Gute Entscheidung - Operation
Verfasst: 03.05.2023, 09:58
Liebe Forums-Mitglieder,
ich habe im Vorfeld zu meiner Operation viele Beiträge gelesen, was mir an der ein oder anderen Stelle auch geholfen hat. Aus diesem Grund möchte ich nun meinen Beitrag leisten und somit dem Ein oder Anderen die Angst vor dieser Diagnose nehmen.
Am 13.01.2023 wurde per MRT ein Akustikusneurinom 11 x 17 mm (T2), rechts diagnostiziert. Meine Symptome waren zu diesem Zeitpunkt Schwerhörigkeit, es war kein Sprachverständnis mehr vorhanden. Kein Tinnitus. Keine Gleichgewichtsstörungen im Alltag. Keine Fazialisparese.
Ich wurde zur Vorstellung an die Uni Tübingen, Prof. Tatagiba verwiesen. Der Termin hat am 23.01.2023 stattgefunden. Er hat mir den Rat gegeben, noch dieses Jahr den Tumor operieren zu lassen.
Die Operation war am 04.04.2023, nachmittags bei Prof. Tatagiba. OP und die Zeit im Überwachungsraum waren insgesamt ca. 5-6 Stunden. Danach wurde ein CT gemacht und dann war ich auch schon wieder auf der Station. Außer Müdigkeit und einen steifen Hals hatte ich keine Probleme. Was mir auch aufgefallen ist, ich bin taub auf der rechten Seite. Aber das wurde im Vorfeld von allen Ärzten prognostiziert.
Die Operation wurde in Seitenlage durchgeführt. Das CT war in Ordnung.
Am nächsten Vormittag wurde ich auf die Beine gestellt, die Physiotherapeutin ging mit mir auf den Fluren eine halbe Stunde spazieren. Danach hat sie mir Übungen gezeigt für meine Fazialisparese. Zwischenzeitlich haben nämlich geschulte Augen festgestellt, dass ich eine sehr leichte Fazialisparese habe, die sich hauptsächlich zeigt, wenn ich die Stirn in Falten ziehe oder lächle. Das Auge konnte ich schließen. Nur der Ringmuskel vom Auge war etwas schwach.
Nachdem es mir so gut ging am Vormittag, ging es am Nachmittag deutlich schlechter. Ich bekam etwas Fieber und Kopfweh. Durch ein geeignetes Fieber-/Schmerzmittel war das erträglich. Außerdem habe viel geschlafen. Am darauffolgenden Tag, gegen Nachmittag waren Fieber und Kopfweh weg. Ich bin mit meinem Mann etwas an der frischen Luft spazieren gegangen.
Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Übelkeit.
Entlassen wurde ich am Samstag, 08.04.2023. Seitdem bin ich zu Hause. Die Woche nach Ostern war ich noch sehr müde und habe somit viel geschlafen. Ab der zweiten Woche wurde es täglich besser. Auch die sehr leichte Fazialisparese bildet sich langsam zurück.
Mein großes Problem ist mein Nacken und Kiefer. Beides wird gerade von der Physiotherapeutin behandelt, weil, laienhaft gesprochen, alles verschoben, verkrampft ist, rechts wie links. Aufgrund des Kiefers fällt mir immer mein linkes Ohr zu und ich höre eigentlich fast nichts mehr. Aber auch das wird langsam besser.
Da mir etwas langweilig ist, habe ich wieder begonnen zu arbeiten. Aus dem Home Office. Mit Kopfhörer geht auch das Hören trotz zugefallenem Ohr.
Eigentlich hatte ich eine Auszeit bis Ende April geplant. Aber mir geht es gut. Da ich selbstständig bin und meine Kunden wissen, dass ich operiert wurde, kann ich mir jederzeit eine Auszeit nehmen. Ich habe mir auch freie Tage eingeplant.
Eine Reha werde ich nicht in Anspruch nehmen.
Ich habe mich auch mit dem Thema Bestrahlung beschäftigt. Das kam aber für mich nicht in Betracht auf Grund folgender Überlegungen:
Wenn der Tumor nicht zum Stillstand kommt, muss doch operiert werden. Das weiß man aber erst nach 1- 3 Jahren.
