Wien oder Tübingen?
Verfasst: 15.02.2009, 19:30
Mein Rat ist einfach: Unbedingt einen erfahrenen Operateur in einer ausgewiesenen Spezialklinik aussuchen, dann gibt es keinen Grund, die Operation zu fürchten!
Ich selbst habe mich vor kurzem (Dezember 2008) von Prof. Tatagiba in Tübingen operieren lassen. Obwohl der Tumor schon ziemlich groß war (ca. 3 cm), konnte er vollständig und ohne jede Irritation des Gesichtsnervs entfernt werden. Auch der Hörnerv ist erhalten geblieben (das Resthörvermögen ist derzeit schwach, noch schwächer als vor der OP, wird sich aber erst ca. 3 Monate nach der OP endgültig beurteilen lassen). Sogar der lästige Tinnitus ist (weitgehend) weg.
Für ein solches Ergebnis muss man dankbar sein – in erster Linie natürlich Prof. Tatagiba, dessen ausgezeichneter Ruf in diesem Forum ja schon lange bekannt ist; aber auch all denen, die mich veranlasst haben, von Wien zu ihm nach Tübingen zu fahren, als da wären:
1) Mein Wiener HNO-Arzt Dr. Kohout. Bei ihm war ich im September, als mir die Verschlechterung des Gehörs aufgefallen ist. Nach einer Erstuntersuchung, bei der sich gezeigt hat, dass das Problem nur im Bereich des Innenohrs oder des Hörnervs liegen kann (Mittelohrknochenleitung intakt), hat er mich sofort („sicherheitshalber“) zwecks Abklärung des „Verdachts auf Akustikusneurinom“ zum MRT geschickt. (Seit ich in diesem Forum gelesen habe, welche Odysseen manche hinter sich bringen müssen, bis bei ihnen endlich die richtige Diagnose gestellt wird, weiß ich das erst richtig zu schätzen.) Als dann die Diagnose feststand, hat er Rücksprache mit Kollegen gehalten und mir anschließend den wohltuend klaren und eindeutigen Rat gegeben: „Ich würde nach Tübingen gehen!“
2) Als einzigartige Hilfe bei der Arztwahl haben sich Herr Fluri und die IGAN erwiesen. Wo sonst bekommt man einen so objektiven und informativen Überblick über die vorhandenen Operationsmöglichkeiten, noch dazu auf einem Gebiet, das jedem Betroffenen bis dahin üblicherweise völlig unbekannt ist? Wenn es die IGAN nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Daher Danke auch an alle, die hier ihre Erfahrungen mitteilen!
3) Schließlich sind in meinem Fall auch noch die Ärzte an der Neurochirurgischen Abteilung des Wiener AKH zu erwähnen. Sie haben (unfreiwillig) den Vergleich geliefert, der einen sicher macht. Und damit meine ich nicht etwa, dass dort schlechte Ärzte am Werk wären, im Gegenteil: Die von mir konsultierten wurden mir allseits als erstklassige Neurochirurgen beschrieben. Wenn einem aber gleich mitgeteilt wird, dass man nach der Operation so gut wie sicher taub sein wird, gibt das doch zu denken (richtige Selbsteinschätzung des Arztes?). Und wenn dann zunächst eine Bestrahlung empfohlen wird, die sich bei näherer Betrachtung als angesichts der Tumorgröße (wie gesagt ca. 3 cm!) gänzlich unempfehlenswert, um nicht zu sagen: gefährlich, herausstellt, dann spricht es zwar für den betreffenden Arzt, dass er sämtliche Behandlungsmethoden in Betracht ziehen möchte, hinterlässt aber doch den Eindruck, dass jenes Wissen, das bei einem routinierten Spezialisten möglicherweise ganz selbstverständlich vorhanden ist, bei ihm nicht so unmittelbar präsent sein dürfte wie anderswo. Für Prof. Tatagiba stand jedenfalls sofort fest, dass eine Bestrahlung bei dieser Tumorgröße nicht mehr in Frage