Akustikusneurinom - Hirntumor AN und Interessengemeinschaft IGAN

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 Betreff des Beitrags: Entscheidung für OP in Tübingen
BeitragVerfasst: 22.06.2011, 12:39 
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Liebe Forumsmitglieder,

bisher habe ich das Forum nur als Leser benutzt und bin für die vielen hilfreichen Beiträge sehr dankbar. Sie haben mich neben der guten Unterstützung durch Freunde bei meiner Entscheidung, einen Operateur zu finden, sehr geholfen. An dieser Stelle möchte ich ANFux für seinen Rat ebenfalls danken.

Im März 2011 hatte ich Ohrenschmerzen und ging mit dem Verdacht auf eine Mittelohrentzündung zum HNO-Arzt in Bad Soden am Taunus (Dr. Motzko). Seine Diagnose überraschte mich sehr. Er diagnostizierte keine Mittelohrentzündung sondern einen Hörsturz im Hochtonbereich. Es folgten mehrere Infusionen in Bad Soden am Taunus und in Berlin, die jedoch keine Besserung brachten. Mein Hörverlust beträgt seitdem ca. 20% auf dem rechten Ohr.

Mein Hausarzt in Berlin (Dr. Thomas Wünsche), dem ich sehr vertraue, überwies mich zur weiteren Behandlung zu einer HNO-Ärztin in Berlin (Dr. Gesine Schwarz). Sie beobachtete den Hörsturz und machte weitere Tests (Hörtest und Innenohrhörtest). Insbesondere der Innenohrhörtest, den ich leider arbeits- und urlaubsbedingt erst Anfang Juni machen konnte, ergab für sie keine schlüssigen Ergebnisse. Aus diesem Grund schickte sie mich zum Radiologen. Sie wollte einfach schlimmere Ursachen ausschließen, hatte aber keinen konkreten Verdacht.

Nachträglich bin ich ihr für diese Entscheidung sehr sehr dankbar, hatte ich doch anfänglich Zweifel am Sinn dieser Überweisung zum Radiologen. Er stellte fest, dass ich einen 25x23x16 mm großen Kleinhirnbrückenwinkeltumor (in- und extrameatal, homogen) habe. Ich war regelrecht geschockt, weil ich als Ursache für den Hörsturz andere Gründe vermutet habe als einen Tumor. An so etwas habe ich nie gedacht. Ich führte ihn eher auf beruflichen Stress zurück.
Hinsichtlich der Wartezeit für das MRT hatte ich zudem wirklich Glück, da jemand seinen Termin abgesagt hatte, musste ich nur eine Woche und nicht bis Ende August warten.

Mein Hausarzt und auch meine HNO-Ärztin waren nicht weniger als ich über den Befund des Radiologen überrascht. Als erste Anlaufstelle wurde ich in das St. Gertraudenkrankenhaus in Berlin überwiesen. Es hat - neben dem Bundeswehrkrankenhaus und der Charité - als einziges Berliner Krankenhaus auch eine HNO-Notaufnahme. Diese war mir bereits durch die Infusionen am Wochenende im März gut bekannt. Die Ärzte und Schwestern der HNO-Abteilung kümmerten sich wieder sehr gut um mich, sagten mir aber auch, dass das AN zu groß für eine Behandlung im HNO-Bereich wäre, weil mein Gehör noch so gut sei, dass es eher ein Fall für die Neurochirurgie wäre.

Kurze Zeit später befand ich mich in der Neurochirurgie des St. Gertraudenkrankenhauses von Chefarzt Dr. Kaminsky. Ein Oberarzt, Dr. Nagel, nahm sich sehr viel Zeit für mich und beantwortete alle meine Fragen, die sich mir so kurz nach einer derartigen Diagnose auftaten. Ich ging dann sehr beruhigt heim, entschloss mich aber, weitere Meinungen anzuhören, da mir die Gefahr einer einseitigen Taubheit oder einer Facialisparese einfach zu groß waren.

Ich machte also nach Pfingsten Termine an der Uniklinik in Tübingen, dem MHH und dem INI in Hannover. Ich wählte jeweils die Privatsprechstunde, da ich so schneller einen Termin bekam. Einen Termin in der Charité habe ich erst gar nicht in Erwägung gezogen, ich die Charité selbst durch Krankenbesuche kenne und mein Freundeskreis wie ich die Meinung vertreten, dass die Charité für so einen Eingriff nicht geeignet sei.

