Frage zu Taubheit durch OP

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Amsel
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Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Amsel » 15.07.2011, 15:37

Hallo, liebe AN-Foris!

In einem Beitrag habe ich gerade gelesen, daß jemand nach einer OP vollständig ertaubt ist, der vorher schwerhörig war.
Das scheint auch bei anderen immer wieder vorzukommen und läßt sich wohl nicht verhindern.

Mich würde interessieren, was die Taubheit auslöst. Bei translabyrinthärem OP-Zugang ist ja die Taubheit automatische Folge der OP (werden außer dem Labyrinth die Gehörknöchelchen entfernt?).

Bei subokzipitalem und transtemporalem OP-Zugang kann ich es mir nicht so recht erklären. Muß man vielleicht davon ausgehen, daß der Hirnnerv (der Cochlea-Anteil) geschädigt/zerstört wird?

Ich freue mich, wenn mir jemand dazu eine Info geben könnte.

Herzliche Grüße

Amsel
*1962/w. Diagn. Mai 2011: AN rechts, 13mm x 8mm x 7mm, intra- und extrameatale Anteile, rechts taub und Tinnitus, OP: September 2011, Uni-KH Erlangen - Otochirurgie (Prof. Iro/Prof. Zenk), translabyrinthärer Zugang
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ANFux
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von ANFux » 16.07.2011, 20:30

Liebe Amsel,

wenn bei einer AN-OP von Taubheit gesprochen wird, dann ist die einseitige gemeint, also die auf der Seite, auf der der Tumor sitzt oder sass.

Auf der Homepageseite (ausserhalb des Forums!) zur Therapie, genauer auf der Seite zur Operation, steht u.a.

"Bereits vor der OP eingetretener Hörverlust bleibt häufig bestehen. Wird der Hörnerv während der OP stark in Mitleidenschaft gezogen oder gar beschädigt, führt das zu Schwerhörigkeit oder Taubheit auf dem jeweiligen Ohr. Ausfälle der Hörfunktion lassen sich durch geeignete Hörhilfen kompensieren."

Bitte dort lesen.
Zuvor werden dort die Schwierigkeiten geschildert, wenn der Tumor von den Nervenhüllen abgelösst wird.

Um eine weitere Frage gleich vorwegzunehmen:
Ganz grob gesagt, gelingt es heute guten Operateuren, in 50 bis 75 % der Fälle ein Hörvermögen zu erhalten. Mehr sage ich nicht zu den Aussichten in Zahlen!

Beste Grüsse
ANFux
1939, m. '94 transtemp. OP (15 mm) in Magdeburg/Prof. Freigang, einseitig taub, kein Tinnitus, keine Fazialispar. Rehakur in Bad Gögging. '96-'04 im Vorstand d. VAN in D, seitdem Beratungen zum AN. Ab '07 Moderator, ab '08 Homepage-Verantwortl.(bis 2012)
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Amsel » 17.07.2011, 02:11

Lieber ANFux,

herzlichen Dank für Deine Antwort!

Ich hatte schon fleißig auf der Hauptseite der HP gestöbert.

"... Wird der Hörnerv während der OP stark in Mitleidenschaft gezogen oder gar beschädigt, führt das zu Schwerhörigkeit oder Taubheit auf dem jeweiligen Ohr ..."

Dieser Satz ist mir offenbar entgangen. Bitte entschuldige.


Es war mir bisher nicht bewußt, daß auch der Cochlearis-Anteil des Vestibulocochlearis-Nerven geschädigt werden kann, bzw. wohl häufig geschädigt wird. (durch die OP)

Naja, ich bin ja sowieso schon ein Einohrhase.
Ich bin ja immerhin in der glücklichen Lage und sehr dankbar, ein gesundes Ohr zu haben.

Aber wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann einmal CIs, die mehr als einen "Höreindruck" vermitteln, ...
und für die ja ein intakter Hörnerv notwendig ist.

