Hallo ANFux,
kein Problem, eine schnelle Antwort war ja auch nicht nötig. Und herzlichen Glückwunsch!
Erstmal vielen Dank für deine Antwort. Soweit ich weiß, wurde die Arterie bei mir auch mit diesem Mittel kontrolliert, auch wenn im OP-Bericht nichts dazu drin steht. Ich musste aber bezüglich dieser Überwachung etwas unterschreiben, weil die Nebenwirkungen des Mittels wohl nicht ganz ohne sind. Im Internet findet man dazu zudem einige Beiträge von Prof. Lenarz, der auf die Wichtigkeit der Funktionsüberwachung der Arterie hinweist, auch mit der von dir genannten Methode. Würde mich also wundern, wenn er es bei mir "versäumt" hätte.
Leider ist es für einen Kassenpatienten sogut wie unmöglich, post-op ein Gespräch mit einem Ober- oder gar dem Chefarzt in der MHH HNO zu bekommen, ich hatte mehrfach darum gebeten und irgendwann nach drei Tagen hat sich eine Assistenzärztin mit mir zusammengesetzt, die allerdings meinen OP-Bericht nicht kannte und mit Verlaub, nicht böse gemeint, definitiv nicht im Thema AKN war. Es ist ein blödes Gefühl ist, wenn man sich in der Materie so gut auskennt, dass man die Fehler in den Aussagen des Arztes erkennt. Die Ärzte der Visite waren ebenfalls nicht über meinen OP-Ablauf informiert. Achso, ich habe natürlich nach dem Grund gefragt, warum es nicht möglich ist für ein paar Minuten einen für mich zuständigen Oberarzt oder den Chefarzt zu sprechen. Ich zitiere einen jungen Assistenzarzt: "Die sind für die Privatpatienten zuständig". Soviel zum Thema "Zweiklassengesellschaft im Gesundheitswesen".
Wie auch immer, jetzt ist die Arterie kaputt. Ein Gespräch würde sie auch nicht mehr zurück bringen. Ich habe ja direkt nach der OP ein ganz kurzes Gespräch (< 1 Min.) mit dem Chefarzt und ein etwas längeres Gespräch mit einer Oberärztin (war bei der OP dabei) geführt aber die haben, warum auch immer, die Wahrheit verschwiegen und die Taubheit schön umschrieben. Sowas ist nicht in Ordnung, ich bin ein erwachsener Mann und habe dann auch verdient zu erfahren, was bei der OP passiert ist. Dass ich es erst über den Umweg OP-Bericht erfahre, weil meinem Neurologen in der Reha die Geschichte auch merkwürdig vor kam, macht mich wirklich wütend.
Ich habe sogar das Gefühl, dass es sich bei mir eventuell um einen Kunstfehler handeln könnte. Beweisen kann ich das nicht, aber das Verhalten sämtlicher Ärzte im Zusammanhang mit dem OP-Bericht lassen das bei mir irgendwie das Gefühl aufkommen. Ich möchte damit niemanden und vor allem nicht Prof. Lenarz etwas unterstellen, aber für mein Gefühl kann ich nichts. Dazu gibt es Ungereimtheiten zwischen OP-Bericht und der angeblichen OP-Dauer, die meiner Freundin auf der Intensivstation mitgeteilt wurde. Es fehlen 5 Stunden, die meine Freundin einfach im Unklaren gelassen wurde, was in der Zeit war, wird wohl für immer das Geheimnis der MHH sein.
Weiter ist negativ anzumerken: Dass ich so lange Zeit diese enormen Kieferprobleme haben würde, hat mir vor der OP niemand gesagt. Ebenfalls wurde mein OP-Schnitt viel tiefer angesetzt als vor der OP angekündigt. Der Schnitt geht bis zum Ohrläppchen, sieht unschön aus und sorgt für eine unangenehme Spannung auf der Gesichtshälfte, was nun auch physiotherapeutisch behandelt werden muss.
Wie auch immer, ich finde mich damit nach und nach ab. Einzig was ich mich frage: Warum musste/wurde die Arterie zerstört? Passiert das häufiger oder bin ich ein Einzelfall? Das frisst an meinen Nerven.

