OP in Tübingen durch Dr. Ebner
Verfasst: 03.05.2015, 11:13
Liebe Leser!
Ich möchte an dieser Stelle über meinen Verlauf und die erfolgreiche OP berichten und hoffe, dass ich so dem einen oder anderen etwas von dem weitergeben kann, was ich hier in diesem Forum gefunden habe.
Ende 2013 bemerkte ich eine leichte Verschlechterung des Gehörs rechts, mein HNO riet zu Verlaufskontrollen alle zwei Jahre. Im September 2014 erlitt ich einen Hörsturz mit seitdem bestehendem Tinnitus rechts. Die konservative Therapie blieb erfolglos. Aufgrund einer auffälligen BERA und pathologischen Gleichgewichtsprüfung wurde ein MRT veranlasst.
Es zeigte sich ein AN rechts von 13x18x20 mm intra- und extrameatal (T2). Der HNO riet zum Abwarten. Damit gab ich mich nicht zufrieden und informierte mich in mehreren neurochirurgischen Kliniken, in Bestrahlungszentren und in diesem Forum.
Meine größte Sorge war zunächst die des kompletten Hörverlusts und ob ich dann in meinem Beruf als Arzt weiterarbeiten kann. Ich habe unter anderem im Forum Leute kennengelernt, die mich sehr in der Reifung meines Plans unterstützen.
Letztendlich stand für mich fest: wait&watch kam nicht in Frage, da weiteres Tumorwachstum auf jeden Fall das Gehör verschlechtert. Keine Bestrahlung, da der Tumor sehr nah an der Cochlea lag und sehr wahrscheinlich diese beeinträchtigt, außerdem hatte ich Sorge aufgrund meines jungen Alters. Ich wollte den Tumor ganz loswerden und fand heraus, dass ich auch mit einem Ohr beruflich keine Probleme bekomme außer in Gesprächsrunden und beim Richtungshören zB im Straßenverkehr. Deshalb nahm ich dann in kauf, dass das Risiko des Gehörverlusts bei ca.50% liegt.
Im Dezember stellte ich mich bei Dr. Ebner in Tübingen vor (ich bin gesetzlich versichert ). Ich hatte sofort ein gutes Gefühl, habe aber wegen der Abwägung aller Möglichkeiten und Sorgen noch Wochen bis zur Entscheidung gebraucht. Das war eine harte Zeit. Ungefähr 2 Monate vor der OP habe ich wieder begonnen, intensiv Sport zu treiben, was mir zum einen Fitness für die OP gebracht hat und zum anderen meine Gefühlswelt bis auf eine gewisse Nervosität wieder ins Lot gebracht hat.
Am 31.3.2015 wurde ich dann in Tübingen aufgenommen. Zur OP-Vorbereitung wurden AEPs abgeleitet, ein Herz-ECHO gemacht (der mitgebrachte Befund meines Kardiologen konnte nicht explizit ein PFO ausschließen...) und ein CT durchgeführt. Sowohl der Stationsarzt als auch Dr. Ebner berieten noch einmal ausführlich.
Am 1. April wurde ich operiert, in halbsitzender Position, suboccipital. Dauer ca. 8 Stunden. Der Nervus vestibularis rechts wurde entfernt, die AEPs blieben stabil. Nach der OP Überwachung auf der Intensivstation. Dort starker Schwindel, nur einmalig erbrechen dank erhöhter Meditation. Sonst wenig Erinnerung an diesen Tag.
1. Tag: starker Schwindel, Übelkeit, Blick fixieren geht nicht, leichte Fazialisschwäche rechts, Gehör soweit feststellbar in meinem Zustand ohne wesentliche Verschlechterung. CT-Kontrolle (danach zwangsläufig Erbrechen...), Verlegung auf Normalstation.
Bestandsaufnahme: 1 zentralvenöser Katheter rechts, ein arterieller Katheter links, je ein venöser Zugang beidseits, Blasenkatheter, Druckverband um den Kopf. Die Physiotherapeutin nötigt mich, mich hinzusetzen. Gefühl, der Kopf müsse platzen. Übungsheft und Spiegel für Fazialistraining bekommen.
2. Tag: Bettruhe in halbsitzender Lage. Flach liegen geht nicht. AVK gezogen, kurzes Setzen auf die Bettkante möglich. 3. Tag: PVK links, ZVK und Blasenkatheter gezogen. Ich schlafe nachts kaum wegen Schmerzen und Verspannungen trotz Schmerzmitteln. Mit Unterstützung einmal im Zimmer auf und ab gegangen.
