Uniklinikum Freiburg i.B. Neurochirurgie

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Easy
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Uniklinikum Freiburg i.B. Neurochirurgie

Beitrag von Easy » 15.12.2021, 17:25

Nachdem mir die Berichte und Diskussionen hier im Forum bei meiner persönlichen Entscheidungsfindung geholfen haben, möchte auch ich meine Geschichte teilen. Vorausschicken möchte ich, dass ich als Produktmanager für energetisch betriebene chirurgische Instrumente schon viele Neurochirurgische Eingriffe und Resektionen an Präparaten beobachten konnte. Somit konnte ich das bevorstehende im Hinblick auf die Komplexität des Eingriffs gut einschätzen, aber gerade die post-OP Erfahrungen haben mir Mut gemacht.

Bei mir begann das Thema AKN mit einem vermeintlichen Hörsturz im Mai, als ich über Nacht auf dem einen Ohr kein Vogelgezwitscher mehr hören konnte. Ich hatte das Glück, das mein HNO, nachdem die normalen Hörsturztherapie durch intravenöse Gabe von Glukokortikoiden keine Besserung brachte, ein MRT verordnete. Der radiologische Befund zeigte dann auch deutlich eine Raumforderung die der Radiologe aufgrund Lage und Form am ehesten einem AKN zuordnete. Das war Anfang Sept.’21.
Es folgte eine nochmalige Untersuchung in der HNO der Uniklinik Freiburg und eine Besprechung meines Falls im Hirntumorboard. Aus diesem erging dann die Behandlungsempfehlungen „wait and see“, Bestrahlung oder mikrochirurgische Resektion. Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen und auch dem einen oder anderen Gespräch mit internationalen Neurochirurgen in der Vergangenheit, war für mich weder „wait and see“ noch Bestrahlung eine Option. Ich bewertete für mich die Chance auf Hörerhalt und Schonung des N. facialis am größten bei einer mikrochirurgischen Intervention.

Also stelle ich mich Anfang November zunächst in der Neurochirurgie in Freiburg vor wo ich ein sehr gutes Gespräch mit einer AKN-erfahrenen Neurochirurgin hatte. Nachdem Gespräch stand für mich eigentlich schon fest, es wird Freiburg werden. Allerdings wollte ich noch eine Zweitmeinung weshalb ich auch in der Neurochirurgie in Tübingen vorstellig werde. Dort wurde sowohl die Empfehlung für eine mikrochirurgische Resektion als auch meine Bedenken hinsichtlich eine Bestrahlung als Option bestätigt.

Einen OP-Termin in Freiburg fragte ich Mitte Nov.'21 an und erhielt auch sehr schnell einen Termin für Anfang Dez.'21. Die Phase zwischen Terminvergabe und OP-Termin war für mich, dann auch jene die am belastendsten war. Auf einmal ist da so vieles zu organisieren - sowohl im Beruf als auch Privat. Hier kann ich wirklich nur jedem den Tipp geben, so frühzeitig wie möglich eine Liste beginnen mit Dingen die noch zu regeln sind, sei es im Beruf aber auch im Privaten - ansonsten wird es wirklich sehr sehr stressig. Vor diesem Hintergrund war es für mich dann auch eine extreme Belastung, als aufgrund der durch COVID19 verursachten Belegungsraten der Intensivstationen mein OP-Termin zunehmend wackelte. Umso dankbarer bin ich dafür, dass es das Patientenmanagement in FR hinbekommen hat, dass mein OP-Termin lediglich um 5 Tage nach hinten geschoben werden musste. Ich konnte die Klinik nochmals für einige Tage verlassen aber hatte alle Voruntersuchungen hinter mir, sodass ich am Vorabend des OP-Termin wieder stationär aufgenommen wurde. Für diese tolle Organisation unter widrigsten Umständen bin ich dem Klinikteam wirklich sehr sehr dankbar.