kommt (was jetzt im Übrigen auch schon auf der IGAN-Homepage nachzulesen ist). Auch sonst machten er und die ganze Klinik auf mich den allerbesten Eindruck; die Professionalität und Routine, mit der man dort an die Behandlung von Akustikusneurinomen herangeht, war nicht zu übersehen. Eine solche Routine kann man sich von einem österreichischen Krankenhaus freilich schon aufgrund der geringen Fallzahlen nicht erwarten, noch dazu wo dort offensichtlich immer noch die Meinung vorherrscht, dass jeder Neurochirurg „alles“ operieren muss, sodass eine Schwerpunktbildung (außer bei einzelnen Operateuren) praktisch kaum stattfindet. (Die sonstigen den „Wiener Verhältnissen“ entspringenden Begleiterscheinungen wie Chaos bei der Terminvergabe, mühsamer Kampf gegen Sekretariats-Drachen und Beratung ausschließlich in der Privatordination erwähne ich nur kurz, um der Geschichte den nötigen Lokalkolorit zu geben; sie sind nebensächlich und ohnehin jedem Einheimischen hinlänglich bekannt.)
Dass sich die Entscheidung für Tübingen auch tatsächlich bewährt hat, zeigt am besten der Vergleich mit einem „Leidensgenossen“, den ich anschließend in der Reha-Klinik getroffen habe und der sich in Wien operieren hat lassen – vielleicht kann ich ihn auch noch dazu bringen, seine eigene Geschichte im Forum publik zu machen. Hauptsächlich geht es dabei um eine Komplikation, die (wenngleich selten) bei solchen Operationen auftreten kann und die auch bei mir aufgetreten ist, nämlich eine Einblutung in die Tumorresektionshöhle, die den Hirnwasserabfluss behindert. Wie sich bei mir gezeigt hat, ist auch diese Komplikation keine „Katastrophe“, wenn sie – wie in Tübingen – sofort behandelt wird: Dann bekommt man für zwei Wochen einen Drainageschlauch, bis sich das Bluttröpfchen von selbst wieder aufgelöst hat; das ist zwar mit verstärkten Kopfschmerzen verbunden und verlängert natürlich den Krankenhausaufenthalt (bei mir auf knapp 3 Wochen), aber rückblickend betrachtet eine Nichtigkeit. Auch in dieser Hinsicht hat sich Tübingen mit seiner hochspezialisierten neurochirurgischen Intensivstation aus meiner Sicht also bestens bewährt, wie sich die Klinik ganz generell als medizinisch erstklassig, gut organisiert und sehr freundlich erwiesen hat.
Abschließend noch eine Anmerkung zum Thema Rehabilitation: Eine solche würde ich jedem empfehlen, da man von der Operation am Anfang doch sehr geschwächt ist. Hier habe ich in Wien mit dem NRZ Rosenhügel gute Erfahrungen gemacht; die Klinik ist modern, fachlich gut auf die (ja bei vielen neurologischen Erkrankungen vorkommenden) typischen Probleme wie Gleichgewichtsstörungen etc. eingerichtet und von einer angenehm-freundlichen Atmosphäre geprägt. Wenn man (so wie ich) nicht stationär bleiben möchte, kann man auch als Tagesklinikpatient nur zu den Therapiestunden kommen. Ich habe das zunächst zwei Wochen lang täglich gemacht und anschließend, als ich wieder zu arbeiten begonnen habe, das Reha-Programm auf einen Tag pro Woche reduziert.
Obwohl ich niemandem ein Akustikusneurinom wünschen würde, muss ich sagen, dass die Sache für mich längst ihren Schrecken verloren hat. Jetzt hoffe ich, dass sich mein Gehör noch ein bisschen bessert, gewaltig erleichtert bin ich in jedem Fall. Mit den Informationen, die hier im Forum geliefert werden, wird es in Zukunft hoffentlich vielen so gehen!
