Entscheidung für OP in Tübingen
Verfasst: 22.06.2011, 12:39
Liebe Forumsmitglieder,
bisher habe ich das Forum nur als Leser benutzt und bin für die vielen hilfreichen Beiträge sehr dankbar. Sie haben mich neben der guten Unterstützung durch Freunde bei meiner Entscheidung, einen Operateur zu finden, sehr geholfen. An dieser Stelle möchte ich ANFux für seinen Rat ebenfalls danken.
Im März 2011 hatte ich Ohrenschmerzen und ging mit dem Verdacht auf eine Mittelohrentzündung zum HNO-Arzt in Bad Soden am Taunus (Dr. Motzko). Seine Diagnose überraschte mich sehr. Er diagnostizierte keine Mittelohrentzündung sondern einen Hörsturz im Hochtonbereich. Es folgten mehrere Infusionen in Bad Soden am Taunus und in Berlin, die jedoch keine Besserung brachten. Mein Hörverlust beträgt seitdem ca. 20% auf dem rechten Ohr.
Mein Hausarzt in Berlin (Dr. Thomas Wünsche), dem ich sehr vertraue, überwies mich zur weiteren Behandlung zu einer HNO-Ärztin in Berlin (Dr. Gesine Schwarz). Sie beobachtete den Hörsturz und machte weitere Tests (Hörtest und Innenohrhörtest). Insbesondere der Innenohrhörtest, den ich leider arbeits- und urlaubsbedingt erst Anfang Juni machen konnte, ergab für sie keine schlüssigen Ergebnisse. Aus diesem Grund schickte sie mich zum Radiologen. Sie wollte einfach schlimmere Ursachen ausschließen, hatte aber keinen konkreten Verdacht.
Nachträglich bin ich ihr für diese Entscheidung sehr sehr dankbar, hatte ich doch anfänglich Zweifel am Sinn dieser Überweisung zum Radiologen. Er stellte fest, dass ich einen 25x23x16 mm großen Kleinhirnbrückenwinkeltumor (in- und extrameatal, homogen) habe. Ich war regelrecht geschockt, weil ich als Ursache für den Hörsturz andere Gründe vermutet habe als einen Tumor. An so etwas habe ich nie gedacht. Ich führte ihn eher auf beruflichen Stress zurück.
Hinsichtlich der Wartezeit für das MRT hatte ich zudem wirklich Glück, da jemand seinen Termin abgesagt hatte, musste ich nur eine Woche und nicht bis Ende August warten.
Mein Hausarzt und auch meine HNO-Ärztin waren nicht weniger als ich über den Befund des Radiologen überrascht. Als erste Anlaufstelle wurde ich in das St. Gertraudenkrankenhaus in Berlin überwiesen. Es hat - neben dem Bundeswehrkrankenhaus und der Charité - als einziges Berliner Krankenhaus auch eine HNO-Notaufnahme. Diese war mir bereits durch die Infusionen am Wochenende im März gut bekannt. Die Ärzte und Schwestern der HNO-Abteilung kümmerten sich wieder sehr gut um mich, sagten mir aber auch, dass das AN zu groß für eine Behandlung im HNO-Bereich wäre, weil mein Gehör noch so gut sei, dass es eher ein Fall für die Neurochirurgie wäre.
Kurze Zeit später befand ich mich in der Neurochirurgie des St. Gertraudenkrankenhauses von Chefarzt Dr. Kaminsky. Ein Oberarzt, Dr. Nagel, nahm sich sehr viel Zeit für mich und beantwortete alle meine Fragen, die sich mir so kurz nach einer derartigen Diagnose auftaten. Ich ging dann sehr beruhigt heim, entschloss mich aber, weitere Meinungen anzuhören, da mir die Gefahr einer einseitigen Taubheit oder einer Facialisparese einfach zu groß waren.
Ich machte also nach Pfingsten Termine an der Uniklinik in Tübingen, dem MHH und dem INI in Hannover. Ich wählte jeweils die Privatsprechstunde, da ich so schneller einen Termin bekam. Einen Termin in der Charité habe ich erst gar nicht in Erwägung gezogen, ich die Charité selbst durch Krankenbesuche kenne und mein Freundeskreis wie ich die Meinung vertreten, dass die Charité für so einen Eingriff nicht geeignet sei.
Bisher war ich nur in Tübingen. Prof. Dr. Tatagiba und die Crona-Klinik haben mich sehr überzeugt. Im Gegensatz zum St. Gertraudenkrankenhaus wurde ich hier viel intensiver untersucht, es wurden viel präzisere Fragen gestellt und detailliertere Antworten gegeben. Man hat gemerkt, dass die Crona-Kliniken jahrelang Erfahrung in Sachen AN haben.