Bisher war ich nur in Tübingen. Prof. Dr. Tatagiba und die Crona-Klinik haben mich sehr überzeugt. Im Gegensatz zum St. Gertraudenkrankenhaus wurde ich hier viel intensiver untersucht, es wurden viel präzisere Fragen gestellt und detailliertere Antworten gegeben. Man hat gemerkt, dass die Crona-Kliniken jahrelang Erfahrung in Sachen AN haben.

Im Grunde war aber die Diagnose identisch mit den Aussagen der anderen Ärzte: AN, gutartig, zu groß für mein Alter von 33 Jahren, daher OP besser als Bestrahlung, OP binnen 6 Monaten. Zudem sei es erstaunlich, dass ich bisher nur so wenige Ausfallerscheinungen habe und dass mich meine HNO-Ärztin bereits nach nur einem Hörsturz zum MRT geschickt hat und dadurch das AN so schnell festgestellt werden konnte.

Prof. Dr. Tatagiba stellte zudem fest, dass anscheinend mein nervus facialis bereits leicht beeinträchtigt sei. Selbst hatte ich bereits festgestellt, dass mein rechtes Ohr berührungsunempfindlicher ist, zeitgleiches Berühren der Stirnhälften und der Wangen ergab jedoch ebenfalls eine leicht unterschiedliche Berührungsunempfindlichkeit im Gegensatz zur linken Seite.

Bereits jetzt habe ich mich entschlossen, die OP in Tübingen durchführen zu lassen, da eine Operation bereits in 4-6 Wochen möglich ist. Beruflich passt das sehr gut und aus gesundheitlichen Gründen will ich nicht noch mehr Zeit verlieren. Ein erneuter Hörsturz kann jederzeit auftreten. Derzeit warte ich auf den konkreten OP-Termin. Ich habe mich auch für eine Chefarztbehandlung am Tag der OP entschieden.

Den Termin am INI in Hannover habe ich bereits abgesagt, da ich diesen Termin nur gemacht hatte, falls die OP-Wartezeit in Tübingen ähnlich lang wie an der MHH ist. Eine Auseinandersetzung mit meiner GKV hätte ich dann gern in Kauf genommen, ist nach der guten Erfahrung in Tübingen nun aber obsolet. Prof. Dr. Lenarz an der MHH werde ich aber dennoch aufsuchen, um eine weitere Meinung zu hören, da ihn mein Freundeskreis sehr empfohlen hat. Die langen Wartezeiten für eine OP am MHH, schließen aber eine OP allein aus zeitlicher Sicht aus.

Im Endeffekt war es gut, zumindest eine zweite Meinung einzuholen, um eine OP-Entscheidung treffen zu können. Meine Entscheidung für Tübingen führe ich auf das umfangreichere Gespräch und auch auf mein "Bauchgefühl" zurück.

Ich hoffe, dass ich bis zur OP keinen weiteren Hörsturz bekomme und die OP gut verlaufen wird.

Viele Grüße
Enno

_________________
1977, m; Hörsturz 03/2011, rechts; Verlust hoher Töne; AKN, 9.6.11 von Dr. Schwarz, HNO, Berlin; T3 (25x23x16 mm), homogen, Kontakt zu Kleinhirn und Hirnstamm; OP Ende 07/2011 bei Prof. Dr. Tatagiba, Tübingen. 11/2011, kein Rezidiv.


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BeitragVerfasst: 23.06.2011, 23:13 
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Hallo Enno,

Du kannst Deinen Ärzten für diese schnelle Diagnostik wirklich dankbar sein, auch wenn man sich natürlich so eine Diagnose nicht wirklich herbeiwünscht. Du scheinst auf jedenfall sehr klar denkend und nicht panisch, das finde ich gut und auch der richtige Weg.
Ich habe das ganze schon hinter mir, wurde Ende Januar von Prof. Tatagiba operiert und mir geht es inzwischen wieder blendend. Ich bin mir sicher, Du hast mit Tübingen eine sehr gute Wahl getroffen, denn das Team und die Pflege ist einzigartig!
Hab Vertrauen, dass alles gut wird. Ich drücke die Daumen!
Und: vielleicht hilft Dir Ginko hochdosiert? Haben Dir das Deine Ärzte nicht empfohlen? Habe das nach meinem Hörsturz bis zur OP genommen und es ist alles gut gegangen....
Alles Gute und viel Kraft- danzatoria

