Krankengeschichte bereitet psychische Probleme
Verfasst: 25.03.2009, 18:48
Krankengeschichte bereitet psychische Probleme
Liebe Forummitglieder, Lieber ANFux
ich habe die IGAN schon mal vor ein paar Jahren im Internet entdeckt, konnte mich aber damals nicht entschliessen mich einzutragen. Nun, das habe ich vor ein paar Tagen getan und dachte, ich schildere mal kurz (mehr oder weniger) meine Akustikusneurinom-Geschichte und was mich im Moment in diesem Zusammenhang beschäftigt.
Im kommenden Juni liegt die Operation meines AN bereits neun Jahre zurück. Ich war damals noch sehr jung-20 Jahre alt. Dennoch hatte der Tumor bereits eine stattliche Grösse erreicht. Infolge dessen und in Rücksichtnahme auf den Fascialisnerv wurde der Tumor nicht komplett entfernt. Ich habe grosses Glück, bis jetzt hält sich der Resttumor ruhig und die Prognose, dass es so bleibt ist sehr gut.
Symptome: Schon Jahre vor der Diagnose fiel auf, dass ich sehr ungeschickt war und des öfteren auch ohne ersichtlichen Grund hinfiel. Im Herbst/Winter 1999/2000 verschlimmerte sich die Situation zusehends-ich fiel Treppen hinunter, bekam Höhenangst, Panikattacken, hörte links sehr schlecht und bekam ein Pfeiffen im Ohr. Ich machte bei der Arbeit öfters Fehler und hatte das Gefühl mich nicht mehr zu spüren.
Prozedere: Über einige Umwege bin ich irgendwann bei Prof. Siegfried (Klinik im Park, Zürich) gelandet. Dieser verwies mich dann an Prof. Hildebrandt, Neurochirurg am Kantonsspital St. Gallen, welcher auch die Operation durchführte. Den Hörnerv und Gleichgewichtsnerv konnte er nicht retten. Und die Fascialisparese trat gemäss seiner Vorankündigung ein. Als junges Mädchen natürlich ein riesen Schock. Aber zuerst ging es ja mal darum wieder die anderen grundsätzlichen Körperfunktionen in Ordnung zu bringen.
Nach neun Tagen ging es nach Hause. Und schliesslich-nach einigem Hin und her mit der Krankenkasse-für gut 2 Wochen in die Reha nach Valens. Dort wurde dann auch mit dem Fascialistraining begonnen, was ich bis vor 4 Jahren in der Ergotherapie fortgesetzt habe. Heute ist vor allem noch der Mundbereich beim Sprechen und vor allem beim Lachen betroffen.-Das linke Auge steht etwas offener-anfänglich hatte ich Schwierigkeiten beim Schliessen-und bildet keine Tränen. Deshlab benutze ich bis heute hin und wieder ein Augengel. Nun habe ich vor ca. einem Monat Botox spritzen lassen-nun fällt die Asymmetrie noch mehr auf. Ich habs jetzt einfach mal versucht, werde aber in Zukunft darauf verzichten.-Irgendwie gehört diese spezielle Mimik zu mir. Natürlich ist es manchmal etwas unangenehm. Vor allem, dann wenn ich an der Uni ein Referat halten muss...
Für das Gleichgewicht hat mir das Reiten und Wandern sehr geholfen. Seit einem Jahr mache ich Krafttraining, was mir auch für die Stabilisation und Grundkonstitution sehr hilft.
Insgesamt ist meine linke Körperhälfte viel schwächer als die rechte-das linke Bein und der linke Arm zittern manchmal. Und mit der Koordination happert es manchmal ein wenig...
Ansonsten bin ich mir im klaren darüber, dass ich ein Riesenglück hatte und habe und es geht mir in der Regel sehr gut.-Dies auch dank der Craniosacral-Therapie, der normalen Physiotherapie und Homöopathie.
Was mir manchmal etwas Sorgen bereitet: Ich konnte über eine ziemlich lange Zeit nicht so unbeschwert durchs Leben gehen, wie viele meiner gleichaltrigen Kollegen. Natürlich habe ich viel gelernt durch diese Erfahrung aber manchmal fehlt mir eine gewisse Lockerheit und Jugendlichkeit-die sicher irgendwo auf der Strecke geblieben ist.
In letzter Zeit merke ich auch, dass ich die Krankheitsgeschichte psychisch nie verarbeitet habe. Bzw. ich hab immer meine Ziele-Matura nachholen, Studium-verfolgt. Das war einerseits wichtig um schnell wieder auf die Beine zu kommen, andererseits aber auch ein Ablenkungsmanöver um mich meinen Ängsten und der verdrängten Krankheitsgeschichte nicht wirklich stellen zu müssen. Nun hat mich das mit grosser Wucht eingeholt.
So stark, dass ich Handlungsbedarf sah und mich bei einem Psychiater/Neurologen angemeldet habe.-Dies auch im Hinblick darauf, dass ich von Zeit zu Zeit Phasen habe, in denen ich das Gefühl habe neben mir zu stehen und nicht mehr richtig bei mir bin.-Ist wahrscheinlich etwas posttraumatisches. Vielleicht kennt ja noch jemand dieses Gefühl?
Es hat schon mal gut getan, das Ganze Revue passieren zu lassen.