Die OP verlief komplikationslos. Noch im Aufwachraum gab mir der Operateur ein erstes Feedback. Nach ca. 2h konnte ich bereits auf die Normalstation verlegt werden. Mir war schwindlig und ich musste auch erbrechen nachdem ich Medikamente mit etwas Wasser eingenommen hatte. Den 1. Tag post-OP hatte ich Physiotherapie im Liegen ansonsten habe ich viel geschlafen. Am 2. Tag post-OP ging es mir schon sehr viel besser, ich konnte mit dem Physiotherapeuten aufstehen und sogar selbstständig mit dem Infussionsständer als Rollatorersatz auf das WC. In der Folge wurde ich dann auch vom Blasenkatheter befreit. Am 3. Tag post-OP wurde der ZVK entfernt und von da an konnte ich mich wieder frei und selbstständig auf Station bewegen – etwas wackelig aber ich konnte normal am Tisch essen. Am 4. Tag post-OP konnte ich sogar alleine die Treppe hinunter in den Physiotherapieraum gehen und am 6. Tag post-OP war mir ein sehr ausgedehnten Spaziergang im Klinikgelände möglich. Die Entlassung erfolgte am 7. Tag post-OP. Die am Entlasstag durchgeführte HNO Untersuchung ergab leider, dass ich aktuell links komplett taub bin. Allerdings meinte die untersuchende HNO-Ärztin, dass das Rauschen was ich noch höre ein Indiz sein könnte, dass der Nerv noch aktiv ist und mit etwas Glück etwas Hörvermögen zurückkommen könnte, hier ist jetzt Geduld und ein Quäntchen Glück gefragt. Ansonsten ging es mir bereits so gut, dass ich mich traute die Heimreise mit S- und Schwarzwaldbahn anzutreten. Heute am 9. Tag post-OP habe ich immer noch leichte Kopfschmerzen, etwas Schwindel und der Nacken ist recht verspannt. Eine Reha ist aktuell nicht beantragt, diesbezglich meinte der entlassende Stationsarzt im Abschlussgespräch "eine Reha können Sie vor Weihnachten eh nicht mehr beginnen und im Januar würden Sie sich fragen was mache ich eigentlich hier?" - ich hoffe er behält recht.

Mir ist bewusst, dass noch ein gutes Wegstück vor mir liegt zu einem normalen Alltag. Selbstverständlich werde ich ein Update geben wie es mit dem Gehör weitergegangen ist.
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Re: Uniklinikum Freiburg i.B. Neurochirurgie

Beitrag von Harald87 » 16.12.2021, 00:30

Huhu,
Wurde bei dir das Thema Chochleaimplantat angesprochen? Wenn du da taub bist, der Nerv aber noch ganz kann das eine Option sein, falls das deine Kasse bezahlt. Ich hatte das damals auch selber ansprechen müssen, auch wenns dann nicht geklappt hat. Die Möglichkeit verfliegt halt wenn zu lange gewartet wird.


Ansonsten gw zum sonst ganz guten Verlauf. Klingt gut.

Mit freundlichen Grüßen
Harald
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Re: Uniklinikum Freiburg i.B. Neurochirurgie

Beitrag von Easy » 16.12.2021, 11:29

@Harald, danke für den Hinweis. Das Thema Cochlea Implantat wurde proaktiv sowohl vom Operateur als auch während der HNO-Entlassuntersuchung angesprochen, diese war Bestandteil der AkNiPro2 Studie für welche ich rekrutiert wurde. Für den Follow Up Termin in 3 Monaten steht auf dem Befund auch nochmals explizit "CI-Voruntersuchung einleiten".
Intraoperativ war der Hörnerv im Nervmonitoring noch intakt, wobei das Signal gegen Ende abgeflacht ist. Nach Einschätzung des Neurochirurgen und der HNO besteht die Chance, dass noch etwas Gehör zurückkommt, hier ist jetzt einfach Geduld gefragt.
Grüße Marcus (Easy)
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