_________________
27 Jahre, 1. Hörsturz 8/2010, Hörvermögen danach weitgehend normal, Zufallsdiagnose AKN rechts T3a nach MRT 9/2010, OP 27.1.2011 bei Prof. Tatagiba in Tübingen, keine Fazialisparese, keine Taubheit, Hörnerv erhalten mit geringer Hörminderung rechts


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BeitragVerfasst: 12.07.2011, 14:46 
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Liebe Forumsmitglieder,

In der Zwischenzeit habe ich einen Termin für meine OP in Tübingen bei Prof. Dr. Tatagiba erhalten. Sie ist am 27.7.11.

Ich hoffe, dass alles gut gehen wird.

Vielen Dank nochmals an danazatoria für das Treffen in der vergangenen Woche und den aufbauenden Bericht von Ihrer OP in Tübingen. :-)

Viele Grüße
Enno

_________________
1977, m; Hörsturz 03/2011, rechts; Verlust hoher Töne; AKN, 9.6.11 von Dr. Schwarz, HNO, Berlin; T3 (25x23x16 mm), homogen, Kontakt zu Kleinhirn und Hirnstamm; OP Ende 07/2011 bei Prof. Dr. Tatagiba, Tübingen. 11/2011, kein Rezidiv.


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BeitragVerfasst: 01.12.2011, 11:28 
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Liebe Forummitglieder,

ich bin neu hier. Ich hatte vor 13 Jahren ein AN als Zufassbefund. In der Uni Göttingen wurde ich von Prof. Markakis operiert. Es musste ein Rest bleiben, weil ich sonst wohl eine Fazialparese bekommen hätte. Seitdem bin ich links taub und habe mit Gleichgewichtsstörungen zu tun. Besonders nachts bzw. wenn es dunkel ist, bekomme ich Schwierigkeiten.

Jährliche Kontrollen wurden gemacht. Neulich hatte ich einen Notfall mit Schwindel, Übelkeit, Erbrechen etc. MRT-Befund: Größenzunahme.

Nun habe ich mich über unterschiedliche Methoden informiert. Cyper-Knife raten mir meine Neurologen ab. Man könne gesundes Gewebe bestrahlen, und das will man bestimmt nicht.

Dann habe ich eine Empfehlung für Prof. Tatagiba bekommen. Dort sprach ich mit Frau Daiker, sie fragte mich, ob ich in die Privatsprechstunde möchte odere in die Allgemeine Sprechstunde. Da der Professor einen guten Ruf als Operateur hat, würde ich mich gerne bei ihm vorstellen.

@Enno, Meine Frage an Dich: Bist Du Privatpatient, wenn nicht, was musstest Du als Kassenpatient dazu zahlen? Über eine Nachricht würde ich mich freuen.

Beste Grüße
HeikeHa


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BeitragVerfasst: 02.01.2012, 18:50 
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Liebe HeikeHA,

ich finde es traurig, daß keiner der Tatagiba-Patienten geantwortet hat. Deshalb ein paar magere Angaben von mir:
Die Sprechstunde bei ProfessorTatagiba kostet wohl ca. 200 Euro. Dann kannst Du immer noch entscheiden, ob Prof. Roser Dich als Kassenpatientin oder Prof. Tatagiba Dich als Privatpatientin operieren soll. Letzteres kann so. ca. 5000 bis 6000 Euro kosten. Auf die Zahlen kannst Du Dich nicht berufen!

Für uns neugierige und lernbegierige Forumsleser wäre interessant, wie groß Dein AN vor der OP war, wie groß der belassene Rest war und wie groß dieser nun ist. Und wo liegt "das Ganze"?
13 Jahre nach der OP dürfte die sog. vestibuläre Kompensation schon lange vollzogen sein, so daß die Symptome auf einen Druck auf das Kleinhirn schließen lassen. Aber das sind Vermutungen. Im MRT ist das zu sehen.