In dieser Zeit kann es durch die strahlenbedingte Progression des Tumors zu Beeinträchtigungen kommen, z.B. Gleichgewichtsstörungen, Fazialisparese.
Durch die Bestrahlung wird eine Entzündung ausgelöst, die zu einer Vernarbung führt. Diese Vernarbung kann zu einem ‚Verkleben‘ von Tumor und Fazialis nerv führen. In welchem Ausmaß sieht man erst, wenn man mit dem ‚Skalpell‘ vor Ort ist. Die Gefahr der Fazialisparese steigt. Wenn es schlecht läuft, kann das Tumorgewebe nicht komplett entfernt werden, um den Fazialis nerv zu schonen.
Das war mir alles zu ungewiss.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich auch Glück hatte.
Mein Akustikusneurinom war im Kleinhirnbrückenwinkel noch weit vom Fazialis nerv entfernt, da der Tumor etwas nach unten gewachsen war. Der Tumor klebte nur etwas im inneren Gehörgang am Fazialis nerv.
Mit der Größe T2 war der Tumor überschaubar.
Hinsichtlich Gleichgewichtstörungen hatte ich im Alltag vor der Operation keine Probleme und auch jetzt nicht. Das schiebe ich auf meinen jahrelangen Sport, in dem ich unbewusst das Gleichgewicht trainiert habe. Auch auf unebenen Flächen.
Ich schreibe absichtlich ‚keine Gleichgewichtsstörungen im Alltag‘, da ich bei der OP-Vorbesprechung ein paar Gleichgewichtstests machen musste. Diese haben dann doch gezeigt, dass ich in der ein oder anderen Situation leichte Probleme mit dem Gleichgewicht habe. Seiltänzerin werde ich nicht mehr.
Die Entscheidung, Operation oder Bestrahlung, muss jeder für sich treffen. Ich kann nur den Rat geben, wenn man sich für eine Operation entscheidet, dann bitte an einer Klinik, die im Jahr einige Schädelbasisoperationen durchführt. Es kommt auf die Erfahrung an.
ich habe im Vorfeld zu meiner Operation viele Beiträge gelesen, was mir an der ein oder anderen Stelle auch geholfen hat. Aus diesem Grund möchte ich nun meinen Beitrag leisten und somit dem Ein oder Anderen die Angst vor dieser Diagnose nehmen.
Am 13.01.2023 wurde per MRT ein Akustikusneurinom 11 x 17 mm (T2), rechts diagnostiziert. Meine Symptome waren zu diesem Zeitpunkt Schwerhörigkeit, es war kein Sprachverständnis mehr vorhanden. Kein Tinnitus. Keine Gleichgewichtsstörungen im Alltag. Keine Fazialisparese.
Ich wurde zur Vorstellung an die Uni Tübingen, Prof. Tatagiba verwiesen. Der Termin hat am 23.01.2023 stattgefunden. Er hat mir den Rat gegeben, noch dieses Jahr den Tumor operieren zu lassen.
Die Operation war am 04.04.2023, nachmittags bei Prof. Tatagiba. OP und die Zeit im Überwachungsraum waren insgesamt ca. 5-6 Stunden. Danach wurde ein CT gemacht und dann war ich auch schon wieder auf der Station. Außer Müdigkeit und einen steifen Hals hatte ich keine Probleme. Was mir auch aufgefallen ist, ich bin taub auf der rechten Seite. Aber das wurde im Vorfeld von allen Ärzten prognostiziert.
Die Operation wurde in Seitenlage durchgeführt. Das CT war in Ordnung.
Am nächsten Vormittag wurde ich auf die Beine gestellt, die Physiotherapeutin ging mit mir auf den Fluren eine halbe Stunde spazieren. Danach hat sie mir Übungen gezeigt für meine Fazialisparese. Zwischenzeitlich haben nämlich geschulte Augen festgestellt, dass ich eine sehr leichte Fazialisparese habe, die sich hauptsächlich zeigt, wenn ich die Stirn in Falten ziehe oder lächle. Das Auge konnte ich schließen. Nur der Ringmuskel vom Auge war etwas schwach.
