Hallo zusammen,
bei mir wurde vor gut einem Jahr ein Akustikusneurinom festgestellt. Da eine Entfernung desselben im Unispital Zürich zwar als notwendig aber nicht dringend dargestellt wurde habe ich erst einmal einen anstehenden Auslandseinsatz absolviert und bin das Problem im Herbst erneut angegangen.
Inzwischen hatte ich auch diese Seite von der IGAN gefunden, und konsultierte zusätzlich Herrn Prof. Tatagiba in Tübingen. Nach dem Gespräch mit ihm war für mich sonnenklar, dass ich a) so schnell wie möglich das "Ding" loswerden muss, und dass b) ich es nur in Tübingen machen lassen will. Es ist - gerade wenn einem jemand eine Revisionsklappe in den Kopf fräst, und quasi an der Schaltzentrale Hand bzw. Skalpell anlegt - extrem wichtig, VERTRAUEN zum Operateur zu haben. Denn machen wir uns nichts vor, es kann immer irgend etwas nicht so schön rauskommen wie geplant. Dann aber die Gewissheit zu haben, dass der Arzt wirklich alles versucht hat, ist psychologisch unheimlich wichtig.
Herr Prof. Tatagiba stellte übrigens auch die Dringlichkeit anders dar als in Zürich. Zwar hatte ich nur ein 30% reduziertes Gehör links, aber bei der Grösse ("T4" oder rund 2.5cm) würde es nur nur wenig brauchen bis andere Ausfallerscheinungen folgen. Allerdings machte er mir - im Gegensatz zu Zürich - durchaus Hoffnungen auch den Hörnerv erhalten zu können. Da der Gesichtsnerv noch nicht beeinträchtigt war, stellte er lediglich eine zeitweilige Beeinträchtigung in Aussicht. Der Erhalt des Nerven an sich wäre so gut wie sicher.
Nun rückte ich also am 16. Februar in der Neurochirurgie in Tübingen ein. Den ganzen Tag hatte ich diverse Untersuchungen und Vorgespräche. Ich muss auch an dieser Stelle erwähnen, dass wirklich alle dort richtig kompetent sind und auf den Patienten eingehen.
Am 17. morgens folgte die OP. Unmittelbar anschliessend verbrachte ich einen knappen Tag zur Beobachtung auf der Intensivstation. (Das ist das übliche Procedere.) Meine erste Reaktion nachdem man mich wieder "wachgeküsst" hatte: Funktioniert alles? Gesicht bewegen? Ok. Zwinkern links? Ok. Backen aufblasen? Ok. Mund bewegen? Ok. Puuuuhhhh!
Das Gehör links war weg. Nur ein rhythmisches Summen hatte ich da. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl als ob ich Wasser im Ohr hätte. Dass das nicht aus der Luft gegriffen war, erklärte mir dann später einer der Ärzte. Denn durch den Eingriff gelangt Flüssigkeit in fast jede Öffnung im Schädel, der durchlöchert ist wie ein Schwamm. Auch im Moment fühle ich mich als ob links alles noch "gefüllt" wäre. Aber das wird sicher noch. Immerhin ist heute erst Tag 9 nach OP.
Was sicher individuell sehr unterschiedlich ist, ist die Reaktion darauf, dass der Kopf "Luft zieht". (Durch die Öffnung des Schädels fliesst Hirnwasser aus, und in den Hohlraum strömt Luft ein.) Ich wurde zwar vorgewarnt, dass man dadurch Schwindel und Brechreiz verspürt, aber so dramatisch fand ich es nicht, musste mich auch nicht übergeben.
Einen Tag später wurde ich dann die diversen Kanülen los, die in mir drin steckten. Und wieder einen Tag später stand ich das erste mal wieder neben dem Bett. Ein tolles Gefühl!
Seit gestern nun bin ich wieder zu Hause und versuche die Balance zu finden zwischen Ausruhen und wieder in Gang kommen.
Mein linkes Ohr hört an einem Telefon kein "tuut-tuut" sondern ein "drrr-drrr", und das auch ziemlich weit weg. Aber zumindest eine Basis für weitere Fortschritte habe ich noch.
Beste Grüsse
cosmocranos = Roland
