Akustikusneurinom - Hirntumor AN und Interessengemeinschaft IGAN

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BeitragVerfasst: 07.03.2016, 22:53 
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Registriert: 16.11.2015, 12:37
Beiträge: 2
Wohnort: Groß-Bieberau
Land: D
Geschlecht: w
Geburtsjahr: 1981
Hallo ihr lieben,

nachdem mein Tumor am 26.01.16 in Würzburg entfernt wurde bin ich nun in Reha in Bad Orb. Nach der Op habe ich Probleme mit Schwindel in alle Himmelsrichtungen.
Mittlerweile kann ich mich in geschlossenen Räumen
Sehr gut bewegen, allerdings habe ich draußen extreme Probleme. Ich kann nicht gut laufen. Alleine bisher gar nicht, da such mein Kopf manchmal selbstständig macht. Die Oberärztin meint, das wäre Kopfsache. Ich hätte wahrscheinlich Angst zu fallen. Habe ich aber nicht. Es kommt aber nur draußen. Gibt es hier eine Erklärung?
Geht es irgendjemand ähnlich?

Wäre über ein Feedback dankbar.

_________________
Helena, 34, Mama von zwei Jungs, 8 und 5, verheiratet, Wohnort bei Darmstadt.
-Taubheit im Gesicht, 2 Hörstürze, Tinitus und Hörverlust vor allem im Oberfrequenzbereich. Tumor 8 mm. -


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BeitragVerfasst: 08.03.2016, 11:56 
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Registriert: 03.07.2009, 23:15
Beiträge: 507
Wohnort: Hessen - D
Land: D
Geschlecht: m
Geburtsjahr: 1962
Liebe Helena,

Glückwunsch zur überstandenen Operation !

Schwindelsymptome nach einer AN-OP können unterschiedlich stark
auftreten. So hängt es davon ab, wie stark der Gleichgewichtsnerv
durch den Tumor bereits angegriffen war und/oder ob der Nerv im
Zuge der Tumorablösung beschädigt oder gar durchtrennt werden
musste.

Das Gehirn reagiert auf die fehlende/gestörte Übermittlung der
Nervenimpulse gewissermassen mit einem Anpassungsprogramm.
Diesen Prozess nennt man vestibulare Kompensation. Die Herausforderung
für das Gehirn liegt darin, die fehlenden Impulse der operierten Seite
mit den unverändert erhaltenen der gesunden Seite abzugleichen.
Dieser Prozess benötigt Zeit, Gewöhnung und Übung/Training und
gelingt unterschiedlich vollständig. Im Idealfall bessern sich die
Symptome soweit, dass der Schwindel keine Alltagsbeeinträchtigung
mehr darstellt.

Verheilen bedeutet in diesem Fall ein Zurückgehen der heftigsten
Beschwerden und umfasst die ersten Wochen nach der OP. Die frühe
Phase ist geprägt von einer Erholung (Schonung und Ruhe), gefolgt
von gezielten Übungen und Reizimpulsen. Diese sind wichtig, da das
Gehirn sowohl auf Reize als auch auf ausbleibende Impulse reagiert
und in einer Art Korrekturmodus arbeitet.

Typische anhaltende Herausforderungen (also langjährig begleitend)
sind Bewegungen im Dunkeln, Treppensteigen, Bewegungen mit
erhöhter Balanceanforderung (Auf- und Absteigen beim Fahrradfahren,
Kopfdrehen in der Bewegung) und generell erhöhte körperliche Anstrengung.

In der frühen Phase, in der Du dich befindest, kommt der Eigenbeobachtung
eine wichtige Rolle zu. Die Feststellung, in geschlossenen Räumen gut
zurechtzukommen, im Freien große Probleme zu haben, zeigt zunächst
einmal, dass hier einige Prozesse ablaufen.
Worin liegen die Unterschiede ?
Wie reagiert dein Körper auf Temperaturveränderungen (Kälte, Wind) ?
Alles Impulse, die aktuell viel stärkere Auswirkungen auf das arbeitende
Gehirn haben können. Hilft eine Mütze, ein Schal, lindert das heftige
Reaktionen oder macht das keinen Unterschied ?

Das Sehvermögen spielt ebenfalls mit hinein. Auch wenn keine
Fehlsichtigkeit vorliegt, können vorübergehende Beeinträchtigungen
auftreten, wie etwa Doppelbilder, Fokussierprobleme, Unschärfen.
Hobbyfotografen kennen das Prinzip der Tiefenschärfe und die
Technik des Autofokus, das Gehirn macht nichts anderes -
unter abbildungstechnisch erschwerten Bedingungen.
Also eine weitere Anstrengung, die eine Reaktion auslösen kann,
Schwindel z.B. Der Blick in die Ferne, der Horizont, verschiedene
optische Ebenen – für das Gehirn schwieriger zu verarbeiten als
statische Objekte bei unveränderten Distanzen in geschlossenen Räumen.

Und auch die „Kopfsache“ kann mit hineinspielen – die Angst zu fallen,
eine allgemeine Unsicherheit, furchtbehaftete Erwartungen. Auch damit
muss das Gehirn im Volllastmodus klar kommen, neben all den anderen
Diagnose- und Einstellarbeiten...

In der Summe alles Beeinträchtigungen, die durch aufmerksames
Beobachten und Registrieren nachvollziehbar werden. Dazu gehört
nämlich auch, Veränderungen und Fortschritte zu erkennen, was
wiederum stabilisierend und erleichternd wirken kann. Nutze die Reha
intensiv, diese 3(?) Wochen bieten sich nur einmal. Aktives Erholen im
Wechsel mit ausdauernden Übungen. In Bad Orb habe ich das
Treppenhaus als ideale Trainingsumgebung schätzen und respektieren
gelernt :wink:. Das erste „Work-out“ auf dem Weg zum Speisesaal und
den Anwendungen – anstrengend, aber so wunderbar realistisch als
Gradmesser geeignet.

Ich wünsche Dir gute Fortschritte bei Deiner Genesung.

Beste Grüße
snowdog

_________________
snowdog (Moderator seit 4.12) Jg.62,m,verh.,2 Söhne,
AN re.5x8 mm,n-c. suboccipital AN-OP in Offenbach 4.08,
postoperativ Liquorfistel,keine Fazialisparese, einseitig taub,chron.Kopfschmerzen,jährl.Kontroll-MRT f.d.ersten 5 J.


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