4. Tag: Ich habe geduscht!, bin mehrfach aufgestanden, im Rollstuhl aus dem Zimmer, abends selbstständig umgekleidet.
5. Tag: selbstständiges Aufstehen, waschen, anziehen, immer noch deutlicher Schwindel. Nächte schrecklich, weil ich nicht flach liegen kann. Jetzt mit Gabe eines Muskelrelaxans besser. Ich bin oft den Flur entlang spaziert.
6. Tag: großer Schreck: beim rasieren tropft die Nase. Es bestätigt sich ein Liquorleck! Anlage einer Lumbaldrainage. Ich hätte 2 Tage später entlassen werden können. Mein Zustand ist sonst ganz gut. Schmerzen im Griff, immer mehr Bewegung, Fazialisschwäche fast zurück gebildet. Jetzt bin ich durch die Drainage eingeschränkt und habe ständig dumpfen Kopfdruck. Antibiotikabehandlung bei leicht erhöhten Infektionsparametern.
Nach 5 Tagen konnte die Drainage gezogen werden, die Antibiotika wurden bei unauffälligen Werten beendet, das Leck blieb trocken. Die Kontrolle der AEPs zeigte unveränderte Ergebnisse wie vor der OP. Die Wunde heilte problemlos,die Fäden wurden nach 10 Tagen gezogen.
Alles in allem bin ich trotz der Komplikation mit der OP und dem Verlauf sehr zufrieden. Ich konnte mir allerdings vorher nicht vorstellen, wie stark der Schwindel sein wird und wie sehr das beeinträchtigt. Trotz guter Fitness hat mich der Eingriff auch körperlich sehr belastet.
Jetzt bin ich gerade in AHB, was ich nur empfehlen kann, auch wenn vorher oft gesagt wird, dass das nicht notwendig sein muss. Aus meiner Sicht ist es das aber schon!
Über die AHB und den Kampf, in eine geeignete Einrichtung zu kommen, werde ich später berichten.
Ich wünsche allen Betroffenen guten Mut und die nötige Ruhe, um herauszufinden, was einem persönlich am wichtigsten ist, denn es gibt nicht den einen richtigen Weg. Alle Möglichkeiten können in der jeweiligen Situation zu ihrer Zeit in Frage kommen. Nutzt die Chance, Euch möglichst umfassend zu informieren!
Und selbst dann denkt daran: jeder Verlauf ist individuell! Was bei mir funktioniert hat, muss nicht bei Dir genauso laufen!
Viele liebe Grüße, mika
Ich möchte an dieser Stelle über meinen Verlauf und die erfolgreiche OP berichten und hoffe, dass ich so dem einen oder anderen etwas von dem weitergeben kann, was ich hier in diesem Forum gefunden habe.
Ende 2013 bemerkte ich eine leichte Verschlechterung des Gehörs rechts, mein HNO riet zu Verlaufskontrollen alle zwei Jahre. Im September 2014 erlitt ich einen Hörsturz mit seitdem bestehendem Tinnitus rechts. Die konservative Therapie blieb erfolglos. Aufgrund einer auffälligen BERA und pathologischen Gleichgewichtsprüfung wurde ein MRT veranlasst.
Es zeigte sich ein AN rechts von 13x18x20 mm intra- und extrameatal (T2). Der HNO riet zum Abwarten. Damit gab ich mich nicht zufrieden und informierte mich in mehreren neurochirurgischen Kliniken, in Bestrahlungszentren und in diesem Forum.
Meine größte Sorge war zunächst die des kompletten Hörverlusts und ob ich dann in meinem Beruf als Arzt weiterarbeiten kann. Ich habe unter anderem im Forum Leute kennengelernt, die mich sehr in der Reifung meines Plans unterstützen.
Letztendlich stand für mich fest: wait&watch kam nicht in Frage, da weiteres Tumorwachstum auf jeden Fall das Gehör verschlechtert. Keine Bestrahlung, da der Tumor sehr nah an der Cochlea lag und sehr wahrscheinlich diese beeinträchtigt, außerdem hatte ich Sorge aufgrund meines jungen Alters. Ich wollte den Tumor ganz loswerden und fand heraus, dass ich auch mit einem Ohr beruflich keine Probleme bekomme außer in Gesprächsrunden und beim Richtungshören zB im Straßenverkehr. Deshalb nahm ich dann in kauf, dass das Risiko des Gehörverlusts bei ca.50% liegt.
Im Dezember stellte ich mich bei Dr. Ebner in Tübingen vor (ich bin gesetzlich versichert ). Ich hatte sofort ein gutes Gefühl, habe aber wegen der Abwägung aller Möglichkeiten und Sorgen noch Wochen bis zur Entscheidung gebraucht. Das war eine harte Zeit. Ungefähr 2 Monate vor der OP habe ich wieder begonnen, intensiv Sport zu treiben, was mir zum einen Fitness für die OP gebracht hat und zum anderen meine Gefühlswelt bis auf eine gewisse Nervosität wieder ins Lot gebracht hat.
