lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

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Felipina
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lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Felipina » 07.05.2022, 07:11

Liebe Mitlesenden,

mein Resthörvermögen hat sich sehr verschlechtert, im letzten halben Jahr von mittelgradig-hochgradig, zu jetzt nahezu an Taubheit grenzend, vor allem in allen höheren Frequenzen (ab ca. 1000 Hz). Bisher reagierten HNO-Ärzte nur mit "Sie sollten doch sowieso taub sein", meine Akustikerin ist geschockt, und mein Neurochirurg meldet sich nicht. EIn HNO-Arzt fand meine Erklärung, dass das Hörgerät die vorher intakte Cochlea "schreddert" plausibel. Die Radiologen beschrieben die Kontroll-MRTs immer als unauffällig.

Ich scheue mich, diese Frage zu stellen, angesichts dessen, dass sehr viele die einseitige Taubheit früher erleben müssen.
Mein TInnitus ist natürlich auch in lauterer Umgebung, oder, wenn ich selbst spreche, deutlich laut. War das zu erwarten? Hat sonst jemand diese Erfahrung gemacht?

Trotzdem ein erholsames Wochenende,

Felipina
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Harald87
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Re: lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Harald87 » 17.05.2022, 23:24

Hallo,

was ist plötzlicher Hörverlust. Seit der Op stetig? Was hat die Chochlea mit deinem Hörgerät zu tun, wie soll sie geschreddert werden?

5 Jahre nach der Op sollte eigentlich eher Konstanz irgendwie erreicht sein. Was kaputt ist nach der Op bleibt kaputt, ansonsten ist der Nerv eigentlich entlastet, ausser er war bereits kurz vorm abnippeln oder wird gerade belastet

Wann war das letzte mrt, war es mit Kontrastmittel?

Mit freundlichen Grüßen
Harald
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Re: lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Felipina » 18.05.2022, 00:04

Lieber Harald 87,
Liebe Interessierte,

Meine OP war, (wie in der Signatur zu lesen) 2017, danach war mein Hörverlust (wofür ich sehr dankbar sein kann, daher meine Scheu, das unter einseitig oft schneller ganz Ertaubten zu fragen...) mittelgradig (ab 1000 Hz ca. 50-70dB). Daraufhin trug ich ein Hörgerät, und habe auch einseitig in leider nötiger Lautstärke mit einem Kopfhörer gehört. Drei Jahre später war ich hochgradig schwerhörig (ab 1000Hz ca. 70 dB). Daraufhin bekam ich nach mehreren erfolglosen Bitten von einem HNO-Arzt Cortisontabletten. Leider vermutlich wirkungslos.

Und zu Deiner Frage mit der Cochlea. Vor und nach der Operation wurde ja durch Tumor und OP nur der Hörnerv geschädigt. Daraufhin bekam ich ein Hörgerät, das (nur) mit hoher Lautstärke den Hörnerv anspricht. Durch diese hohe Lautstärke wird aber vielleicht die anatomisch davor liegende, vorher intakte Schnecke schwerst geschädigt.

Jetzt bin ich hochgradig bis an Taubheit grenzend (ab 1000 Hz ab ca. 90dB).

Daher meine Frage, ob jemand Ähnliches erlebt hat. Und konnte man etwas tun, oder sollte man z.B. das Hörgerät weglassen? Einerseits soll ich "den Hörnerv am Leben halten/mit Reizen versorgen", andererseits schädigt vermutlich die hohe Lautstärke die Haarzellen der Schnecke (oder sind die eh' zu nichts mehr nutze?).


Vielen Dank! für Deine Antwort und Fragen.
Darf ich fragen, wieviel Hörvermögen Du auf dem AN-Ohr hast, und, ob Du ein Hörgerät trägst? Hast Du auch eine Verschlechterung über die Jahre hinnehmen müssen?

Mit freundlichen Grüßen,
Felipina
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Re: lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Harald87 » 18.05.2022, 21:01

Ich war sofort nach OP taub.

Taubheit bei Akn ist eigentlich ein Problem des Nervs. Heißt der gibt auf. Die Op schafft Platz, aber die Schädigung ist dann halt schon da, kann durch neue Sachen oder Zeit sich verschlechtern. Cortison würde nur helfen wenn da aktuell z.b. was entzündet gewesen wäre oder das Akn wieder da wäre (aka neuer Druck). Der bereits eingetragene Nervenschaden wird, wenn nicht sofort sich wieder etwas erholt meist auch permanent.

