, weil ich einfach nicht orten kann. Ich war früher im Gespräch am Tisch mit einigen Leuten immer mitten drin, heute schaue ich immer, dass ich so sitze, das ich alle zu meiner hörenden Seite sitzen habe und kriege trotzdem nicht alles mit. Selbst die Leute, die mir nahe stehen, denken da nicht dran. Man muss also lernen, damit umzugehen und für sich selbst zu sorgen. Der chronische Tinitus, das fehlende Gehör, was mehr bedeutet, als man glaubt und hinzu noch das kaputte Gleichgewicht beeinträchtigen das Leben, man kann damit leben, sicher, muss versuchen es mit Humor zu nehmen, aber es macht mich persönlich oft auch sehr leicht reizbar.
Ich wurde damals innerhalb von einem Jahr 2mal operiert.
Die erste OP erfolgte oberhalb der Schädeldecke, man wollte dabei Gehör- und Gleichgewichtsnerv umgehen. Für mich war damals schlimm, dass man mir die Haare abrasieren mußte
ich wurde in Düsseldorf-Heerdt operiert. Das war aber damals eher ein Zufall, weil der mich einweisende Arzt Vertretung bei meiner HNO-Ärztin in Duisburg hatte. Ich glaube, meine HNO-Ärztin hatte damals viel zu wenig Erfahrung. Sie hat es selbst auf den MRT-Bildern nicht erkannt. Als ich damals einfach so zur Praxis ging, weil es mir immer schlechter ging, was auch daran lag, dass man nun schon ein halbes Jahr keine Ursache für meine Beschwerden fand, sah der Arzt auf den Bildern sofort, an was litt. Mein Glück, das ich mich nicht auf die darauffolgende Woche vertrösten ließ, sondern auf den Vertretungsarzt bestand.
Nach der zweiten OP litt ich ein paar Monate an ganz heftigen Kopfschmerzattaken und Schwindel bzw. Unsicherheit. Das hörte aber irgendwann auf.
Den Tinitus hatte ich ca. 1/2 Jahr im Vorfeld. Es ist ja bekannt, dass, wenn der einige Zeit vorhält, chronisch werden kann. Ja, für mich auch fast unglaublich, dass ich seit 25 Jahren damit lebe.
Ich habe am Anfang jedes Jahr eine MRT-Kontrolle gemacht. Dann alle 2 Jahre. Und irgendwann gar nicht mehr, weil ich die Untersuchung ansich schon fast unerträglich finde. War aber alles meine eigene Entscheidung. Es stand und steht mir aber immer noch frei ein MRT machen zu lassen, sobald ich Beschwerden oder Angst habe.
Mittlerweile habe ich es auch schon vergessen anzugeben, wenn mich jemand nach Operationen fragt (z.B. ein neuer Arzt), so sehr habe ich alles angenommen...selbst den Tinitus.
Natürlich kam hinzu, das ich damals sehr jung war. Die Ärztin kannte diese Erkrankung bei so jungen Menschen gar nicht. Ich war voller Power und Lebensmut. Meine Eltern haben damals schlimmer gelitten als ich. Was ich heute, wo ich selbst einen Sohn habe, total verstehe.
Alles Liebe
OP zweifach 1989 in Düsseldorf-Heerdt