Im Grunde war aber die Diagnose identisch mit den Aussagen der anderen Ärzte: AN, gutartig, zu groß für mein Alter von 33 Jahren, daher OP besser als Bestrahlung, OP binnen 6 Monaten. Zudem sei es erstaunlich, dass ich bisher nur so wenige Ausfallerscheinungen habe und dass mich meine HNO-Ärztin bereits nach nur einem Hörsturz zum MRT geschickt hat und dadurch das AN so schnell festgestellt werden konnte.
Prof. Dr. Tatagiba stellte zudem fest, dass anscheinend mein nervus facialis bereits leicht beeinträchtigt sei. Selbst hatte ich bereits festgestellt, dass mein rechtes Ohr berührungsunempfindlicher ist, zeitgleiches Berühren der Stirnhälften und der Wangen ergab jedoch ebenfalls eine leicht unterschiedliche Berührungsunempfindlichkeit im Gegensatz zur linken Seite.
Bereits jetzt habe ich mich entschlossen, die OP in Tübingen durchführen zu lassen, da eine Operation bereits in 4-6 Wochen möglich ist. Beruflich passt das sehr gut und aus gesundheitlichen Gründen will ich nicht noch mehr Zeit verlieren. Ein erneuter Hörsturz kann jederzeit auftreten. Derzeit warte ich auf den konkreten OP-Termin. Ich habe mich auch für eine Chefarztbehandlung am Tag der OP entschieden.
Den Termin am INI in Hannover habe ich bereits abgesagt, da ich diesen Termin nur gemacht hatte, falls die OP-Wartezeit in Tübingen ähnlich lang wie an der MHH ist. Eine Auseinandersetzung mit meiner GKV hätte ich dann gern in Kauf genommen, ist nach der guten Erfahrung in Tübingen nun aber obsolet. Prof. Dr. Lenarz an der MHH werde ich aber dennoch aufsuchen, um eine weitere Meinung zu hören, da ihn mein Freundeskreis sehr empfohlen hat. Die langen Wartezeiten für eine OP am MHH, schließen aber eine OP allein aus zeitlicher Sicht aus.
Im Endeffekt war es gut, zumindest eine zweite Meinung einzuholen, um eine OP-Entscheidung treffen zu können. Meine Entscheidung für Tübingen führe ich auf das umfangreichere Gespräch und auch auf mein "Bauchgefühl" zurück.
Ich hoffe, dass ich bis zur OP keinen weiteren Hörsturz bekomme und die OP gut verlaufen wird.
Viele Grüße
Enno
bisher habe ich das Forum nur als Leser benutzt und bin für die vielen hilfreichen Beiträge sehr dankbar. Sie haben mich neben der guten Unterstützung durch Freunde bei meiner Entscheidung, einen Operateur zu finden, sehr geholfen. An dieser Stelle möchte ich ANFux für seinen Rat ebenfalls danken.
Im März 2011 hatte ich Ohrenschmerzen und ging mit dem Verdacht auf eine Mittelohrentzündung zum HNO-Arzt in Bad Soden am Taunus (Dr. Motzko). Seine Diagnose überraschte mich sehr. Er diagnostizierte keine Mittelohrentzündung sondern einen Hörsturz im Hochtonbereich. Es folgten mehrere Infusionen in Bad Soden am Taunus und in Berlin, die jedoch keine Besserung brachten. Mein Hörverlust beträgt seitdem ca. 20% auf dem rechten Ohr.
Mein Hausarzt in Berlin (Dr. Thomas Wünsche), dem ich sehr vertraue, überwies mich zur weiteren Behandlung zu einer HNO-Ärztin in Berlin (Dr. Gesine Schwarz). Sie beobachtete den Hörsturz und machte weitere Tests (Hörtest und Innenohrhörtest). Insbesondere der Innenohrhörtest, den ich leider arbeits- und urlaubsbedingt erst Anfang Juni machen konnte, ergab für sie keine schlüssigen Ergebnisse. Aus diesem Grund schickte sie mich zum Radiologen. Sie wollte einfach schlimmere Ursachen ausschließen, hatte aber keinen konkreten Verdacht.
Nachträglich bin ich ihr für diese Entscheidung sehr sehr dankbar, hatte ich doch anfänglich Zweifel am Sinn dieser Überweisung zum Radiologen. Er stellte fest, dass ich einen 25x23x16 mm großen Kleinhirnbrückenwinkeltumor (in- und extrameatal, homogen) habe. Ich war regelrecht geschockt, weil ich als Ursache für den Hörsturz andere Gründe vermutet habe als einen Tumor. An so etwas habe ich nie gedacht. Ich führte ihn eher auf beruflichen Stress zurück.
Hinsichtlich der Wartezeit für das MRT hatte ich zudem wirklich Glück, da jemand seinen Termin abgesagt hatte, musste ich nur eine Woche und nicht bis Ende August warten.