Bei mir ist diesbezüglich noch nichts getestet worden. Ich merke aber, daß ich einen geringen Hörrest habe. Es klingt, als ob man über eine leere Flasche blasen würde, zusätzlich leicht metallern, kann aber nichts verstehen, ist nur ein leises Geräusch.
Ich habe bei 125 Hertz eine Hörschwelle von 50 dB, höhere Frequenzen liegen bei höherer dB-Zahl [habe gerade mein Ton-Audiogramm leider nicht zur Hand].

Es hat mich sehr (!) überrascht, daß sich mein Hörvermögen um 20 dB verbessert hat (ich glaube, nicht auf allen Frequenzen, ich erinnere mich aber sicher, bei 125 Hertz hatte ich vier Wochen zuvor direkt nach der plötzlichen Ertaubung eine Hörschwelle von 70 dB).
Ich hatte ja zu Beginn zehn Tage Cortison-Therapie. Vielleicht hat diese ja die die Verbesserung gebracht, die für ein nennbares Hören aber viel zu gering ist.

Herzliche Grüße

Amsel

PS: Ich habe noch einmal gesucht und noch nichts darüber gefunden, warum ein translabyrinthärer OP-Zugang in jedem Fall zur Taubheit führt. Kann mir jemand dazu etwas mitteilen?
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von ANFux » 17.07.2011, 18:40

Liebe Amsel,

beim translabyrinthären Zugang wird das Innenohr quasi "ausgeräumt" wie die HNO-Chirurgen salopp sagen.
Zum Innenohr gehören die Hörschnecke und das Gleichgewichtsorgan, bestehend aus den Bogengängen.

Auch hier verweise ich auf die Homepageseiten "Therapie - Operation - Die drei Zugangswege - Translabyrinthärer Zugang......"

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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Tobi » 15.09.2012, 15:26

Hallo zusammen,

ich habe "die Ehre" ANFuxs Ausführen zu ergänzen... Vor der OP hatte ich 100% Gehör. Bei mir konnte der Hörnerv vollständig erhalten werden, leider wurde bei der OP meine Arteria Labyrinthi durchtrennt, was bei mir einen sehr üblen Tinnitus plus absolute Taubheit auf dem Ohr zur Folge hat.

Der Grund dafür ist mir nicht bekannt, da ich es nur durch Zufall durch den angeforderten OP-Bericht erfahren habe!

Viele Grüße
Tobi
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Lulu » 27.05.2016, 12:46

Hallo, liebe Mitleser!

Um das Thema nochmals hervorzuheben: wie verhält es sich mit der Taubheit TROTZ vollständig erhaltener Nerven/Arterien? Dies trifft auf meinen Fall zu. Was kann da passiert sein? Würde es sich um eine Reizung handeln, wäre es doch theoretisch nicht irreversibel, oder täusch ich mich?
Ich kann es natürlich nicht ändern, würde es aber gern verstehen. In der Klinik wurde nur darauf verwiesen, dass alles erhalten wurde und der HNO-Arzt bitte drüber schauen solle. Vom HNO-Arzt wiederum gibt es daraufhin nur Schulterzucken.
Ich, als Laie (aber eben Betroffene), steh nun sehr ratlos da - schließlich gab es nicht einmal den Versuch einer Erklärung.

Edit: Zu meiner Situation- ich hatte vor der OP beidseitig ausgezeichnetes Gehör. Nach der OP: Einseitig taub. Zugang: Halbkreis über und hinter dem Ohr (mir ist der Begriff entfallen).

Liebe Grüße,
Lulu
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Patty » 22.10.2018, 19:09

Lulu hat geschrieben:Hallo, liebe Mitleser!

Um das Thema nochmals hervorzuheben: wie verhält es sich mit der Taubheit TROTZ vollständig erhaltener Nerven/Arterien? Dies trifft auf meinen Fall zu. Was kann da passiert sein? Würde es sich um eine Reizung handeln, wäre es doch theoretisch nicht irreversibel, oder täusch ich mich?
Ich kann es natürlich nicht ändern, würde es aber gern verstehen. In der Klinik wurde nur darauf verwiesen, dass alles erhalten wurde und der HNO-Arzt bitte drüber schauen solle. Vom HNO-Arzt wiederum gibt es daraufhin nur Schulterzucken.
Ich, als Laie (aber eben Betroffene), steh nun sehr ratlos da - schließlich gab es nicht einmal den Versuch einer Erklärung.

