Entscheidungsfindung
Verfasst: 27.04.2016, 16:35
Nachdem ich nun schon etliche Wochen hier im Forum mitlese, möchte ich mich auch kurz einmal vorstellen.
Im Februar 2016 habe ich einmal wieder meinen 2-Jahres-Check beim Hausarzt machen lassen. Bis auf einen etwas leicht erhöhten Cholesterinwert war alles in Ordnung. Auf dem rechten Ohr hörte ich etwas schlechter, deshalb habe ich dort eine Ohrspülung erhalten.
Als das jedoch keine Verbesserung ergab, bin ich zum ansässigen HNO-Arzt gegangen, um das Problem näher untersuchen zu lassen. Ein Hörtest ergab eine Hörminderung rechts, vor allem im Hochtonbereich.
»Wir müssen jetzt erst einmal sehen, ob in Ihrem Kopf alles in Ordnung ist«, sagte dieser und schickte mich zum MRT. Ich bräuchte mir aber keine Sorgen zu machen.
Bei solchen Äußerungen macht man sich natürlich erst recht Sorgen.
In der vom HNO-Arzt empfohlenen Radiologie sollte ich erst Anfang Mai 2016 einen Untersuchungstermin bekommen. Ich habe mich selbst dann um einen früheren Termin in einer anderen Radiologie bemüht. Die Untersuchung war dann in der vergangenen Woche.
In den 6 Wochen Wartezeit habe ich natürlich nicht stillhalten können, habe das gemacht, was man eigentlich nicht tun sollte und ausgiebig recherchiert. Bei den Symptomen, die ich hatte (einseitige Hörminderung, rechts Tinnitus, Druck auf dem rechten Ohr, ab und zu ein leichtes Zucken und Kribbeln in der rechten Gesichtshälfte), kam ich immer wieder zur Diagnose Akustikusneurinom. Zwar wurde überall betont, dass es bei den Symptomen einseitige Hörminderung und Tinnitus auch etwas anderes sein kann als ein Akustikusneurinom, allerdings habe ich nichts, rein gar nichts gefunden, was all diese speziellen Symptome erklären konnte. Nur das Akustikusneurinom blieb übrig.
Und leider war es auch so. Diagnose: Zum Teil intra-, zum Teil extrameatal gelegenes Akustikusneurinom mit einem maximalen Durchmesser von 1,4 x 1,4 bei 0,9 cm sowie eine Entwicklung in den rechten Kleinhirnbrückenwinkel ohne Verlagerung oder Signalalterationen im angrenzenden Hirnstamm. Übriges ZNS unauffällig.
Ich hatte es nicht anders erwartet. Da ich mich in den Wochen zuvor intensiv mit der Materie beschäftigt hatte, war mir klar, dass solch ein Befund kein Todesurteil bedeutet und dass ein Akustikusneurinom therapierbar ist, allerdings ist die ganze Sache nicht unproblematisch. Meine Lebensgefährtin allerdings war erschüttert. Ich habe ihr dann alles erklärt und mittlerweile geht sie auch etwas besser damit um.
Die Frage, ob OP, Bestrahlung oder Wait & Scan war zu klären. Für mich hatte ich diese Frage nach ausgiebigem Studium hier und an anderer Stelle schon zuvor entschieden. Wait & Scan kommt für mich nicht in Frage. Worauf soll ich warten? Der Tumor wächst, besser wird das alles auf keinen Fall. Es ist also Handeln angesagt.
Einer Bestrahlung traue ich nicht. Erst einmal wird der Tumor nicht beseitigt, sondern nur stillgelegt, in 3 bis 9 Prozent der Fälle kann es trotzdem noch zu einem weiteren Tumorwachstum kommen. In ganz seltenen Fällen kann aus dem ehemals gutartigen Tumor sogar ein bösartiger werden. Weiterhin: immer diese Ungewissheit, ob der Tumor doch wieder wächst, jedes Jahr zum MRT. – Nein, das ist nichts für mich.
Mir war ziemlich schnell klar, dass für mich nur eine Operation in Frage kommt, auch wenn solch eine OP sicherlich kein Spaziergang wird – es sei denn, die entsprechenden Spezialisten sagen etwas anderes. Ich habe mir jetzt Termine für ein Beratungsgespräch in der Uniklinik Halle (am 4. Mai 2016) und in der Uniklinik Tübingen (am 7. Juni) besorgt. Ich muss zwar weit fahren, aber das spielt keine Rolle. Das Ergebnis ist entscheidend, und wenn etwas wichtig ist, dann ist es der Punkt, dass man einen erfahrenen Operateur findet, zu dem man auch Vertrauen fassen kann.
