Entscheidung getroffen, zu viel Info ist auch nicht gut
Verfasst: 14.07.2011, 11:01
Hallo allerseits,
ich verfolge das Forum nun seit dem 31.05.2011. An diesem Tag stand meine Diagnose fest. Nun wollte ich mal einen Bericht über meine letzten Wochen abgeben.
Mein Problem war dabei sicherlich, dass ich nicht zu wenig, sonder zu viel wusste. Ich bin selber Kinderärztin, habe sehr viele Freunde aus der HNO, einen befreundeten Neurochirurgen und ein enger Verwandter kennt sich sehr gut mit Bestrahlung aus und weiss, wo welche Geräte in Deutschland stehen.
Gott sei Dank waren dies aber auch alles Leute, die eine wirklich objektive, neutrale Aussage machen konnten, während alle anderen, die man befragt doch ihre eigene Abteilung empfehlen. Sei es Neurochirurgisch, HNO-Chirurgisch oder Strahlentherapeutisch. Daher helfen einem die Gespräche mit diesen Fachleuten meiner Meinung nach nicht wirklich weiter.
Zur Vorgeschichte: seit ca. Herbst 2010 bemerkte ich ganz dezente Gleichgewichtsstörungen, die jeweils nur Bruchteile von Sekunden andauerten und ich einfach nur das Gefühl hatte, nicht im Lot zu sein. Auch beim Tennis und Beachvolleyballspielen hatte ich nicht die Standfestigkeit wie sonst. Das wurde aber alles mit der Zeit wieder besser. Außerdem stellte ich etwa zur gleichen Zeit fest, dass ich ganz hohe Piepstöne (z.B: Wäschetrockner) nicht mehr gut hörte, wenn ich auf dem rechten Ohr lag. Im Frühjahr habe ich mit meinen Kindern dann mal aus Spaß versucht, auf einem Bein zu stehen und dabei die Augen zu schließen (konnte ich vorher immer). Dabei bin ich sofort umgekippt und mir schoss sofort in den Kopf : Akustikusneurinom. Damals dachte ich noch. Ok, bin halt ein hypochrondrischer Mediziner, beruhige dich mal wieder, wird schon nicht sein. Befragte dann aber im Mai doch einen befreundeten HNO-Arzt zu all diesen Symptomen. Er stellte eine leichte Hörminderung fest links im Hochtonbereich sowie einen Totalausfall des linken Gleichgewichtsnerves in der Gehörgangspülung. Dann wohl doch MRT und Bingo: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind nun stolzer Besitzer eines Akustikusneurinoms.
Mein erster Gedanke war: OK, nichts bösartiges, kein Aneurysma im Kopf, werde ich nicht dran Sterben, geht schon. Dann nach einer Woche totaler Zusammenbruch, als hätte jemand den Stecker aus der Steckdose gezogen. Konnte vor Schwäche nicht mehr aufstehen, wurde sofort duselig und musste mich wieder setzen. Relativ schnell dachte ich, dass es die psychische Belastung sein muss und habe zu dem Zeitpunkt (eine Woche nach Diagnose) erstmalig so richtig geweint. Danach ging es mir besser.
Dann habe ich meine Bilder verschickt, war in Tübingen, Hannover, habe mit Würzburg telefoniert und mit Krefeld. Jeder wollte mich unter seine Fittiche nehmen. Klar. Bin ja dazu auch noch Privatpatient. Erst dachte ich OP, dann doch Bestrahlung, dann wieder OP, um das Ding endgültig los zu werden. Da ich aber großer Musikfan bin, viel in Konzert, Oper, Ballett gehe, im Chor singe, Klavier spiele etc und außerdem mein Gehör eigentlich dringend für meinen Beruf brauche, hatte ich aber doch schon große Angst, zu ertauben. Falls dann nochmal ein Hörsturz auf der anderen Seite käme, könnte ich ggf. meinen Beruf nicht mehr ausüben. Also alles doof. Und Fazialispares: Auch keine Lust drauf.
Dann kam die Fügung von oben. Ich spielte auf einem Tennisturnier gehen eine Frau mit Fazialisparese und habe sie darauf angesprochen. Und siehe da, sie hatte das gleiche, ist operiert, danach ertaubt, Fazialisparese seit 8 Jahren, war ein Jahr außer Gefecht und das alles bei kleinem Tumor. Lag halt blöd, war verbacken usw.
