Facialisparese und Sport

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Zwän
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Facialisparese und Sport

Beitrag von Zwän » 14.08.2020, 19:50

Hat jemand einen Tipp zu Schutz des Auges bei Schwimmen und kompletter Facialisparese?
a) Ich war vor der OP und Auftreten der Facialisparese praktisch täglich im Rhein schwimmen (Kraulen, ohne Schwimmbrille). Prinzipiell funktioniert es, das offen stehende Auge mit Schwimmbrille zu schützen. Die Brille beschlägt allerdings und macht die Orientierung im Fluss schwierig. Ausserdem hilft es nur kurze Zeit, bis das Auge zu schmerzen beginnt. Kennt jemand eine Lösung für das Problem? Wasserdichte Uhrglasverbände? Wo bekommt man diese ggf?
b) Ich werde nun Urlaub am Meer machen und überlege, ob ich es riskieren soll, ohne Augenschutz im Meerwasser zu schwimmen. Nach meinem Gefühl ist die Gefahr einer Infektion des offen stehenden tränenlosen Auges gegeben, aber begrenzt. Hat jemand diesbezüglich Erfahrung?

Hat jemand einen Tipp zu Facialisparese und Sport?
Ich kann mittlerweile wieder laufen gehen und ins Fitnessstudio gehen usw. Der Uhrglasverband ist bei starkem Schwitzen unpraktish. Hat jemand eine bessere Lösung?
AN re 0,7 cm, Diagnose 2/2020 bei leichtem Schwindel, leichter intermittierender Hörminderung seit wenigen Wochen. OP 10 Tage nach Diagnose in Würzburg, seitdem re komplett taub mit leichtem Tinnitus und bisher anhaltende komplette Facialisparese
Tomopti
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Re: Facialisparese und Sport

Beitrag von Tomopti » 09.04.2021, 18:40

Hallo Zwän,
ich lese deinen Beitrag erst jetzt.
Seid gut 2 Monaten habe ich nach einer AN-Op meine Facialisparese.
Vorher war ich auch ziemlich soportlich unterwegs (Mountainbike,Rennrad, schwimmen,tauchen Motorrad, Ski) Momentan helfe ich mir mit einem Klebegewicht auf dem Auge (siehe mein Beitrag). Leichtes Fahrradfaren mit Skihelm (Klappvisier) geht auch schon.
Hast du eine Lösung für`s schwimmen gefunden? Ich hoffe dass das bei mir mit meiner Taucherbrille bald wieder geht.
Gruß
Tomopti
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Re: Facialisparese und Sport

Beitrag von ZwilliPa » 12.04.2021, 07:30

Hallo Zwän,

wie bei allen Dingen (Beruf, Alltag), so ist auch beim Sport nach meinen Erfahrungen und den Berichten in diesem Forum ganz viel von der individuellen Ausprägung (in diesem Fall der Fazialisparese) abhängig.

Ich war wegen des Auges zu Beginn aufgrund der Warnungen der Ärzte übervorsichtig. In der Rückschau hatte ich jedoch keine einzige Entzündung. Mit Salbe/Tropfen und Uhrglasverband habe ich es eher übertrieben. Mein Auge war ständig abgesoffen/verschmiert und viel zu sehr dichtgepflastert. Als erstes habe ich das Pflaster tagsüber weggelassen. Kein Problem. Beim Duschen und nachts hat es noch ein Gefühl der Sicherheit gegeben. Als ich das Gefühl hatte, mein Augenlid bleibt nachts bei Entspannung geschlossen, wenn man etwas beim Einschlafen nachhilft, fiel es auch nachts weg. Das war nach ca. 6 Monaten. Mit dem Pflaster konnte ich mit dem betroffenen Auge ohnehin nichts sehen, weil es spätestens nach 15 Minuten beschlagen war. Sport könnte ich mir damit gar nicht vorstellen.

Die Salbe war auch nicht mein Ding. Sie hat zwar geschützt, aber sehen konnte ich damit scharf überhaupt nicht. Sie hat halt wohl nur „geschützt“.

Besser waren die Tropfen. („Hylo Gel“). Zu viel hat das Auge zwar überschwemmt, aber ich konnte einen Weg damit finden, auch ohne Blinzeln einigermaßen sehend durch den Tag zu kommen.

So war es auch beim Sport. Ich bin kein Schwimmer, von daher kann ich dazu nur beitragen, dass ich meine ersten Versuche beim Wakeboard auch mit einer Schwimmbrille unternommen habe. Es gab das gleiche Ergebnis: sie beschlug schnell und war eher hinderlich. Mittlerweile kann ich sie weglassen, weil ich zwar nicht richtig blinzeln kann, aber mit einem großen Kraftaufwand das Augenlid bewusst schließen kann, was ausreicht, um mit Kontaktlinsen Wakeboard zu fahren.

Viel mehr Probleme bekomme ich immer mit einer ganz anderen Nebenwirkung: seit der OP tränt mein Auge (und meine Nase) bei körperlicher Anstrengung. Wenn es also auf das genaue Sehen auf der betroffenen Seite ankommt wie z.B. beim Badminton oder Tennis, dann gibt es Schwierigkeiten, je anstrengender es wird. Die zusätzliche Tränenflüssigkeit kann ich nicht schnell wegblinzeln und mit einem verschwommenen Auge trifft man den Ball nicht so gut ;-) Zudem muss ich mir sehr häufig die Nase putzen, was aber wenigstens nicht das Spiel beeinträchtigt.