Mein bisheriger Kenntnisstand ist der, dass ich wohl in beiden Kliniken gut aufgehoben wäre. Ich glaube, das ist dann letztendlich eine Bauchsache. (Das ist auch okay so.) Ein Problem sehe ich, dass ich auf dem linken Auge (also auf der nicht betroffenen Seite) nahezu blind bin. Also eine Beeinträchtigung des Gesichtsnervs auf der rechten Seite wäre sicherlich nicht so gut. Ein Lidschluss rechts sollte langfristig also möglich sein.
Ich bin aufgrund der in diesem Forum einsehbaren Informationen – so glaube ich zumindest – recht gut informiert und versuche, aufgrund einer guten Wissensbasis zu rationalen Entscheidungen zu finden. Also vielen Dank erst einmal den Moderatoren und Beitragserstellern. Das alles hat mir doch sehr geholfen.
Ach ja, und noch etwas: Ich habe in der radiologischen Praxis sowohl vor als auch nach der Untersuchung darum gebeten, den Radiologen zu sprechen, das war nicht möglich. Ich habe ihn gar nicht gesehen. Ich weiß gar nicht, ob er anwesend war. (Während des Scans habe ich die Augen zugemacht.) Ich habe dann nur die CD in die Hand gedrückt und gesagt bekommen, dass der überweisende Arzt mir dann alles erklären würde.
Das Gespräch mit dem HNO-Arzt dauerte dann etwa dreieinhalb Minuten. »Sie haben da etwas, das da nicht hingehört. Das ist alles halb so wild … gutartiger Tumor … heute kein Problem mehr. Ich gebe Ihnen einmal eine Überweisung zur HNO-Klinik nach Dortmund.« Meine Frage, wie groß der Tumor sei und ob er nur intrameatal, sondern auch extrameatal läge, beantwortete er damit, dass alles im Untersuchungsprotokoll des Radiologen stehen würde. Alles Gute und Tschüss.
Ich habe mich dann gefragt, ob die Ärzte in der Gemeinschaftspraxis einen praxisinternen Wettbewerb führen, wer die meisten Patienten am Tag behandelt, habe mir aber sagen lassen, dass es zumindest bei einer anderen Ärztin in der Praxis nicht so ist. Sie scheint sich auch wohl Zeit zu nehmen. Das Einzige, was ich dem HNO-Arzt zugute halte, ist, dass er mich sofort zum MRT geschickt hat, was ja auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Also er hat fachlich sicherlich richtig gehandelt, aber menschlich … na ja.
Ich werde einmal berichten, wie es weitergeht, damit andere auch von meinen Erfahrungen profitieren können, genauso wie mir die bisherigen Berichterstatter geholfen haben. Bis dahin werde ich weiter an meiner Fitness arbeiten.
Viele Grüße
Norbert (= chess)
Im Februar 2016 habe ich einmal wieder meinen 2-Jahres-Check beim Hausarzt machen lassen. Bis auf einen etwas leicht erhöhten Cholesterinwert war alles in Ordnung. Auf dem rechten Ohr hörte ich etwas schlechter, deshalb habe ich dort eine Ohrspülung erhalten.
Als das jedoch keine Verbesserung ergab, bin ich zum ansässigen HNO-Arzt gegangen, um das Problem näher untersuchen zu lassen. Ein Hörtest ergab eine Hörminderung rechts, vor allem im Hochtonbereich.
»Wir müssen jetzt erst einmal sehen, ob in Ihrem Kopf alles in Ordnung ist«, sagte dieser und schickte mich zum MRT. Ich bräuchte mir aber keine Sorgen zu machen.
Bei solchen Äußerungen macht man sich natürlich erst recht Sorgen.
In der vom HNO-Arzt empfohlenen Radiologie sollte ich erst Anfang Mai 2016 einen Untersuchungstermin bekommen. Ich habe mich selbst dann um einen früheren Termin in einer anderen Radiologie bemüht. Die Untersuchung war dann in der vergangenen Woche.
In den 6 Wochen Wartezeit habe ich natürlich nicht stillhalten können, habe das gemacht, was man eigentlich nicht tun sollte und ausgiebig recherchiert. Bei den Symptomen, die ich hatte (einseitige Hörminderung, rechts Tinnitus, Druck auf dem rechten Ohr, ab und zu ein leichtes Zucken und Kribbeln in der rechten Gesichtshälfte), kam ich immer wieder zur Diagnose Akustikusneurinom. Zwar wurde überall betont, dass es bei den Symptomen einseitige Hörminderung und Tinnitus auch etwas anderes sein kann als ein Akustikusneurinom, allerdings habe ich nichts, rein gar nichts gefunden, was all diese speziellen Symptome erklären konnte. Nur das Akustikusneurinom blieb übrig.
Und leider war es auch so. Diagnose: Zum Teil intra-, zum Teil extrameatal gelegenes Akustikusneurinom mit einem maximalen Durchmesser von 1,4 x 1,4 bei 0,9 cm sowie eine Entwicklung in den rechten Kleinhirnbrückenwinkel ohne Verlagerung oder Signalalterationen im angrenzenden Hirnstamm. Übriges ZNS unauffällig.