Da dachte ich: Das Ding ist so selten und spiele in der Entscheidungsphase OP/Bestrahlung ausgerechnet gehen sie Tennis. Das kann kein Zufall sein. Ich möchte definitiv noch nicht ertauben oder mit Fazialisparese rumlaufen. Ich hatte auf einmal ein ganz schlechtes Bauchgefühl bezüglich OP.
Nach 2 Tagen stand meine Entscheidung fest: Werde mich am 12.08. in Krefeld bestrahlen lassen.
Ich weiss auch, dass auch dabei ein Gehörverlust auftreten kann, selten auch einen Fazialisstörung und ggf. auch ein Nachwachsen, aber ich habe doch von zu vielen Komplikationen nach OP gehört und einen Ausfall von 1 Jahr geht gar nicht. Weder für mich, noch für meine Patienten.
Nebenbei hat dann auch noch ein guter Freund, der selber Neurochirurg ist gesagt, wenn es sein Tumor wäre würde er ihn bestrahlen lassen. Und das als Neurochirurg. Das war für mich auf schon wegweisend.
Und übrigens für alle, die Angst vorm Ausfall des Gleichgewichtsnerven haben. Ich habe den Ausfall so akut nicht mitbekommen, kann Skilaufen, Fahrradfahren, balancieren, mit Übung jetzt auch wieder mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen und auch sonst alle Sportarten machen.
Mein Akustikusneurinom ist intra- und extrameatal und 1,6x0,6x0,9 cm und reicht gerade an den Hirnstamm.
40 Jahre, verheiratet, 2 Kinder von 4+7Jahren
So, das war ein langer Bericht, habe auch gar keine Fragen, aber vielleicht hilft dem einen oder anderen mein Bericht und kann auch gerne persönlich mit mir in Kontakt treten.
Allen anderen Akustikusneurinombesitzern wünsche ich alles gute und ein gutes Bauchgefühl in der Entscheidung.
Ich werde selbstverständlich weiter über meinen Werdegang nach Bestrahlung berichten.
Sportfan
ich verfolge das Forum nun seit dem 31.05.2011. An diesem Tag stand meine Diagnose fest. Nun wollte ich mal einen Bericht über meine letzten Wochen abgeben.
Mein Problem war dabei sicherlich, dass ich nicht zu wenig, sonder zu viel wusste. Ich bin selber Kinderärztin, habe sehr viele Freunde aus der HNO, einen befreundeten Neurochirurgen und ein enger Verwandter kennt sich sehr gut mit Bestrahlung aus und weiss, wo welche Geräte in Deutschland stehen.
Gott sei Dank waren dies aber auch alles Leute, die eine wirklich objektive, neutrale Aussage machen konnten, während alle anderen, die man befragt doch ihre eigene Abteilung empfehlen. Sei es Neurochirurgisch, HNO-Chirurgisch oder Strahlentherapeutisch. Daher helfen einem die Gespräche mit diesen Fachleuten meiner Meinung nach nicht wirklich weiter.
Zur Vorgeschichte: seit ca. Herbst 2010 bemerkte ich ganz dezente Gleichgewichtsstörungen, die jeweils nur Bruchteile von Sekunden andauerten und ich einfach nur das Gefühl hatte, nicht im Lot zu sein. Auch beim Tennis und Beachvolleyballspielen hatte ich nicht die Standfestigkeit wie sonst. Das wurde aber alles mit der Zeit wieder besser. Außerdem stellte ich etwa zur gleichen Zeit fest, dass ich ganz hohe Piepstöne (z.B: Wäschetrockner) nicht mehr gut hörte, wenn ich auf dem rechten Ohr lag. Im Frühjahr habe ich mit meinen Kindern dann mal aus Spaß versucht, auf einem Bein zu stehen und dabei die Augen zu schließen (konnte ich vorher immer). Dabei bin ich sofort umgekippt und mir schoss sofort in den Kopf : Akustikusneurinom. Damals dachte ich noch. Ok, bin halt ein hypochrondrischer Mediziner, beruhige dich mal wieder, wird schon nicht sein. Befragte dann aber im Mai doch einen befreundeten HNO-Arzt zu all diesen Symptomen. Er stellte eine leichte Hörminderung fest links im Hochtonbereich sowie einen Totalausfall des linken Gleichgewichtsnerves in der Gehörgangspülung. Dann wohl doch MRT und Bingo: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind nun stolzer Besitzer eines Akustikusneurinoms.
