Liebe Felipina, lieber Kudelka, Schaubi, Frank63, liebe Mitleser,
die Folgen einer Facialisparese gehören zu den auffälligsten Symptomen,
die den Heilungsverlauf nach einer AN-Therapie prägen.
Während die Folgen Hörverlust, Schwindel oder Tinnitus häufig eine
Ursache haben, die irreversibel bleibt (z.B. zerstörter/beschädigter
Hörnerv), sind die Einschränkungen eines gestressten/verletzten
Facialisnervs zwar prominent, aber häufig vorübergehender Natur.
Damit gehen zwei Dinge einher, die die Rückkehr in den Alltag
begleiten. Einmal sind die Einschränkungen schmerzhafte und
belastende Folgen der Operation, quasi ein Zeichen für die Schwere
eines Eingriffs und eben keine Heilung im Vorübergehen.
Zum anderen kennzeichnet der Heilungsverlauf anhand der
(langsamen) Fortschritte und Veränderungen den erreichten
Zustand und zwingt zu einem angepassten Verhalten.
Damit werden z.B. die Wochen einer REHA durch eine Art
Übungsplan gekennzeichnet und zu einer Phase, die nicht beliebig
zu terminieren ist. Auch deshalb ist eine sog. Anschlussheilbehandlung
grundsätzlich anzustreben – die Phase kommt nicht wieder und ist
ausschlaggebend für den weiteren Heilungsverlauf.
Hinzu kommen nun alle weiteren Belastungen, die sich für (jeden)
Operierten stellen, deren Verlauf aber nicht mit „sichtbaren“
Veränderungen einhergeht. Heftiger Schwindel, Tinnitus, Hyperakusis
und Ertaubung – vereinzelt Kopfschmerzen, allgemeines
Unwohlsein, Schwächegefühl - alles Beeinträchtigungen, die individuell
wahrgenommen werden und unterschiedlich schwer belasten,
tatsächlich aber jeden treffen. Gilt die frühe Heilungsphase als
Erholung vom Eingriff und Wiedergewinnung von Stabilität, sind die
folgenden Monate meist immer noch weit entfernt von gewohnter
Belastbarkeit. Die Anforderungen des Alltags nehmen darauf
allerdings kaum bis keine Rücksicht. Die Rückkehr auf den
Arbeitsplatz, ob wiedereingegliedert oder gleich volles Programm,
trifft auf eine oft spezielle Disposition:
geprägt von Ängsten, Unsicherheit, aber auch Ungeduld und falsch
verstandenem Ehrgeiz. „Mal sehen, was geht...“ oder die beabsichtigte
Flucht in eine ablenkende Realität – meist bis hin zu zunächst
zeitversetzt eintretenden heftigen Beschwerden.
Verschärfend kommt hinzu, dass man Gefahr läuft, den eigenen
Körper unter Druck zu setzen. Es ist richtig, dass ein trainierter
Organismus Belastungen besser begegnen kann, gänzlich
kompensieren oder gar ignorieren kann er sie nicht. Bleiben positive
Rückmeldungen aus, steigt der psychische Druck – Misserfolge in
Folge eigener Fehleinschätzung („wenn ich langsamer mache,
müsste es doch gehen...“ oder „wenigstens das muss ich doch
hinbekommen...“) können die allgemeine Symptomatik negativ
verstärken. Häufig beobachtete Selbstreflektion:
"...aus heutiger Sicht würde ich alles langsamer angehen."
Eine Sicherheit, damit bessere Resultate zu erzielen, gibt es
allerdings keine.
Dabei kann es nicht darum gehen, ob und was man hätte besser
machen können. Jeder Verlauf ist individuell und Erfolge bemessen
sich individuell. Was für den einen ein No-Go ist, bedeutet dem
anderen ein Teilerfolg. Auch wenn es ernüchternd klingt, das
Akzeptieren von Einschränkungen gehört zum Prozess.
Positiv Denken und Bestätigungen sammeln, der Kopf muss oben bleiben
Beste Grüße
snowdog