Herausfordernde Jobsuche aufgrund "auffälligem" CV wegen AN in jungen Jahren
Verfasst: 02.06.2023, 09:21
Liebes AN-Forum, liebe Betroffene
Lange war ich hier nicht mehr aktiv - mitgelesen habe ich immer wieder mal. Das Thema lässt einen ja als Betroffene nicht los, sondern ist Teil der Biographie.
Heute habe ich mich dazu entschieden eine Thematik anzuschneiden, die einige beschäftigen dürfte und ich dankbar für Erfahrungsberichte bin.
Kurz zur aktuellen Situation:
Nach meiner AN OP (Subtotal Entfernung, Juni 2000) konnte ich dank intensiver Therapien und diszipliniertem Training meinen Bildungsweg weiterverfolgen - bis zu einem Lizenziatsabschluss an einer CH Universität. Weil das Ganze auf dem zweiten Bildungsweg passierte und aufgrund der (vorerst) eingeschränkten Leistungsfähigkeit um einiges länger dauerte als bei "Normalen-Studierenden" fehlen mir jetzt natürlich einige Jahre Berufserfahrung.
Nach dem Studium fand ich auch den Einstieg in einen Beruf - allerdings Fachfern. Damals war meine eigene Krankheitserfahrung bzw. die Bewältigung derselben und damit gewonnene Resilienz sogar ein Win für den Job. Nach fünf Jahren gab es ungute strukturelle Veränderungen, so dass ich mich (auch zum Schutz meiner Gesundheit) für eine Kündigung entschied. Nun bin ich seit bald einem Jahr arbeitssuchend. Zur Info: ich beziehe keinerlei Leistungen der IV - da mir eine Leistungsfähigkeit von 75% attestiert wurde.
Und jetzt, quasi im fortgeschrittenen Alter, passiert Folgendes: Trotz hervorragender Arbeitszeugnisse, diversen Weiterbildungen etc. landet meine Bewerbung auf dem Absage-Stapel. Inzwischen konnte ich eruieren bzw. habe gesicherte Aussagen, dass es damit zu tun hat, dass ich für mein Alter zu wenig Berufserfahrung habe und mein Studium zu lange gedauert hat. Selbstverständlich lege ich in einem Vorstellungsgespräch offen, warum mein CV so ist, wie er ist. Nur dafür muss es ja erstmal zu einem Gespräch kommen. Bei Stellen, wo ich weiss, dass eine Krankheitserfahrung ein Win sein könnte, füge ich jeweils einen Satz im Anschreiben ein.
Nun überlege ich tatsächlich, ob ich die OP und die daraus resultierende Expansion meines Bildungsweges im CV erwähnen soll... Gleichzeitig scheue ich mich, so viel von mir preiszugeben.
Ich wende mich an dieses Forum, weil hier viele Expert:innen in eigener Sache unterwegs sind und ich leider feststellen musste, dass RAV-Berater:innen und die vom RAV angebotenen Coaching Angebote in solch komplexen Situationen überfordert sind bzw. nicht unterstützend wirken - leider.
Ein herzliches Dankeschön und beste Grüsse
Lilo
Lange war ich hier nicht mehr aktiv - mitgelesen habe ich immer wieder mal. Das Thema lässt einen ja als Betroffene nicht los, sondern ist Teil der Biographie.
Heute habe ich mich dazu entschieden eine Thematik anzuschneiden, die einige beschäftigen dürfte und ich dankbar für Erfahrungsberichte bin.
Kurz zur aktuellen Situation:
Nach meiner AN OP (Subtotal Entfernung, Juni 2000) konnte ich dank intensiver Therapien und diszipliniertem Training meinen Bildungsweg weiterverfolgen - bis zu einem Lizenziatsabschluss an einer CH Universität. Weil das Ganze auf dem zweiten Bildungsweg passierte und aufgrund der (vorerst) eingeschränkten Leistungsfähigkeit um einiges länger dauerte als bei "Normalen-Studierenden" fehlen mir jetzt natürlich einige Jahre Berufserfahrung.
Nach dem Studium fand ich auch den Einstieg in einen Beruf - allerdings Fachfern. Damals war meine eigene Krankheitserfahrung bzw. die Bewältigung derselben und damit gewonnene Resilienz sogar ein Win für den Job. Nach fünf Jahren gab es ungute strukturelle Veränderungen, so dass ich mich (auch zum Schutz meiner Gesundheit) für eine Kündigung entschied. Nun bin ich seit bald einem Jahr arbeitssuchend. Zur Info: ich beziehe keinerlei Leistungen der IV - da mir eine Leistungsfähigkeit von 75% attestiert wurde.
Und jetzt, quasi im fortgeschrittenen Alter, passiert Folgendes: Trotz hervorragender Arbeitszeugnisse, diversen Weiterbildungen etc. landet meine Bewerbung auf dem Absage-Stapel. Inzwischen konnte ich eruieren bzw. habe gesicherte Aussagen, dass es damit zu tun hat, dass ich für mein Alter zu wenig Berufserfahrung habe und mein Studium zu lange gedauert hat. Selbstverständlich lege ich in einem Vorstellungsgespräch offen, warum mein CV so ist, wie er ist. Nur dafür muss es ja erstmal zu einem Gespräch kommen. Bei Stellen, wo ich weiss, dass eine Krankheitserfahrung ein Win sein könnte, füge ich jeweils einen Satz im Anschreiben ein.
Nun überlege ich tatsächlich, ob ich die OP und die daraus resultierende Expansion meines Bildungsweges im CV erwähnen soll... Gleichzeitig scheue ich mich, so viel von mir preiszugeben.
Ich wende mich an dieses Forum, weil hier viele Expert:innen in eigener Sache unterwegs sind und ich leider feststellen musste, dass RAV-Berater:innen und die vom RAV angebotenen Coaching Angebote in solch komplexen Situationen überfordert sind bzw. nicht unterstützend wirken - leider.
Ein herzliches Dankeschön und beste Grüsse
Lilo