Viel Glück an alle, die es noch hinter sich bringen müssen!
Alexander
Ich selbst habe mich vor kurzem (Dezember 2008) von Prof. Tatagiba in Tübingen operieren lassen. Obwohl der Tumor schon ziemlich groß war (ca. 3 cm), konnte er vollständig und ohne jede Irritation des Gesichtsnervs entfernt werden. Auch der Hörnerv ist erhalten geblieben (das Resthörvermögen ist derzeit schwach, noch schwächer als vor der OP, wird sich aber erst ca. 3 Monate nach der OP endgültig beurteilen lassen). Sogar der lästige Tinnitus ist (weitgehend) weg.
Für ein solches Ergebnis muss man dankbar sein – in erster Linie natürlich Prof. Tatagiba, dessen ausgezeichneter Ruf in diesem Forum ja schon lange bekannt ist; aber auch all denen, die mich veranlasst haben, von Wien zu ihm nach Tübingen zu fahren, als da wären:
1) Mein Wiener HNO-Arzt Dr. Kohout. Bei ihm war ich im September, als mir die Verschlechterung des Gehörs aufgefallen ist. Nach einer Erstuntersuchung, bei der sich gezeigt hat, dass das Problem nur im Bereich des Innenohrs oder des Hörnervs liegen kann (Mittelohrknochenleitung intakt), hat er mich sofort („sicherheitshalber“) zwecks Abklärung des „Verdachts auf Akustikusneurinom“ zum MRT geschickt. (Seit ich in diesem Forum gelesen habe, welche Odysseen manche hinter sich bringen müssen, bis bei ihnen endlich die richtige Diagnose gestellt wird, weiß ich das erst richtig zu schätzen.) Als dann die Diagnose feststand, hat er Rücksprache mit Kollegen gehalten und mir anschließend den wohltuend klaren und eindeutigen Rat gegeben: „Ich würde nach Tübingen gehen!“
2) Als einzigartige Hilfe bei der Arztwahl haben sich Herr Fluri und die IGAN erwiesen. Wo sonst bekommt man einen so objektiven und informativen Überblick über die vorhandenen Operationsmöglichkeiten, noch dazu auf einem Gebiet, das jedem Betroffenen bis dahin üblicherweise völlig unbekannt ist? Wenn es die IGAN nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Daher Danke auch an alle, die hier ihre Erfahrungen mitteilen!
3) Schließlich sind in meinem Fall auch noch die Ärzte an der Neurochirurgischen Abteilung des Wiener AKH zu erwähnen. Sie haben (unfreiwillig) den Vergleich geliefert, der einen sicher macht. Und damit meine ich nicht etwa, dass dort schlechte Ärzte am Werk wären, im Gegenteil: Die von mir konsultierten wurden mir allseits als erstklassige Neurochirurgen beschrieben. Wenn einem aber gleich mitgeteilt wird, dass man nach der Operation so gut wie sicher taub sein wird, gibt das doch zu denken (richtige Selbsteinschätzung des Arztes?). Und wenn dann zunächst eine Bestrahlung empfohlen wird, die sich bei näherer Betrachtung als angesichts der Tumorgröße (wie gesagt ca. 3 cm!) gänzlich unempfehlenswert, um nicht zu sagen: gefährlich, herausstellt, dann spricht es zwar für den betreffenden Arzt, dass er sämtliche Behandlungsmethoden in Betracht ziehen möchte, hinterlässt aber doch den Eindruck, dass jenes Wissen, das bei einem routinierten Spezialisten möglicherweise ganz selbstverständlich vorhanden ist, bei ihm nicht so unmittelbar präsent sein dürfte wie anderswo. Für Prof. Tatagiba stand jedenfalls sofort fest, dass eine Bestrahlung bei dieser Tumorgröße nicht mehr in Frage kommt (was jetzt im Übrigen auch schon auf der IGAN-Homepage nachzulesen ist). Auch sonst machten er und die ganze Klinik auf mich den allerbesten Eindruck; die Professionalität und Routine, mit der man dort an die Behandlung von Akustikusneurinomen herangeht, war nicht zu übersehen. Eine solche Routine kann man sich von einem österreichischen Krankenhaus freilich schon aufgrund der geringen Fallzahlen nicht erwarten, noch dazu wo dort offensichtlich immer noch die Meinung vorherrscht, dass jeder Neurochirurg „alles“ operieren muss, sodass eine Schwerpunktbildung (außer bei einzelnen Operateuren) praktisch kaum stattfindet. (Die sonstigen den „Wiener Verhältnissen“ entspringenden Begleiterscheinungen wie Chaos bei der Terminvergabe, mühsamer Kampf gegen Sekretariats-Drachen und Beratung ausschließlich in der Privatordination erwähne ich nur kurz, um der Geschichte den nötigen Lokalkolorit zu geben; sie sind nebensächlich und ohnehin jedem Einheimischen hinlänglich bekannt.)