Taubheit durch Lautstärke ist ein Absterben der Sinneszellen. Lange sehr lautes Hören, ja, kann das auch verursachen. Cortison hilft da gar nichts, es gibt da auch keine mögliche Erholung wie teilweise beim Nerv. Ob ein ständiges Hörgerät dazu beiträgt, wahrscheinlich.

An sich würde ich prüfen, ob da kein Rezidiv tobt, also Mrt mit Kontrastmittel. Das wäre mir wichtiger als etwaiges Resthörvermögen.
Wenns das nicht ist, vlt. langsam Gewöhnung starten an Taubheit.
Persönlich gesagt komme ich damit zurande, kann Autofahren etc. Das einzige ist dass ich mich bei größeren Runden taktisch am Tisch platzieren muss. Cross habe ich sein gelassen, wäre aber auch eine Möglichkeit bei dir wenn die Seite irgendwann weg ist.
Es ist auf jedenfall kein Beinbruch, wenn man es gelassen nimmt. 70 db aufwärts ist eh schon fast taub.

Mit freundlichen Grüßen
Harald
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Re: lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Felipina » 19.05.2022, 23:47

Lieber Harald 87,
vielen Dank für die ausführliche Antwort, und, dass Du Dich auch zur Innenohrschwerhörigkeit äußerst, obwohl das hier nur wenige betrifft. Ja, ich vermute/ befürchte auch, dass die Verschlechterung meines Gehörs von der nötigen Lautstärke des Hörgeräts und einem lautem Kopfhörer kam. Natürlich lasse ich auch weiterhin MRTs mit Kontrastmittel durchführen. Und vielleicht hat auch die Nervenfunktion vom durch den Tumor vorgeschädigten Nerv nachgelassen?
Auf jeden Fall:
Danke, dass Du mir Mut machst, indem Du berichtest, dass Du mit der einseitigen Taubheit zurecht kommst. Ich muss das nun mehr und mehr, auch, da ich bei der fortschreitenden Horverschlechterung wohl von normalen Hörgeräten nicht mehr viel Hilfe erwarten kann. Ich merke, dass es geht. Mir macht z.T. der Tinnitus Probleme ( wie bei vielen, glaube ich: bei lauten Geräuschen, und gegen meine eigene Stimme anbrüllend 🙃. Erinnert mich manchmal an einen trotzigen Zweijährigen, der im Mittelpunkt stehen muss.😄)
Danke für Dein Mitdenken!

Ein verfrühtes schönes Wochenende

wünscht Felipina
AN 2x1,5, OP Prof. Dr. Hopf OP 8/17, an Taubheit grenzend schwerhörig, leichte Synkinesien, Nackenschmerzen, Tinnitus
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Re: lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Harald87 » 20.05.2022, 00:01

Huhu,

es gibt die Möglichkeit eines Cross-Hörgeräts, scheinbar kommst du ja mit Hörgeräten klar bislang. Dann hast du auf der tauben Seite ein Mikro, die dort ankommenden Geräusche werden auf der anderen Seite eingespielt. Ich bin damit nicht zurande gekommen, aber testen sollte man das. Dann hat man Infos von der anderen Seite.

Ich denke man kann sich dran gewöhnen auf einer Seite nichts zu hören. Ich hatte vorher zwei Hörsturze, der eine war dann bei 50 db oder so geblieben, damit bin ich so bis zur OP rum gelaufen, danach war es halt weg.

Du hast glaube mit Schwerhörigkeit aufgrund von Sinneszellenschaden auch die Möglichkeit eines Chochlea-Implantats, wenn der Nerv an sich noch leitet.
Muss man tatsächlich einen hno anhauen.

Mit freundlichen Grüßen
Harald
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Re: lauterer Tinnitus, Hören extrem verschlechtert

Beitrag von Irbis » 21.05.2022, 12:59

Liebe Felipina

Dein Beitrag interessiert mich sehr, da ich im Moment genau dort stehe, wie du nach deiner OP: Ab 1000 bis 4000 Hz ca. 50-70 dB mittelgradige Schwerhörigkeit, ab 6000 Hz ca. 80-100 dB, also taub bei den höheren Tönen. Ich wurde 2019 von Prof. Sepehrnia operiert, der mir trotz des grossen Tumors mein Resthörvermögen erhalten hat.