Für heute einen schönen Abend und Grüsse, Liza
Liebe Forummitglieder, Lieber ANFux
ich habe die IGAN schon mal vor ein paar Jahren im Internet entdeckt, konnte mich aber damals nicht entschliessen mich einzutragen. Nun, das habe ich vor ein paar Tagen getan und dachte, ich schildere mal kurz (mehr oder weniger) meine Akustikusneurinom-Geschichte und was mich im Moment in diesem Zusammenhang beschäftigt.
Im kommenden Juni liegt die Operation meines AN bereits neun Jahre zurück. Ich war damals noch sehr jung-20 Jahre alt. Dennoch hatte der Tumor bereits eine stattliche Grösse erreicht. Infolge dessen und in Rücksichtnahme auf den Fascialisnerv wurde der Tumor nicht komplett entfernt. Ich habe grosses Glück, bis jetzt hält sich der Resttumor ruhig und die Prognose, dass es so bleibt ist sehr gut.
Symptome: Schon Jahre vor der Diagnose fiel auf, dass ich sehr ungeschickt war und des öfteren auch ohne ersichtlichen Grund hinfiel. Im Herbst/Winter 1999/2000 verschlimmerte sich die Situation zusehends-ich fiel Treppen hinunter, bekam Höhenangst, Panikattacken, hörte links sehr schlecht und bekam ein Pfeiffen im Ohr. Ich machte bei der Arbeit öfters Fehler und hatte das Gefühl mich nicht mehr zu spüren.
Prozedere: Über einige Umwege bin ich irgendwann bei Prof. Siegfried (Klinik im Park, Zürich) gelandet. Dieser verwies mich dann an Prof. Hildebrandt, Neurochirurg am Kantonsspital St. Gallen, welcher auch die Operation durchführte. Den Hörnerv und Gleichgewichtsnerv konnte er nicht retten. Und die Fascialisparese trat gemäss seiner Vorankündigung ein. Als junges Mädchen natürlich ein riesen Schock. Aber zuerst ging es ja mal darum wieder die anderen grundsätzlichen Körperfunktionen in Ordnung zu bringen.
Nach neun Tagen ging es nach Hause. Und schliesslich-nach einigem Hin und her mit der Krankenkasse-für gut 2 Wochen in die Reha nach Valens. Dort wurde dann auch mit dem Fascialistraining begonnen, was ich bis vor 4 Jahren in der Ergotherapie fortgesetzt habe. Heute ist vor allem noch der Mundbereich beim Sprechen und vor allem beim Lachen betroffen.-Das linke Auge steht etwas offener-anfänglich hatte ich Schwierigkeiten beim Schliessen-und bildet keine Tränen. Deshlab benutze ich bis heute hin und wieder ein Augengel. Nun habe ich vor ca. einem Monat Botox spritzen lassen-nun fällt die Asymmetrie noch mehr auf. Ich habs jetzt einfach mal versucht, werde aber in Zukunft darauf verzichten.-Irgendwie gehört diese spezielle Mimik zu mir. Natürlich ist es manchmal etwas unangenehm. Vor allem, dann wenn ich an der Uni ein Referat halten muss...
Für das Gleichgewicht hat mir das Reiten und Wandern sehr geholfen. Seit einem Jahr mache ich Krafttraining, was mir auch für die Stabilisation und Grundkonstitution sehr hilft.
Insgesamt ist meine linke Körperhälfte viel schwächer als die rechte-das linke Bein und der linke Arm zittern manchmal. Und mit der Koordination happert es manchmal ein wenig...
Ansonsten bin ich mir im klaren darüber, dass ich ein Riesenglück hatte und habe und es geht mir in der Regel sehr gut.-Dies auch dank der Craniosacral-Therapie, der normalen Physiotherapie und Homöopathie.
Was mir manchmal etwas Sorgen bereitet: Ich konnte über eine ziemlich lange Zeit nicht so unbeschwert durchs Leben gehen, wie viele meiner gleichaltrigen Kollegen. Natürlich habe ich viel gelernt durch diese Erfahrung aber manchmal fehlt mir eine gewisse Lockerheit und Jugendlichkeit-die sicher irgendwo auf der Strecke geblieben ist.
In letzter Zeit merke ich auch, dass ich die Krankheitsgeschichte psychisch nie verarbeitet habe. Bzw. ich hab immer meine Ziele-Matura nachholen, Studium-verfolgt. Das war einerseits wichtig um schnell wieder auf die Beine zu kommen, andererseits aber auch ein Ablenkungsmanöver um mich meinen Ängsten und der verdrängten Krankheitsgeschichte nicht wirklich stellen zu müssen. Nun hat mich das mit grosser Wucht eingeholt.
So stark, dass ich Handlungsbedarf sah und mich bei einem Psychiater/Neurologen angemeldet habe.-Dies auch im Hinblick darauf, dass ich von Zeit zu Zeit Phasen habe, in denen ich das Gefühl habe neben mir zu stehen und nicht mehr richtig bei mir bin.-Ist wahrscheinlich etwas posttraumatisches. Vielleicht kennt ja noch jemand dieses Gefühl?
Es hat schon mal gut getan, das Ganze Revue passieren zu lassen.
Für heute einen schönen Abend und Grüsse, Liza