Lieber berliner,
was das Hörvermögen nach der OP angeht, kann es rauf und runter gehen und wieder rauf... Das wünsche ich Dir!
Die Regeneration des Hörnervs muss nicht stetig nach oben verlaufen. Ich habe mich mit einer Akustikerin in der Uniklinik Mainz, die seit mehr als 16 Jahren AN-Patienten testet, darüber intensiv unterhalten, weil mich meine anfänglich sehr unterschiedlichen Hörtestergebnisse nervten. Es gibt wohl leider auch ANler, wo die anfänglich geminderte Hörleistung nach 2-3 Monaten ganz einbricht. Auch wenn ein Test viel schlechter ist als der vorherige, ist ein bißchen Hören immer besser als gar nichts. Hast Du absolute Stille (abgesehen vielleicht von Tinnitus) auf dem Ohr? Hast Du die Ergebnisse Deiner Tests, um den Verlauf objektiv nachzuvollziehen? Ich habe anfangs kaum Unterschiede gehört, obwohl die Tests unterschiedlich waren.
Der Hörnerv hat eine Regenerationsphase von ca. 6 Monaten nach der OP, hat mir Prof. Mann, mein Operateur, erläutert. Zur Unterstützung hat er mir in dieser Zeit ein Medikament verschrieben: Betahistin 12 mg. Das habe ich über ein halbes Jahr tägl. 3x1 eingenommen, sollte es im Bedarfsfall bis zu 3x2 tägl. steigern. Betahistin ist laut Prof. Mann DER Wirkstoff, um das Innenohr zu durchbluten und den ganzen Hörapparat zu regenerieren nach einer AN OP.
Eigentlich wird Betahistin bei Morbus Meniere gegen Schwindel eingesetzt. Die Neurolgen in der AHB wollten, dass ich das Medikament absetze. Ich habe mich dagegen ausgesprochen und nach Rücksprache mit Prof. Mann weiter eingenommen.
Ob dank Betahistin oder aufgrund irgendetwas anderem in diesem doch sehr individuell verlaufenden Gesundungsprozess, ich höre wieder relativ gut auf dem rechten Ohr und mit meinem Hörgerät hatte ich im Kontrolltest 100% Sprachverständnis!
Vielleicht hilft Dir das weiter. Einen Versuch ist Betahistin wert, finde ich.
Den Tipp, Dich zu schonen, hat Dir ANFux schon gegeben. Ich kenne das sehr gut: Schnell wieder in Leben kommen, wie es vor der OP war. Einfach mitmachen wollen. Schnell wieder arbeiten. Die Krankphase hinter sich lassen und neu durchstarten.
Du wirst selber merken, dass Du mit einem langsameren Tempo schneller voran kommst. Du schreibst in der Signatur, dass Du auch Kopfschmerzen hast. Auch dagegen hilft, einen Gang runter zu schalten und sich bewusste Auszeiten zur Entspannung zu nehmen. Für mich habe ich festgestellt, dass die Beeinträchtigungen (Hören, Kopfschmerz, Facialisparese, Verspannungen, Tinnitus) bzw. deren Ausprägungen zusammenhängen und ich mit Achtsamkeit mir gegenüber ganz gut funktioniere. Leider ist es immer noch so, dass ich fürs Übertreiben (= eine zeitlang das alte Leben leben) die Quittung bekomme und dann in den Seilen hänge. Die Regenerationszeiten werden jedoch immer kürzer! Also geht es weiter aufwärts!!!
Ich wünsche Dir gute Besserung und alles Gute,
claude