Dass sich die Entscheidung für Tübingen auch tatsächlich bewährt hat, zeigt am besten der Vergleich mit einem „Leidensgenossen“, den ich anschließend in der Reha-Klinik getroffen habe und der sich in Wien operieren hat lassen – vielleicht kann ich ihn auch noch dazu bringen, seine eigene Geschichte im Forum publik zu machen. Hauptsächlich geht es dabei um eine Komplikation, die (wenngleich selten) bei solchen Operationen auftreten kann und die auch bei mir aufgetreten ist, nämlich eine Einblutung in die Tumorresektionshöhle, die den Hirnwasserabfluss behindert. Wie sich bei mir gezeigt hat, ist auch diese Komplikation keine „Katastrophe“, wenn sie – wie in Tübingen – sofort behandelt wird: Dann bekommt man für zwei Wochen einen Drainageschlauch, bis sich das Bluttröpfchen von selbst wieder aufgelöst hat; das ist zwar mit verstärkten Kopfschmerzen verbunden und verlängert natürlich den Krankenhausaufenthalt (bei mir auf knapp 3 Wochen), aber rückblickend betrachtet eine Nichtigkeit. Auch in dieser Hinsicht hat sich Tübingen mit seiner hochspezialisierten neurochirurgischen Intensivstation aus meiner Sicht also bestens bewährt, wie sich die Klinik ganz generell als medizinisch erstklassig, gut organisiert und sehr freundlich erwiesen hat.
Abschließend noch eine Anmerkung zum Thema Rehabilitation: Eine solche würde ich jedem empfehlen, da man von der Operation am Anfang doch sehr geschwächt ist. Hier habe ich in Wien mit dem NRZ Rosenhügel gute Erfahrungen gemacht; die Klinik ist modern, fachlich gut auf die (ja bei vielen neurologischen Erkrankungen vorkommenden) typischen Probleme wie Gleichgewichtsstörungen etc. eingerichtet und von einer angenehm-freundlichen Atmosphäre geprägt. Wenn man (so wie ich) nicht stationär bleiben möchte, kann man auch als Tagesklinikpatient nur zu den Therapiestunden kommen. Ich habe das zunächst zwei Wochen lang täglich gemacht und anschließend, als ich wieder zu arbeiten begonnen habe, das Reha-Programm auf einen Tag pro Woche reduziert.
Obwohl ich niemandem ein Akustikusneurinom wünschen würde, muss ich sagen, dass die Sache für mich längst ihren Schrecken verloren hat. Jetzt hoffe ich, dass sich mein Gehör noch ein bisschen bessert, gewaltig erleichtert bin ich in jedem Fall. Mit den Informationen, die hier im Forum geliefert werden, wird es in Zukunft hoffentlich vielen so gehen!
Viel Glück an alle, die es noch hinter sich bringen müssen!
Alexander