Mein erster Gedanke war: OK, nichts bösartiges, kein Aneurysma im Kopf, werde ich nicht dran Sterben, geht schon. Dann nach einer Woche totaler Zusammenbruch, als hätte jemand den Stecker aus der Steckdose gezogen. Konnte vor Schwäche nicht mehr aufstehen, wurde sofort duselig und musste mich wieder setzen. Relativ schnell dachte ich, dass es die psychische Belastung sein muss und habe zu dem Zeitpunkt (eine Woche nach Diagnose) erstmalig so richtig geweint. Danach ging es mir besser.
Dann habe ich meine Bilder verschickt, war in Tübingen, Hannover, habe mit Würzburg telefoniert und mit Krefeld. Jeder wollte mich unter seine Fittiche nehmen. Klar. Bin ja dazu auch noch Privatpatient. Erst dachte ich OP, dann doch Bestrahlung, dann wieder OP, um das Ding endgültig los zu werden. Da ich aber großer Musikfan bin, viel in Konzert, Oper, Ballett gehe, im Chor singe, Klavier spiele etc und außerdem mein Gehör eigentlich dringend für meinen Beruf brauche, hatte ich aber doch schon große Angst, zu ertauben. Falls dann nochmal ein Hörsturz auf der anderen Seite käme, könnte ich ggf. meinen Beruf nicht mehr ausüben. Also alles doof. Und Fazialispares: Auch keine Lust drauf.
Dann kam die Fügung von oben. Ich spielte auf einem Tennisturnier gehen eine Frau mit Fazialisparese und habe sie darauf angesprochen. Und siehe da, sie hatte das gleiche, ist operiert, danach ertaubt, Fazialisparese seit 8 Jahren, war ein Jahr außer Gefecht und das alles bei kleinem Tumor. Lag halt blöd, war verbacken usw.
Da dachte ich: Das Ding ist so selten und spiele in der Entscheidungsphase OP/Bestrahlung ausgerechnet gehen sie Tennis. Das kann kein Zufall sein. Ich möchte definitiv noch nicht ertauben oder mit Fazialisparese rumlaufen. Ich hatte auf einmal ein ganz schlechtes Bauchgefühl bezüglich OP.
Nach 2 Tagen stand meine Entscheidung fest: Werde mich am 12.08. in Krefeld bestrahlen lassen.
Ich weiss auch, dass auch dabei ein Gehörverlust auftreten kann, selten auch einen Fazialisstörung und ggf. auch ein Nachwachsen, aber ich habe doch von zu vielen Komplikationen nach OP gehört und einen Ausfall von 1 Jahr geht gar nicht. Weder für mich, noch für meine Patienten.
Nebenbei hat dann auch noch ein guter Freund, der selber Neurochirurg ist gesagt, wenn es sein Tumor wäre würde er ihn bestrahlen lassen. Und das als Neurochirurg. Das war für mich auf schon wegweisend.
Und übrigens für alle, die Angst vorm Ausfall des Gleichgewichtsnerven haben. Ich habe den Ausfall so akut nicht mitbekommen, kann Skilaufen, Fahrradfahren, balancieren, mit Übung jetzt auch wieder mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen und auch sonst alle Sportarten machen.
Mein Akustikusneurinom ist intra- und extrameatal und 1,6x0,6x0,9 cm und reicht gerade an den Hirnstamm.
40 Jahre, verheiratet, 2 Kinder von 4+7Jahren
So, das war ein langer Bericht, habe auch gar keine Fragen, aber vielleicht hilft dem einen oder anderen mein Bericht und kann auch gerne persönlich mit mir in Kontakt treten.
Allen anderen Akustikusneurinombesitzern wünsche ich alles gute und ein gutes Bauchgefühl in der Entscheidung.
Ich werde selbstverständlich weiter über meinen Werdegang nach Bestrahlung berichten.
Sportfan