Am 31.3.2015 wurde ich dann in Tübingen aufgenommen. Zur OP-Vorbereitung wurden AEPs abgeleitet, ein Herz-ECHO gemacht (der mitgebrachte Befund meines Kardiologen konnte nicht explizit ein PFO ausschließen...) und ein CT durchgeführt. Sowohl der Stationsarzt als auch Dr. Ebner berieten noch einmal ausführlich.
Am 1. April wurde ich operiert, in halbsitzender Position, suboccipital. Dauer ca. 8 Stunden. Der Nervus vestibularis rechts wurde entfernt, die AEPs blieben stabil. Nach der OP Überwachung auf der Intensivstation. Dort starker Schwindel, nur einmalig erbrechen dank erhöhter Meditation. Sonst wenig Erinnerung an diesen Tag.
1. Tag: starker Schwindel, Übelkeit, Blick fixieren geht nicht, leichte Fazialisschwäche rechts, Gehör soweit feststellbar in meinem Zustand ohne wesentliche Verschlechterung. CT-Kontrolle (danach zwangsläufig Erbrechen...), Verlegung auf Normalstation.
Bestandsaufnahme: 1 zentralvenöser Katheter rechts, ein arterieller Katheter links, je ein venöser Zugang beidseits, Blasenkatheter, Druckverband um den Kopf. Die Physiotherapeutin nötigt mich, mich hinzusetzen. Gefühl, der Kopf müsse platzen. Übungsheft und Spiegel für Fazialistraining bekommen.
2. Tag: Bettruhe in halbsitzender Lage. Flach liegen geht nicht. AVK gezogen, kurzes Setzen auf die Bettkante möglich. 3. Tag: PVK links, ZVK und Blasenkatheter gezogen. Ich schlafe nachts kaum wegen Schmerzen und Verspannungen trotz Schmerzmitteln. Mit Unterstützung einmal im Zimmer auf und ab gegangen.
4. Tag: Ich habe geduscht!, bin mehrfach aufgestanden, im Rollstuhl aus dem Zimmer, abends selbstständig umgekleidet.
5. Tag: selbstständiges Aufstehen, waschen, anziehen, immer noch deutlicher Schwindel. Nächte schrecklich, weil ich nicht flach liegen kann. Jetzt mit Gabe eines Muskelrelaxans besser. Ich bin oft den Flur entlang spaziert.
6. Tag: großer Schreck: beim rasieren tropft die Nase. Es bestätigt sich ein Liquorleck! Anlage einer Lumbaldrainage. Ich hätte 2 Tage später entlassen werden können. Mein Zustand ist sonst ganz gut. Schmerzen im Griff, immer mehr Bewegung, Fazialisschwäche fast zurück gebildet. Jetzt bin ich durch die Drainage eingeschränkt und habe ständig dumpfen Kopfdruck. Antibiotikabehandlung bei leicht erhöhten Infektionsparametern.
Nach 5 Tagen konnte die Drainage gezogen werden, die Antibiotika wurden bei unauffälligen Werten beendet, das Leck blieb trocken. Die Kontrolle der AEPs zeigte unveränderte Ergebnisse wie vor der OP. Die Wunde heilte problemlos,die Fäden wurden nach 10 Tagen gezogen.
Alles in allem bin ich trotz der Komplikation mit der OP und dem Verlauf sehr zufrieden. Ich konnte mir allerdings vorher nicht vorstellen, wie stark der Schwindel sein wird und wie sehr das beeinträchtigt. Trotz guter Fitness hat mich der Eingriff auch körperlich sehr belastet.
Jetzt bin ich gerade in AHB, was ich nur empfehlen kann, auch wenn vorher oft gesagt wird, dass das nicht notwendig sein muss. Aus meiner Sicht ist es das aber schon!
Über die AHB und den Kampf, in eine geeignete Einrichtung zu kommen, werde ich später berichten.
Ich wünsche allen Betroffenen guten Mut und die nötige Ruhe, um herauszufinden, was einem persönlich am wichtigsten ist, denn es gibt nicht den einen richtigen Weg. Alle Möglichkeiten können in der jeweiligen Situation zu ihrer Zeit in Frage kommen. Nutzt die Chance, Euch möglichst umfassend zu informieren!
Und selbst dann denkt daran: jeder Verlauf ist individuell! Was bei mir funktioniert hat, muss nicht bei Dir genauso laufen!
Viele liebe Grüße, mika