Im ersten Jahr nach der OP reagierte ich hoch empfindlich auf laute Töne, was sich dann aber besserte. Da sich eine Woche nach der OP eine Fazialisparese entwickelte, vermute ich, dass dadurch auch der Stapediusmuskel beeinträchtigt war, welcher durch einen Ast des N. Facialis innerviert wird. Dies führt zu einer verstärkten Reaktion des Stapes auf Schallvibrationen und somit zu Hyperakusis. Inwieweit ich noch heute davon betroffen bin, weiss ich nicht. Beim Hörgerät ausprobieren ertrage ich jedoch auch nur einen gewissen Schallpegel, besonders bei den hohen Tönen. Dies führt dann dazu, dass ich mit HG viel weniger Sprachverständnisgewinn habe und gefühlt fast gleich viel verstehe, wie ohne. Mein rechtes Ohr liegt im Normalbereich, weshalb mir zwei Akustiker von einem Cros abrieten, da damit ein Richtungshören nicht möglich sei. Deshalb teste ich nun nur ein Hörgerät fürs linke Ohr.

Nach dem Wegzug meines Operateurs aus der Schweiz, hatte ich letztes Jahr meine erste Nachkontrolle bei Prof. Hopf, der mir dringend zu einem Hörgerät für das Richtungshören riet. Dein Operateur kann auch ich sehr empfehlen, denn er ging ausführlich auf alle meine Fragen ein.

Den Weg zum Hörgerät - Ja oder Nein? - muss ich jedoch selbst gehen. Bis jetzt bin ich recht gut ohne klargekommen, mit ähnlichen Tricks wie Harald. Festgestellt habe ich allerdings, dass das verbesserte Richtungshören mir sehr nützt als Fussgänger im Strassenverkehr und ich mich mit HG viel sicherer fühle als ohne.

Meine HNO-Ärztin müsste nun abklären, ob ich überhaupt einen Zuschuss von der Versicherung bekomme. In der Schweiz ist man vor 64 über die IV versichert und erhält bereits ab einem Gesamthörverlust von 20 % einen Zuschuss. Mit meinen 64 ½ Jahren ist jedoch nun die AHV für mich zuständig, die erst ab einem Gesamthörverlust ab 35 % bezahlt, dazu noch weniger als die IV. Mit einem normal hörenden Ohr müsste ich also mindestens 70% Hörverlust auf dem schlechten Ohr haben. Leider erfuhr ich erst durch einen Akustiker, dass ich mich noch vor 64 bei der IV hätte anmelden sollen.

Felipina, dein Input ist für mich sehr wertvoll. Bei meinem hohen einseitigen Hörverlust käme für mich laut den Akustikern nur ein Premiumgerät in Frage. Nur wegen des Richtungshörens möchte ich mir jedoch mein Restgehör nicht auch noch mit einem sehr teuren Hörgerät «schreddern». Das mag für manche komisch klingen, aber nichts ersetzt doch das normale Hörvermögen, sei es auch noch so wenig.

Meine HNO-Ärztin hat mir bei der Nachkontrolle nach der OP von einem Hörgerät eher abgeraten. Wegen der Hyperakusis? Corona bedingt bin ich seit 2019 nicht mehr bei ihr gewesen. Eine Nachkontrolle ist sicher nicht nur wegen der Kostenabklärung angezeigt. Laut Akustiker sei mein Hörvermögen aber etwa gleich geblieben, was zumindest beruhigt.

Ich werde mich nach der Kontrolle wieder melden. Felipina, ich wünsche dir viel Glück, die richtigen Ansprechpartner für dein Problem zu finden. Falls du Prof. Hopf nicht erreichen konntest, versuch es doch mal über seine Schweizer Seite. Er hat letztes Jahr mein E-Mail, das ich direkt an ihn schrieb, innerhalb von wenigen Tagen beantwortet.

https://www.hirslanden.ch/de/klinik-hir ... 53590.html

Wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Dein Humor betreffend Tinnitus bringt mich zum Lachen. Dieses fiese Kerlchen meldet sich leider auch ab und zu bei mir. Mit ihm zu sprechen, um ihn zu beruhigen, ihn manchmal mit ausschimpfen zu übertönen, das hilft bisher noch. :lol:

Liebe Grüsse aus der Schweiz,
Irbis
AN 23x23x16 mm mit Kompression des Hirnstammes und des N. Trigeminus, Totalresektion am 27.2.19 durch Prof. Sepehrnia, Klinik St. Anna, Luzern
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