Die Begründung gegen Cyber-Knife ist nicht stichhaltig. Das gesunde Gewebe wird bei jeder Art der Bestrahlung (etwas) mit bestrahlt. Entscheidend für die Erfolgsaussischten einer Bestrahlung sind Größe und Lage. Und noch etwas: Wer akute Probleme sofort loswerden will, darf nicht auf Bestrahlung setzen. Die wirken langsam und erst nach einer Zeit. Bitte auf den Homepageseiten zur Therapie lesen.

Beste Grüße
ANFux

_________________
1939, m. '94 transtemp. OP (15 mm) in Magdeburg/Prof. Freigang, einseitig taub, kein Tinnitus, keine Fazialispar. Rehakur in Bad Gögging. '96-'04 im Vorstand d. VAN in D, seitdem Beratungen zum AN. Ab '07 Moderator, ab '08 Homepage-Verantwortl.(bis 2012)


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BeitragVerfasst: 01.02.2012, 18:08 
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Hallo HeikeHA,

um deine Frage nach den Kosten bei Prof. Tatagiba zu beantworten Folgendes:

Ich war am Montag in Tübingen zu einem Beratungsgespräch bei Prof. Tatagiba. Da ich selbst auch kein Privatpatien bin aber überlege, ob ich die Op von Prof. Tatagiba durchführen lasse, habe ich mich auch zu den anfallenden Kosten informiert.

Für die "Beratungsstunde" wurde mir gesagt, das etwa 100 - 200 € Kosten anfallen.

Des weiteren wurde mir gesagt, dass ich 3 Möglichkeiten zur OP habe:
1. Es Operiert nicht Prof. Tatagiba und die Kasse übernimmt.
2. Es Operiert Prof. Tatagiba + alle Diagnosen etc. erfolgen am Tag der OP durch Prof. Tatagiba, diesen "Tag der OP" muss man selbst zahlen, alles Weitere an den nächsten Tagen wird nicht durch Prof. Tatagiba erfolgen, diese restlichen Tage übernimmt dann die Kasse. (Das soll wohl die am häufigsten gewählte Methode sein, die auch ich momentan noch in Betracht ziehe)
3. Es Operiert Prof. Tatagiba und auch alles Weitere läuft über Prof. Tatagiba, dann muss auch alles selbst übernommen werden.

Daraufhin habe ich vereinbart, dass mir von Möglichkeit 2 (Am Tag der OP erfolgt alles durch Prof. Tatagiba) ein Kostenvoranschlag geschickt wird.
Dieser ist heute auch schon eingetroffen und sieht so aus:
Chefärztliche Leistungen (inkl. Untersuchung und Beratung) ca. 4.500 - 5.000 €
Anästhesie ca. 1.000 €
Sonstige Kosten (z. B. Labor, Pathologie, Radiologie) ca. 1.500 - 2.000 €

Hinzu kommen bei stationärer Behandlung die vom Klinikum berechnenden Kosten (DRG, Fallpauschale, nichtärztliche Wahlleistungen, etc.)

So, nun hoffe ich das ich dir (oder auch anderen) ein bisschen weitergeholfen habe. Solltest du noch Fragen haben kannst du dich gerne bei mir melden :-)

Liebe Grüße
nati

_________________
2009 1. MRT - keine Diagnose
2011 2. MRT - Diagnose AN rechts 16x12 mm / leichter Schwindel
2012 OP in Würzburg / Resttumor / re. Ohr hört ab 60 db / leichter Tinitus / keine Fazialisparese / leichter Schwindel


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BeitragVerfasst: 03.02.2012, 01:05 
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Liebe Forumsmitglieder,

nach langer Zeit möchte ich nun doch meinen Krankheitsverlauf schildern. Es war gar nicht so einfach mit allem klar zu kommen und ich hatte zum Jahresende ein "emotionales Tief". Im Jahresrückblick war 2011 bei weitem nicht so gelaufen wie geplant. Im Endeffekt war das vergangene Jahr doch wirklich gut verlaufen. Viele Freunde und Bekannte haben mir dabei geholfen, die OP durchzustehen und wieder gesund zu werden.

Wie bereits berichtet, hatte ich Ende Juli 2011 meine OP bei Prof. Dr. Tatagiba.