Natürlich merke ich das Auge auch beim Fahrrad fahren. Längere Fahrten mit höherem Tempo bei viel Wind und Kälte sind keine Freude. Da muss ich zwischendurch Tropfen.

Zusätzlich sind bei mir beim „Aufwachen“ der Gesichtsnerven leider diverse Synkinesien entstanden, die nun gerne besonders bei Anstrengung die fast komplette Gesichtshälfte verkrampfen lassen. Das stört auch sehr.

Um aber kein zu sehr negatives Bild entstehen zu lassen: Ich kann die meisten sportlichen Sachen wieder so gut ausüben, dass es mir auch Spaß macht. Die gleichen Ansprüche wie vorher darf ich dabei alleine wegen des neuen Gleichgewichtsgefühls nicht ansetzen, aber ich würde schätzen, dass ich wieder bei 80-90% bin.

VG
ZwilliPa
*1972/m. AN li. 3*2,5*2 cm (T4a) 02/2019. OP 04/2019 MH Hannover. erst Fazialisparese HB VI jetzt dauerhaft IV. li. inkompletter Lidschluss beim Blinzeln. Links taub. bis 03/20 Belastungs-/Druckkopfschmerzen. Tinnitus
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Re: Facialisparese und Sport

Beitrag von Hubertus » 25.04.2021, 21:29

Hallo,
ich befinde mich auch gerade in der sportlichen "Wiedereingliederung" nach AKN-OP und vorhandener Facialisparese, aktuell Grad III-IV. Vorrangig Tennis, MTB, Joggen.
Tennis habe ich vor OP gut im bayerischen Seniorentennis mitgemischt, da wieder ran zu kommen wird schwer, aber ich habe heute wieder gespielt und es wird immer besser.
Die größte Beeinträchtigung war zunächst das Auge (postop. inkompletter Lidschluss) wg. Salbe und verschleierter Sicht. Ich habe viel Augentraining gemacht und das hat geholfen - immer wieder bewusst das Auge geschlossen, mit Finger Ober und Unterlied mitgeführt. Zunächst hat sich beim Schließen die Pupille immer nach oben gegenbewegt, dann habe ich versucht nach unten zu sehen und gleichzeitig zu schließen. Das ist immer besser geworden, bis ich das linke Auge ohne Unterstützung schließen konnte, und es auch nach Entspannung (beider Augen) geschlossen blieb, Aktuell kann ich das betroffene Auge schließen, geschlossen halten und mit Konzentration das andere Auge sogar leicht öffnen, ohne dass sich das betroffene Auge mit öffnet.
M. E. eine wichtige Sache - Training des Unterlieds, das hat mir der Physio in Bamberg gezeigt, da beim Schließen maßgeblich auch das Unterlied beteiligt ist. Die Übung - Gegenstände anvisieren wie quasi beim Schießen mit Blick durch Kimme und Korn, dazu das andere Auge abdecken. Dabei wird das Unterlied trainiert, sich gegen die Schwerkraft nach oben zu bewegen. Weitere Übungen - mit Zeige- und Daumen Lider offen halten und gegen den Widerstand versuchen das Auge zu schließen. Ausstreichen/Dehnen Unterlied nach oben, dabei Wange mit anderer Hand gegenziehen, äquivalent mit Oberlied/Augenbraue.
Bei Sport immer wieder zwischendurch das Auge bewusst schließen bzw. mit Finger nachhelfen (Ober- und Unterlied), um Verkrampfungen durch die Konzentration vorzubeugen und und das Auge feucht zu halten. Beim Tennis geht das sehr gut, beim Radfahren geht das auch, beim Schwimmen mit Brille stelle ich mir das schwer vor, schätze dass sich das Auge dabei (im offenen Zustand) schnell auch verkrampft. Habe auch das Gefühl dass das Auge bzw. das Schließen bei wärmeren Temperaturen deutlich geschmeidiger funktioniert als bei kalten so wie es letztens oft war.
Aktuell verwende ich nachts Bepanthen, tagsüber Hylo-Vision SafeDrop 0,1% mittelviskos und Hylo-Fresh geringviskos, bevor ich Tennis spiele nur geringviskos, dafür etwas öfter, damit kann ich dann gut sehen.
Ansonsten Standard-Training Facialisparese, am Anfang habe ich die ganzen Übungen vor dem Spiegel gemacht, mittlerweile mache ich sie (vor allem auch das Augentraining) während ich bei geringer Intensität mit dem Rad im Keller auf der Rolle fahre.
Weitere Einschränkungen beim Tennis, MTB etc. - die Balance und die Oszillopsie, da hilft wohl auch nur Training, Training, und Zeit ... ich habe durchaus festgestellt dass zwischendurch auch Ruhe wichtig ist.
Insgesamt bin ich überzeugt dass Sport sich nicht nachteilig auf die Facialisparese-Besserung auswirkt, eher im Gegenteil.
Immer weiter, nicht unterkriegen lassen!
Viele Grüße
Diagnose 12/2020 AKN links T3 20x20x25mm, OP 01/2021 in Bamberg, vollst. Resektion, postop. minimales Hörvermögen links, Facialisparese aktuell HB III-IV, leichter Tinnitus.
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