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von ANFux » 03.05.2012, 17:25
Liebe Mozart,
liebe hermine, liebe kandis, liebe an,
alles, was Ihr schreibt, kann ich nachempfinden. Ich habe es zumindest eine Weile durchlebt. Diese Formulierung zeigt schon, daß die geschilderten Mißempfindungen nicht dauerhaft sein müssen !
Allerdings muß ich - wie alte Leute es oft so machen - einflechten: Früher war vieles anders. Ich war 4 (vier) Wochen im Krankenhaus nach der OP, ohne Komplikationen. Ich bin Prof. Freigang noch heute dankbar dafür.
Wer meine frühen Beiträge gelesen hat, wird Schilderungen von mir kennen, in denen ich davon schrieb, daß die Bilder beim Gehen sich so wackelnd bewegten, als hätte ich eine Kamera im Helm und würde eine holprige Abfahrtsstrecke mit den Skiern hinunterfahren. Auch das Ticken im Kopf, das Rauschen, kenne ich.
Es ging weg, mit der Zeit, nicht von allein, sondern durch Training. Das bedeutet sanftes, aber konsequentes Heranführen an einen gewissen Geräuschpegel, nicht isolieren, aber auch nichts übertreiben. Mittelweg - wie Mozart vermutet - korrekt.
Wir haben es hier wieder mit einem typischen Arzt-Patienten-Problem zu tun. Was meine ich damit? Die Ärzte erfahren viele Dinge nur vom (aufmerksamen und wortgewandten) Patienten. Selbst vieles, was im Lehrbuch steht oder in Vorlesungen gebracht wurde, wissen die Ärzte aus den Schilderungen der betroffenen Patienten. Wir sind also für die Ärzte eine wahre Fundgrube! Wir sollten also schildern, wie es uns geht, möglichst genau.
Von den Ärzten muß dann erwartet werden, daß sie uns nicht als unzufriedene Nörgler oder Weicheier betrachten, sondern als Betroffene, die mitdenken und Ursachen wissen möchten, und auch Hinweise zur aktiven Mitarbeit zur Bewältigung der Probleme. Das wäre dann echte Teamarbeit, zum Nutzen beider, der Patienten und der Ärzte.
In diesem Sinne möchte ich Erfahrungen nennen, die ich namentlich durch Ausführungen von Prof. Rosahl (NC, Helios-Klinik in Erfurt) gemacht habe. Von ihm habe ich mehrmals, erstmals 2010 auf dem Neurochirurgenkongreß in Erfurt, von der Bedeutung der Arteria lbyrinthi gehört. Diese wichtige und sehr individuell verzweigte dünne Arterie dient der Blutversorung des Innenohrs, und dort verlaufen bekanntlich die N. facialis, N. vesticochlearis und N. intermedius. Prof. Rosahl hat nach meinem Wissen die Bedeutung dieser Arterie für die Erreichung eines optimalen OP-Ergebnisses bei AN-OP ins Bewußtsein der AN-Chirurgen gerückt. Er bzw. sein Team wendet eine sehr detailierte Kontrolle dieser Arterie während der OP an. Das Monitorin dieser Aterie hat zu Recht fast den gleichen Stellenwert wie das Nervenmonitoring. Als ich Ende März dieses Jahres in Halle an einer Mikrichirurgentagung zum AN teilnahm, spielte diese Arterie in einigen Beiträgen eine Rolle. Das Problem ist also im Fokus.
Ohne uns zu wichtig aufzuführen und ohne besserwisserich erscheinen zu wollen, können und sollten wir in Gesprächen mit "unseren" Ärzten aber ruhig mal das Gespräch auf diesen Sachverhalt bringen.
Dir, liebe Mozart und allen anderen Betroffenen wünsche ich Geduld und Ausdauer beim Arrangieren mit der neuen Situation.
Beste Grüße
ANFux
1939, m. '94 transtemp. OP (15 mm) in Magdeburg/Prof. Freigang, einseitig taub, kein Tinnitus, keine Fazialispar. Rehakur in Bad Gögging. '96-'04 im Vorstand d. VAN in D, seitdem Beratungen zum AN. Ab '07 Moderator, ab '08 Homepage-Verantwortl.(bis 2012)