6 Monate nach meiner OP beim Dr. Mann in Mainz möchte ich mich nun einmal wieder über meine Erlebnisse berichten. Ich habe extra so lange mit diesem Post gewartet, da ich erst einmal meine Situation "erleben" wollte, bevor ich voreilig und mit zu vielen negativen bzw. positiven Eindrücken andere Betroffene verunsichern bzw. ermuntern wollte.
Meine OP ist im grossen und ganzen gut verlaufen, meine allergrößte Befürchtung, eine Gesichtslähmung ist -und da bedanke ich mich bei allen, bei denen man sich bedanken kann, Dr.Mann, dem gesamten OP-Team, dem Nachsorgeteam, dem lieben Gott oder bei wem auch immer- ausgeblieben. Alleine diese Tatsache hat mir sehr, sehr viel Mut gemacht und mir eine unendlich schwere Last genommen. Nach der OP war ich noch eine Woche in der Klinik, habe danach aber noch über einen Monat gebraucht, mich an eine neue Lebenssituation zu gewöhnen. Über meine Gefühle/Schmerzen direkt nach der OP möchte ich nicht eingehen, weil ich daran nicht gerne zurück denke. Daher möchte ich ab da berichten, wo ich das gröbste hinter mir hatte: Das Gehen fiel mir wirklich schwer, da ich ständig das Gefühl hatte, sprichwörtlich auf "Eiern zu gehen". Besonders das Aufstehen hat mir viele Probleme bereitet. 4 Wochen nach der OP "musste" ich leider wieder arbeiten, was mir anfänglich wirklich sehr schwer fiel. Mir wurde jedoch viel Verständnis entgegen gebracht, was mir die erste Zeit sehr geholfen hat. Aber: Die Tatsache, keinen Sport treiben zu können (ich war vor der OP durchschnittlich 2-3 mal in der Woche laufen, hat mich am meisten belastet, da ich durch die fehlende sportliche Bewegung anfangs das Gefühl hatte, das es mir körperlich immer schlechter gehen würde. Ich habe mich dann Anfang Juni dazu entschieden, bei einem Bekannten im Fitness-Studio auf ein Trimmrad zu gehen. Dadurch dass ich dort meinen Kopf ruhig halten und mich gleichzeitig festhalten konnte, war ich wenigstens in der Lage, etwas Kondition aufzubauen und mein Allgemeinbefinden erheblich zu verbessern. Anfang September bin ich dann auf den Crosstrainer umgestiegen und in der letzten Woche war ich das erste mal in Begleitung wieder "draussen" unterwegs
Meine jetzigen Einschränkungen: Keine Kopfschmerzen! Kein Tinnitus! Ich habe links nur noch ein Hörvermögen von 5%. Eigentlich könnte ich auch sagen, ich höre auf dem Ohr nichts mehr. Gerade wenn man in Gesellschaft unterwegs ist und sich in Umgebungen mit viel Hintergrundgeräuschen aufhält bzw. viele Leute durcheinander quatschen, fühlt man sich teilweise ausgeschlossen, da ich wirklich nur sehr wenig mit bekomme. Ich bin dann oft abwesend und starre nur blöd in der Gegend rum. Aber meine Freunde und Bekannten kennen meine Situation und nehmen so gut es geht, Rücksicht. Ab und an bekomme ich -vorallem im Liegen(?)- einen leichten Schwindelanfall. Dies wird aber immer weniger. Ansonsten fühle ich mich -den Umständen entsprechend- gut. Mein Ehrgeiz, speziell was den Sport betrifft, hat mich schnell vorangebracht. Natürlich fühle ich mich immer noch nicht 100%ig fit, und ob das jemals der Fall sein wird, kann ich nicht sagen. Man gewöhnt sich halt auch recht schnell an die Situation und empfindet viele kleine Störungen des Kopfes/Körpers mittlerweile als Normal. Wenn ich schätzen darf, würde ich mich zur Zeit bei 75% meines ursprünglichen Leistungsvermögens einordnen. Ich hoffe natürlich, dass es noch weiter bergauf geht. Unseren geplanten Urlaub in Ägypten in den Herbstferien hatte ich ja schon kurz nach meiner Diagnose storniert, obwohl ich da z.Zt. eh nicht hinfahren würde.
LG
Michel70