Nachdem es mir so gut ging am Vormittag, ging es am Nachmittag deutlich schlechter. Ich bekam etwas Fieber und Kopfweh. Durch ein geeignetes Fieber-/Schmerzmittel war das erträglich. Außerdem habe viel geschlafen. Am darauffolgenden Tag, gegen Nachmittag waren Fieber und Kopfweh weg. Ich bin mit meinem Mann etwas an der frischen Luft spazieren gegangen.
Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Übelkeit.
Entlassen wurde ich am Samstag, 08.04.2023. Seitdem bin ich zu Hause. Die Woche nach Ostern war ich noch sehr müde und habe somit viel geschlafen. Ab der zweiten Woche wurde es täglich besser. Auch die sehr leichte Fazialisparese bildet sich langsam zurück.
Mein großes Problem ist mein Nacken und Kiefer. Beides wird gerade von der Physiotherapeutin behandelt, weil, laienhaft gesprochen, alles verschoben, verkrampft ist, rechts wie links. Aufgrund des Kiefers fällt mir immer mein linkes Ohr zu und ich höre eigentlich fast nichts mehr. Aber auch das wird langsam besser.
Da mir etwas langweilig ist, habe ich wieder begonnen zu arbeiten. Aus dem Home Office. Mit Kopfhörer geht auch das Hören trotz zugefallenem Ohr.
Eigentlich hatte ich eine Auszeit bis Ende April geplant. Aber mir geht es gut. Da ich selbstständig bin und meine Kunden wissen, dass ich operiert wurde, kann ich mir jederzeit eine Auszeit nehmen. Ich habe mir auch freie Tage eingeplant.
Eine Reha werde ich nicht in Anspruch nehmen.
Ich habe mich auch mit dem Thema Bestrahlung beschäftigt. Das kam aber für mich nicht in Betracht auf Grund folgender Überlegungen:
Wenn der Tumor nicht zum Stillstand kommt, muss doch operiert werden. Das weiß man aber erst nach 1- 3 Jahren.
In dieser Zeit kann es durch die strahlenbedingte Progression des Tumors zu Beeinträchtigungen kommen, z.B. Gleichgewichtsstörungen, Fazialisparese.
Durch die Bestrahlung wird eine Entzündung ausgelöst, die zu einer Vernarbung führt. Diese Vernarbung kann zu einem ‚Verkleben‘ von Tumor und Fazialis nerv führen. In welchem Ausmaß sieht man erst, wenn man mit dem ‚Skalpell‘ vor Ort ist. Die Gefahr der Fazialisparese steigt. Wenn es schlecht läuft, kann das Tumorgewebe nicht komplett entfernt werden, um den Fazialis nerv zu schonen.
Das war mir alles zu ungewiss.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich auch Glück hatte.
Mein Akustikusneurinom war im Kleinhirnbrückenwinkel noch weit vom Fazialis nerv entfernt, da der Tumor etwas nach unten gewachsen war. Der Tumor klebte nur etwas im inneren Gehörgang am Fazialis nerv.
Mit der Größe T2 war der Tumor überschaubar.
Hinsichtlich Gleichgewichtstörungen hatte ich im Alltag vor der Operation keine Probleme und auch jetzt nicht. Das schiebe ich auf meinen jahrelangen Sport, in dem ich unbewusst das Gleichgewicht trainiert habe. Auch auf unebenen Flächen.
Ich schreibe absichtlich ‚keine Gleichgewichtsstörungen im Alltag‘, da ich bei der OP-Vorbesprechung ein paar Gleichgewichtstests machen musste. Diese haben dann doch gezeigt, dass ich in der ein oder anderen Situation leichte Probleme mit dem Gleichgewicht habe. Seiltänzerin werde ich nicht mehr.
Die Entscheidung, Operation oder Bestrahlung, muss jeder für sich treffen. Ich kann nur den Rat geben, wenn man sich für eine Operation entscheidet, dann bitte an einer Klinik, die im Jahr einige Schädelbasisoperationen durchführt. Es kommt auf die Erfahrung an.