Ich hatte es nicht anders erwartet. Da ich mich in den Wochen zuvor intensiv mit der Materie beschäftigt hatte, war mir klar, dass solch ein Befund kein Todesurteil bedeutet und dass ein Akustikusneurinom therapierbar ist, allerdings ist die ganze Sache nicht unproblematisch. Meine Lebensgefährtin allerdings war erschüttert. Ich habe ihr dann alles erklärt und mittlerweile geht sie auch etwas besser damit um.
Die Frage, ob OP, Bestrahlung oder Wait & Scan war zu klären. Für mich hatte ich diese Frage nach ausgiebigem Studium hier und an anderer Stelle schon zuvor entschieden. Wait & Scan kommt für mich nicht in Frage. Worauf soll ich warten? Der Tumor wächst, besser wird das alles auf keinen Fall. Es ist also Handeln angesagt.
Einer Bestrahlung traue ich nicht. Erst einmal wird der Tumor nicht beseitigt, sondern nur stillgelegt, in 3 bis 9 Prozent der Fälle kann es trotzdem noch zu einem weiteren Tumorwachstum kommen. In ganz seltenen Fällen kann aus dem ehemals gutartigen Tumor sogar ein bösartiger werden. Weiterhin: immer diese Ungewissheit, ob der Tumor doch wieder wächst, jedes Jahr zum MRT. – Nein, das ist nichts für mich.
Mir war ziemlich schnell klar, dass für mich nur eine Operation in Frage kommt, auch wenn solch eine OP sicherlich kein Spaziergang wird – es sei denn, die entsprechenden Spezialisten sagen etwas anderes. Ich habe mir jetzt Termine für ein Beratungsgespräch in der Uniklinik Halle (am 4. Mai 2016) und in der Uniklinik Tübingen (am 7. Juni) besorgt. Ich muss zwar weit fahren, aber das spielt keine Rolle. Das Ergebnis ist entscheidend, und wenn etwas wichtig ist, dann ist es der Punkt, dass man einen erfahrenen Operateur findet, zu dem man auch Vertrauen fassen kann.
Mein bisheriger Kenntnisstand ist der, dass ich wohl in beiden Kliniken gut aufgehoben wäre. Ich glaube, das ist dann letztendlich eine Bauchsache. (Das ist auch okay so.) Ein Problem sehe ich, dass ich auf dem linken Auge (also auf der nicht betroffenen Seite) nahezu blind bin. Also eine Beeinträchtigung des Gesichtsnervs auf der rechten Seite wäre sicherlich nicht so gut. Ein Lidschluss rechts sollte langfristig also möglich sein.
Ich bin aufgrund der in diesem Forum einsehbaren Informationen – so glaube ich zumindest – recht gut informiert und versuche, aufgrund einer guten Wissensbasis zu rationalen Entscheidungen zu finden. Also vielen Dank erst einmal den Moderatoren und Beitragserstellern. Das alles hat mir doch sehr geholfen.
Ach ja, und noch etwas: Ich habe in der radiologischen Praxis sowohl vor als auch nach der Untersuchung darum gebeten, den Radiologen zu sprechen, das war nicht möglich. Ich habe ihn gar nicht gesehen. Ich weiß gar nicht, ob er anwesend war. (Während des Scans habe ich die Augen zugemacht.) Ich habe dann nur die CD in die Hand gedrückt und gesagt bekommen, dass der überweisende Arzt mir dann alles erklären würde.
Das Gespräch mit dem HNO-Arzt dauerte dann etwa dreieinhalb Minuten. »Sie haben da etwas, das da nicht hingehört. Das ist alles halb so wild … gutartiger Tumor … heute kein Problem mehr. Ich gebe Ihnen einmal eine Überweisung zur HNO-Klinik nach Dortmund.« Meine Frage, wie groß der Tumor sei und ob er nur intrameatal, sondern auch extrameatal läge, beantwortete er damit, dass alles im Untersuchungsprotokoll des Radiologen stehen würde. Alles Gute und Tschüss.
Ich habe mich dann gefragt, ob die Ärzte in der Gemeinschaftspraxis einen praxisinternen Wettbewerb führen, wer die meisten Patienten am Tag behandelt, habe mir aber sagen lassen, dass es zumindest bei einer anderen Ärztin in der Praxis nicht so ist. Sie scheint sich auch wohl Zeit zu nehmen. Das Einzige, was ich dem HNO-Arzt zugute halte, ist, dass er mich sofort zum MRT geschickt hat, was ja auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Also er hat fachlich sicherlich richtig gehandelt, aber menschlich … na ja.
Ich werde einmal berichten, wie es weitergeht, damit andere auch von meinen Erfahrungen profitieren können, genauso wie mir die bisherigen Berichterstatter geholfen haben. Bis dahin werde ich weiter an meiner Fitness arbeiten.
Viele Grüße
Norbert (= chess)