So – es ist geschafft.
Am 7.1. (Mittwoch) hatte ich die OP. Lt. Prof. Tatagiba ist der Tumor restlos entfernt.
Das macht mich erst mal sehr glücklich. Die OP hat ca. 6 Stunden inkl. aller Vor- und Nachbereitung gedauert. Ich bin auf der Intensivstation wach geworden und bin am nächsten Tag dann wieder zurück auf das Zimmer verlegt worden. Leider hat mein Magen überhaupt nicht mitgespielt, weshalb ich erst am 3. Post-OP-Tag (Samstag) aufgestanden bin. Aber ab da ging es stetig bergauf. Wie schon von anderen beschrieben wurde, waren alle Ärzte und das Pflegepersonal überaus zugeneigt und hilfsbereit. Sonntag bin ich dann zum ersten mal über den Flur gelaufen und Montag wurde mir mitgeteilt, dass ich Dienstag nach Hause soll/darf.
Mein Mann hat mich abgeholt und dann sind wir nach drei Stunden Fahrt am Abend zuhause gewesen. Ich fühle mich sehr glücklich, denn außer Magen fühle ich fast keine Beeinträchtigung. Ja, mein rechtes Ohr ist (noch) taub, ich habe zwar keinen Drehschwindel, aber es schwankt nur ein ganz kleines bisschen. Die Wunde ist sehr gut verheilt, am 9. Post-OP-Tag wurden die Fäden gezogen. Meine Reha hatte ich vorher von dem Grad meines Befindens abhängig gemacht. Von ganz schlecht = stationäre Reha bis mäßig gut = ambulante Reha in einer Klinik in der Nachbarstadt bis gutes Allgemeinbefinden = Reha-Maßnahmen hier im Dorf bei meiner Physiotherapeutin und Logopädin in der Nachbarschaft. Die Termine hatte ich vor der OP vorsorglich schon ausgemacht. Und jetzt geht es mir so gut, dass ich meine persönliche Reha an 4 Tagen in der Woche hier im Dorf mache. Ich übe an jedem Tag für/gegen meine Parese Grad II und für das Gleichgewicht. An jedem Tag sehe ich einen Fortschritt. Ich mache alles langsam und ruhe mich viel aus, meine Minispaziergänge werden jeden Tag 50 m länger, Freitag war der Friseur schon da und morgen backe ich einen Kuchen. Ich glaube, ich hatte unglaubliches Glück!! Und hoffe, dass evtl. Rückschläge nicht kommen oder auch wieder positiv aufgefangen werden. Ich fühle mich perfekt versorgt, auch von meinen Ärzten vor Ort und von den Physiotherapeuten. Ich bin vielleicht nicht das allgemein gültige Beispiel, aber dennoch möchte ich ganz viel Mut und Hoffnung machen, allen, die die OP noch vor sich haben oder auch eine nicht so schöne Post-OP-Zeit erleben.
Wem es nicht zuviel ist, der kann meine ganz banalen Tipps lesen. Von den Dingen, die mir geholfen haben, wirklich fast ohne Angst und Aufregung in diese OP zu gehen und danach mit viel Zuversicht die erste Zeit zu bewältigen. Ich will nicht belehren, aber vielleicht findet man die eine oder andere Anregung, die persönlich weiterhilft. So wie ich auch unheimlich dankbar war für einen ganz banalen Tipp hier aus dem Forum: für die Heimreise ein großes, weiches Kopfkissen mit ins Auto nehmen! Ohne diesen Tipp hätte ich niemals drei Stunden Autofahrt ausgehalten, welch ein Glück, sich bei manchen Straßenverhältnissen in ein weiches Kissen legen zu können. Dank noch mal dem Forumsmitglied!!
Hier meine Tipps:
- Unbedingt vom ersten Tag an RUHE bewahren.
- Hier im Forum alle Fragen stellen und bei Unsicherheiten die Moderatoren anschreiben, falls sie sich nicht sowieso einschalten
- Niemals von anderen drängen lassen.
- Mehrere Spezialisten (mindestens zwei) aufsuchen.
- Mein Mann fand: Am wichtigsten war, den richtigen Operateur zu finden.
- Wohnortnähe ist nicht wichtig, sondern Erfahrung des Operateurs.
- Nicht nur mit dem Kopf entscheiden, auch das Bauchgefühl zulassen, schließlich vertraut man dem Arzt seinen Kopf an.
- Wenn nötig, psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, zahlt die KK.
- Hier im Forum oder auch durch den Hausarzt Kontakt zu anderen Betroffenen suchen – hilft SEHR!!!
- Ein wenig Fitness vor der OP hilft später enorm weiter.
- Den Körper in Ordnung bringen: Augenarzt, Zahnarzt, Magen, Vorsorge, Magenschutz.
- Wem es hilft: Yoga, autogenes Training etc.
- Auch Gleichgewicht kann man schon vorher trainieren.
- Sich nach den drei Kriterien vorher schon überlegen, wie Reha aussehen könnte. Selbst aussuchen und bestimmen fühlt sich gut an.
- Vor der OP: Noch mal richtig ausspannen, langes Wochenende, Wanderung, Seele baumeln lassen.
- Fünf Tage vor der OP kein Fleisch mehr essen, keinen Alkohol, nichts schwer verdauliches. Zwei Tage vor der OP nur noch Tee und Schonkost, man weiß ja nie, wann man wieder auf die Beine kommt, und alleine aufs WC ist schon sehr gut.
- Evtl. für den Magen schon eine Woche vorher Magenschutz (Omeprazol o. ä.) einnehmen, die Schmerzmedikamente sind Hammer für den Magen!
- Eigenes Kopfkissen für das Krankenhaus wäre super gewesen.
- Oropax hat mir sehr geholfen, das gesunde Ohr hat sich aufgemacht wie ein Trichter, die Hyperakusis war heftig und das Oropax war mein Begleiter.
- Wer mag: Mein Mann hat alle Stufen fotografiert, so kann ich bis heute auf den Fotos sehen, wie groß meine Fortschritte sind, wie super meine Narbe verheilt und wie positiv sich mein Gesicht verändert hat und wie auch innerhalb von wenigen Tagen meine Fröhlichkeit in meine Augen zurück kam.
- An jedem Tag war/ist der Fortschritt abends mehr als am Morgen, daran glauben hilft auch.
- Nach der OP im KH: Alles alleine machen, so wenig wie möglich helfen lassen. Das tut gut und stärkt und es reicht, wenn jemand in der Nähe ist oder daneben steht.
- Kopfkissen für die Rückreise im Auto nicht vergessen
Das Wichtigste: Daran glauben, dass alles gut wird. Das mag nicht immer einfach sein. Die Menschen sind verschieden belastbar, jeder hat seine eigene Schmerz- und Belastungsgrenze. Aber hier im Forum ist so viel Rückhalt von den anderen Betroffenen zu bekommen und DAS hat mich drei Jahre lang getragen und tut immer noch gut. Ich habe einige wunderbare Begegnungen und Gespräche gehabt und es hat mit sehr geholfen, hier alle Infos zu bekommen, die ich brauchte. Selbst meine Ärzte haben mir nicht so viel Infos gegeben. Gestern war kein guter Tag – heute bin ich schon wieder weiter.....
Ich danke den Mitgliedern, die mir geantwortet haben und natürlich den Moderatoren.
Mein Ziel: Im März wieder arbeiten und im April wieder Motorradfahren.
Ich wünsche allen viel Glück, ich bin zunächst unendlich dankbar.
Armorika