Edit: Zu meiner Situation- ich hatte vor der OP beidseitig ausgezeichnetes Gehör. Nach der OP: Einseitig taub. Zugang: Halbkreis über und hinter dem Ohr (mir ist der Begriff entfallen).

Liebe Grüße,
Lulu
Liebe Lulu
Ich habe gerade deinen Beitrag gesehen. Hat sich inzwischen etwas an deiner Situation geändert? Hörst du wieder? Oder konnte man dir erklären, weshalb du taub bist trotz Erhalt des Hörnervs? Es interessiert mich, da ich in der selben Situation bin. Meine OP war im Juli.

Liebe Grüsse

Patricia
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Lulu » 22.10.2018, 20:39

Liebe Patricia,

leider hat sich nichts daran geändert.
Ich habe aber einen HNO-Arzt gefunden, der mir das erklären konnte (u.a. eine Art Schock durch den Eingriff) und umfangreiche Tests durchführte. Außerdem klärte er mich über sämtliche Therapiemethoden auf (Cross, CI, etc.) und ist zudem auf Tinnitus spezialisiert.
Tinnitus hab ich nur noch (auf dem tauben Ohr), wenn ich im Stress bin. Hören kann ich durch mein gesundes Ohr recht gut.

Dadurch habe ich die einseitige Taubheit super kompensieren können und wieder angefangen, normal zu leben. Durch das akzeptieren und kompensieren (ich bin viel hellhöriger auf der gesunden Seite geworden), gingen dann auch die lästigen Ohrgeräusche weg. Es ist definitiv kein Beinbruch, wir haben ja zwei Ohren.

Im nächsten Jahr (dieses Jahr war es beruflich zu stressig) werde ich meine CI-Tauglichkeit testen lassen. Ich bin wohl noch in der unkritischen Zeitspanne (bis zu 5 Jahre nach Hörverlust). Da die Geräte sehr klein und komfortabel geworden sind, könnte ich mir das gut vorstellen; vorausgesetzt es klappt überhaupt.
Patty
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Re: Frage zu Taubheit durch OP

Beitrag von Patty » 23.10.2018, 09:53

Lulu hat geschrieben:Liebe Patricia,

leider hat sich nichts daran geändert.
Ich habe aber einen HNO-Arzt gefunden, der mir das erklären konnte (u.a. eine Art Schock durch den Eingriff) und umfangreiche Tests durchführte. Außerdem klärte er mich über sämtliche Therapiemethoden auf (Cross, CI, etc.) und ist zudem auf Tinnitus spezialisiert.
Tinnitus hab ich nur noch (auf dem tauben Ohr), wenn ich im Stress bin. Hören kann ich durch mein gesundes Ohr recht gut.

Dadurch habe ich die einseitige Taubheit super kompensieren können und wieder angefangen, normal zu leben. Durch das akzeptieren und kompensieren (ich bin viel hellhöriger auf der gesunden Seite geworden), gingen dann auch die lästigen Ohrgeräusche weg. Es ist definitiv kein Beinbruch, wir haben ja zwei Ohren.

Im nächsten Jahr (dieses Jahr war es beruflich zu stressig) werde ich meine CI-Tauglichkeit testen lassen. Ich bin wohl noch in der unkritischen Zeitspanne (bis zu 5 Jahre nach Hörverlust). Da die Geräte sehr klein und komfortabel geworden sind, könnte ich mir das gut vorstellen; vorausgesetzt es klappt überhaupt.
Liebe Lulu

Vielen Dank für deine Antwort und alles Gute! :-) Schön zu hören, dass man es mit der Zeit akzeptieren kann.
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