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von Meinolf1 » 29.04.2008, 01:06
Meine Erfahrungen mit der MHH. Und: Das Akustikusneurinom ändert den Begriff "Zeit".
Liebe ana,
hier meldet sich einer der gesuchten MHH Operierte. Um es gleich vorweg zu sagen, ich bin der junge Mann, der damals vor mttlerweile 11 Jahren der Nachfolger von lulube war. Meine Krankengeschichte ist, wenn man sich ein wenig mit dem Thema bechäftigt hat, so gewöhnlich, daß es sich nicht lohnt sie aufzuschreiben, obwohl ich immer noch zornig werde, wenn ich über die ‚Kompetenz’ der Ärzte nachdenke, an die ich zu beginn meiner Geschichte geraten bin. Wichtiger ist mir zu sagen, daß ich Deine Ängste vor der irgendwann anstehenden Behandlung (Oeration oder Bestrahlung) bestens nachvollziehen kann. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mit tatsächlich weichen Knien morgens meinen Operationstermin erfragt habe, und das, obwohl ich mich im Vorfeld recht ausführlich mit der Schause beschäftigt habe.
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)?
Ich habe mich damals zum einen von dem sehr guten Ruf der HNO-Klinik von Prof. Lenartz leiten lassen, und zum anderen von meinem persönlichen Eindruck: Würde ich mit ‚dem’ ein Bier oder Wein oder so zusammen trinken gehen? Also mit anderen Worten, wichtig war mir, ob die Chemie stimmte, denn man muß den Operateuren ja vertrauen und mit den Antworten und Erklärungen so oder so zurecht kommen können. Ich hätte mich nicht hier in Hannover operieren lassen, wenn dieser Punkt nicht erfüllt gewesen wäre. Dann wäre ich woanders hin gegangen.
Überhaupt bin ich der Meinung, für eine Episode deren Anfang aller Voraussicht nach nicht länger als einen ersten 10-tägigen Krankenhausaufenthalt bedeutet, sollte man sich nicht von ‚kleineren’ Anforderungen einschränken lassen. Wenn für eine Bremerin München der richtige Ort ist, dann ist München der richtige Ort. Ich wurde nach 10-Tagen wieder von der MHH entlassen. Keineswegs wieder voll hergestellt, aber entlassen. Das war damals ein großer Fortschritt für mich, denn ich konnte mal wieder richtig ausschlafen. Tatsächlich, ausschlafen war damals das Wichtigste für mich!
Ängste? Die waren damals täglich irgendwie immer dabei, denn ich bin keiner der auf Kommando abschalten kann. Aber sie waren mit Anstrengung beherrschbar, wenn die Tage auch nicht von einer ‚unbeschwerten’ Unbekümmertheit geprägt waren. Ich wollte meine Entscheidungen auf keinen Fall nur auf dem Hintergrund meiner Ängste treffen. Ich habe im Verlauf der Beschäftigung mit dem Thema erfahren, daß einem die Erkrankung Zeit läßt, sogar viel Zeit läßt. Diese Zeit wollte ich nutzen. Zum einem zum ‚normalen’ Leben und zum anderen zur angemessenen Beschäftigung mit dem Thema. Allgemein muß ich sagen, daß die erfahrene Zumutung – ich habe diese Tumorerkrankung damals so empfunden – mir ganz deutlich gezeigt hat, daß sich das Leben damit geändert hat, wie auch immer. Ich habe erfahren, daß Gesundheit nicht selbstverständlich ist und das es für mich hauptsächlich um die Akzeptanz dieser Erkenntnis ging. Danach konnte ich – keineswegs mit der gewünschten Souveränität – weit besser das ‚Beste’ aus der Sache machen, also etwas tun, worauf es im Leben oft hinausläuft. Und das ist der eigentliche Punkt!
Ich möchte es offen sagen: Es geht bei dieser Erkrankung nicht darum, alles so schnell wie möglich zu erledigen, sondern darum, sich ‚in Ruhe’ die richtgen Leute zu suchen, und einen Schritt nach dem anderen zu tun. Vielleicht gehört dazu zu aller erst zu lernen, nicht von der eigenen Angst beherrscht zu werden (keine Sorge – oder doch? – Ich bin Ingenieur). Und dann, wenn die Ängste eine ‚vernüftige’ Entscheidung nicht mehr unmöglich machen, dann trifttst Du auch die richtige!. Nochmal, Du hast viel Zeit!
Leider ist meine Antwort nun doch etwas länger ausgefallen. Entschuligung. Wenn Du persönlich mit mir sprechen möchtest, kein Problem. Ich weiß noch nicht, wie das hier um Forum geregelt wird, aber das wird sich dann finden.
Ach ja, bevor ich es vergesse. Bei mir ist alles gut ausgegangen, sogar mein Gehör konnte so erhalten werden, wie es vor der Operation gewesen ist, Glück im Unglück. Kleinere Effekte behindern meinen Alltag so gut wie garnicht. Aber auch der gute Ausgang ändert nichts an den Erfahrungen. (Zum guten Ausgang gehört ein gutes Operationsteam und das Glück, daß der Tumor von einer einfach zu operierenden Struktur ist – was er meistens ist, besonders wenn er klein ist. Meiner war so groß wie Deiner jetzt ist).
Fürs erste viele Grüße aus Hannover mit den besten Wünschen
Grüße aus Hannover
Meinolf1