Mein Hausarzt und auch meine HNO-Ärztin waren nicht weniger als ich über den Befund des Radiologen überrascht. Als erste Anlaufstelle wurde ich in das St. Gertraudenkrankenhaus in Berlin überwiesen. Es hat - neben dem Bundeswehrkrankenhaus und der Charité - als einziges Berliner Krankenhaus auch eine HNO-Notaufnahme. Diese war mir bereits durch die Infusionen am Wochenende im März gut bekannt. Die Ärzte und Schwestern der HNO-Abteilung kümmerten sich wieder sehr gut um mich, sagten mir aber auch, dass das AN zu groß für eine Behandlung im HNO-Bereich wäre, weil mein Gehör noch so gut sei, dass es eher ein Fall für die Neurochirurgie wäre.
Kurze Zeit später befand ich mich in der Neurochirurgie des St. Gertraudenkrankenhauses von Chefarzt Dr. Kaminsky. Ein Oberarzt, Dr. Nagel, nahm sich sehr viel Zeit für mich und beantwortete alle meine Fragen, die sich mir so kurz nach einer derartigen Diagnose auftaten. Ich ging dann sehr beruhigt heim, entschloss mich aber, weitere Meinungen anzuhören, da mir die Gefahr einer einseitigen Taubheit oder einer Facialisparese einfach zu groß waren.
Ich machte also nach Pfingsten Termine an der Uniklinik in Tübingen, dem MHH und dem INI in Hannover. Ich wählte jeweils die Privatsprechstunde, da ich so schneller einen Termin bekam. Einen Termin in der Charité habe ich erst gar nicht in Erwägung gezogen, ich die Charité selbst durch Krankenbesuche kenne und mein Freundeskreis wie ich die Meinung vertreten, dass die Charité für so einen Eingriff nicht geeignet sei.
Bisher war ich nur in Tübingen. Prof. Dr. Tatagiba und die Crona-Klinik haben mich sehr überzeugt. Im Gegensatz zum St. Gertraudenkrankenhaus wurde ich hier viel intensiver untersucht, es wurden viel präzisere Fragen gestellt und detailliertere Antworten gegeben. Man hat gemerkt, dass die Crona-Kliniken jahrelang Erfahrung in Sachen AN haben.
Im Grunde war aber die Diagnose identisch mit den Aussagen der anderen Ärzte: AN, gutartig, zu groß für mein Alter von 33 Jahren, daher OP besser als Bestrahlung, OP binnen 6 Monaten. Zudem sei es erstaunlich, dass ich bisher nur so wenige Ausfallerscheinungen habe und dass mich meine HNO-Ärztin bereits nach nur einem Hörsturz zum MRT geschickt hat und dadurch das AN so schnell festgestellt werden konnte.
Prof. Dr. Tatagiba stellte zudem fest, dass anscheinend mein nervus facialis bereits leicht beeinträchtigt sei. Selbst hatte ich bereits festgestellt, dass mein rechtes Ohr berührungsunempfindlicher ist, zeitgleiches Berühren der Stirnhälften und der Wangen ergab jedoch ebenfalls eine leicht unterschiedliche Berührungsunempfindlichkeit im Gegensatz zur linken Seite.
Bereits jetzt habe ich mich entschlossen, die OP in Tübingen durchführen zu lassen, da eine Operation bereits in 4-6 Wochen möglich ist. Beruflich passt das sehr gut und aus gesundheitlichen Gründen will ich nicht noch mehr Zeit verlieren. Ein erneuter Hörsturz kann jederzeit auftreten. Derzeit warte ich auf den konkreten OP-Termin. Ich habe mich auch für eine Chefarztbehandlung am Tag der OP entschieden.
Den Termin am INI in Hannover habe ich bereits abgesagt, da ich diesen Termin nur gemacht hatte, falls die OP-Wartezeit in Tübingen ähnlich lang wie an der MHH ist. Eine Auseinandersetzung mit meiner GKV hätte ich dann gern in Kauf genommen, ist nach der guten Erfahrung in Tübingen nun aber obsolet. Prof. Dr. Lenarz an der MHH werde ich aber dennoch aufsuchen, um eine weitere Meinung zu hören, da ihn mein Freundeskreis sehr empfohlen hat. Die langen Wartezeiten für eine OP am MHH, schließen aber eine OP allein aus zeitlicher Sicht aus.
Im Endeffekt war es gut, zumindest eine zweite Meinung einzuholen, um eine OP-Entscheidung treffen zu können. Meine Entscheidung für Tübingen führe ich auf das umfangreichere Gespräch und auch auf mein "Bauchgefühl" zurück.
Ich hoffe, dass ich bis zur OP keinen weiteren Hörsturz bekomme und die OP gut verlaufen wird.
Viele Grüße
Enno