Hätte mir ein Arzt gesagt, die wurde zerstört weil der Tumor sie umwickelt hat, alles klar. Selbst wenn er mir gesagt hätte, es war ein Ärztefehler, tja dann ist das so, da operieren auch nur Menschen. Aber so ärgert es mich einfach, weil ich nicht weiß was Sache ist. Spätestens beim Kontrolltermin in 10 Monaten werde ich das auch klar sagen und um Aufklärung bitten, wobei sich bei der Massenabfertigung im MHH sich sowieso niemand mehr an mich erinnern wird.
Kurzes Update zu mir und meinem Befinden: Meinem Kiefer geht es, dank guter Physiotherapie, immer besser aber noch lange nicht gut. Die Beschwerden kommen laut Arzt daher, weil in der OP der Kiefermuskel Zitat "abgeklappt" wurde. Dass da ein Zusammenhang mit der anderen von mir erwähnten Arterie vorliegen könnte ist ein interessanter Ansatz, werde ich bei meinem Zahnarzt ansprechen. Der Schwindel ist noch deutlich zu spüren, im Moment stagniert er leider etwas, trotz Therapie. Aber das wird sich auch wieder ändern, die OP ist ja erst knappe zwei Monate her. Der Tinnitus und die Störgeräusche kombiniert mit der Ertaubung sind weiterhin mit Abstand das Hauptproblem. Der Tinnitus pfeift in allen Lagen und Tönen und nimmt leider wieder zu, nachdem er sich schon gebessert hatte. Ich kann es gar nicht beschreiben... Innerhalb von einer Minute nehme ich aktuell ca. 10 verschiedenste Töne und Geräusche wahr die sich abwechseln, ohne erkennbaren Auslöser. Ein Grundrauschen kombiniert mit einem Piepen, ein Klingeln, ein Pochern und einem pulsierenden Pfeifen wie bei einem defekten Fernseher. Dazu sind bei allem Geräuschen immer noch die Störgeräusche auf der defekten Seite da. Ganz extrem bei Geräuschen wie einem Wasserhahn, dann hört es sich an als würde ich auf der Tumor-Seite etwas hören, ein lautes Rauschen und Pfeifen, aber es kommt definitiv von der gesunden Seite rüber auf die andere. Gespräche unter mehren Personen machen keinen Spaß mehr, mein großes Hobby Musik hat sich bis auf Weiteres auch erledigt. Beides war meine größte Freizeitbeschäftigung. Meine eigene Stimme rauscht dermaßen im kaputten Ohr, dass ich nicht lauter als Zimmerlautstärke sprechen kann. Positiv: Ich kann gut schlafen, bei absoluter Ruhe verschwinden die meisten Geräusche, der Geschmackssinn hat sich nicht weiter verschlechtert sondern eher verbessert und die Narbe ist sehr gut verheilt, kann auf der Seite auch wieder problemlos liegen. Die Augen sind auch wieder deutlich besser.
Soviel von meiner Seite. Wie ihr seht, bin ich nicht zu 100% positiv auf das MHH zu sprechen, wobei das weniger mit Prof. Lenarz zu tun hat, insgesamt hat er ja gute Arbeit geleistet, wenn das "Aber" nicht wäre. Daher werde ich wohl auch keinen Bericht über den Ablauf schreiben, da ich manche Sachen vielleicht nicht ganz objektiv bewerten kann. Es sind noch andere Dinge vorgefallen, die hier aber nichts zu suchen haben, ein Beispiel gewähre ich euch aber trotzdem: Ich wurde mit Verdacht auf Herzinfarkt im Bett liegen gelassen, ohne dass ein Arzt kam. Dass der Verdacht auf Herzinfarkt überhaupt bestand, habe ich zwei Tage später von einem Assistenzarzt erfahren, der meine Werte in der Akte eingesehen hatte. Wenn jemand Fragen zum MHH hat, bitte via PN melden. Ich gebe natürlich ausführliche Rückmeldungen.
Was ich aber loben möchte: Ich hatte ein geniales Pflegepersonal auf meiner Station, das war teilweise schon ein fast freundschaftliches Verhältnis und ich wurde umsorgt wie kein Zweiter da. Danke, Mädels!
Viele Grüße
Tobi