Am Aufnahmetag durchlief ich das ganze Programm der Voruntersuchungen und ich war den ganzen Tag beschäftigt. Einen kleinen Schreck gab es bei der Herzuntersuchung. Es wurde ein Loch in der Herzwand festgestellt. Damit war die OP nicht mehr so einfach, weil mögliche Luftbläschen durch das Loch in der Herzwand sofort wieder ins Gehirn wandern kann. Derartige OPs wurden in der Neurochirurgie aber bereits öfter durchgeführt und ich stimmte der OP weiterhin zu. Die Aufklärung über die möglichen Risiken war wirklich gut. Alle meine Fragen wurden gut beantwortet. Jeder Arzt/Jede Ärztin nahm sich viel Zeit für mich.

Am Vorabend der OP war ich dann doch etwas aufgeregt und konnte nicht gut schlafen. Ich wusste aber, dass ich in guten Händen bin und ich mit meiner Entscheidung für eine OP bei Prof. Dr. Tatagiba die richtige Entscheidung getroffen habe. Aufregung war zu diesem Zeitpunkt also völlig fehl am Platz. Es galt, entspannt in die OP zu gehen. Ich wurde morgens also frisch geduscht abgeholt und hatte sogar noch ein sehr nettes Gespräch mit dem Narkosearzt und der Narkoseschwester.

Die OP dauerte 5 Stunden und verlief insgesamt gut. Leider war mein AKN sehr hart und der Hörnerv konnte nicht freigelegt werden, so dass das umwachsene Stück entfernt werden musste. Prof. Dr. Tatagiba war nach der OP sofort bei mir auf der Intensivstation und kontrollierte wie es mir ging. Er sagte mir, dass die OP schwerer als gedacht war. Einerseits war der Gesichtsnerv durch das AKN schon angegriffen und andererseits, dass der Hörnerv durchtrennt bzw. zum Teil entfernt werden musste. Glücklicherweise konnte ich mein Gesicht zu fast 100 Prozent bewegen. Der Hörverlust war für mich in dieser Zeit eher nebensächlich. Viel wichtiger war mir der Erhalt des Gesichtsnerven. Ich war aber immer noch sehr benommen und schlief wieder ein. Insgesamt habe ich die Narkose gut überstanden. Mir war nur ein oder zweimal übel. Die Intensivstation ist aber kein Ort, um sich auszuruhen. Überall piepte es und richtig tiefer Schlaf war nicht möglich.

Am nächsten Tag war ich nachmittags schon wieder auf der Normalstation und es ging mir täglich besser. Zwei Tage später konnte der Druckverband entfernt werden. Die Narbe tat zwar noch weh und ich konnte ca. 2-3 Wochen nicht auf der OP-Seite schlafen. Sie war aber trocken und verheilte sehr gut. Nach 3 Tagen konnte ich schon mit Hilfe aufstehen und langsam laufen. Mein Gleichgewicht stabilisierte sich wirklich schnell. Problematisch war, dass mein Nacken stark schmerzte und ich den Kopf beim Aufsetzen kaum allein anheben konnte. Mit ein wenig Hilfe mit meiner Hand, um die Muskulatur zu unterstützen, ging es aber sehr gut.

Ich muss sagen, dass mir die Tage nach der OP so vorkamen als ob mein ganzes System mit der OP "neu gebootet" und die Megahertzzahl von Tag zu Tag höher gefahren wurde. So konnte ich nach einer Woche bereits entlassen werden. Mir ging es soweit gut. Ich war zwar langsam zu Fuss und alles ging noch langsam, aber mir ging es besser als erwartet.

Das ganze Team in der Station 26 war sehr freundlich. Das Essen war gut. Es war bisher mein "bester Krankenhausaufenthalt". Bisher musste ich wegen Blindarm, Mandeln, Lungenentzündung und kleinen anderen Operationen im Krankenhaus sein. Tübingen war klar auf Platz 1 im Ranking. Beeindruckend fand ich, dass Prof. Dr. Tatagiba sehr oft auf der Station zu sehen war und sich Zeit für Fragen nahm.

Leider begann meine Reha in der Schmieder Klinik in Konstanz erst einen Tag später, so dass ich noch eine Nacht im Hotel verbringen musste. Eine Heimfahrt nach Berlin bzw. Bad Soden am Taunus wäre viel zu aufwendig gewesen. Die Nacht im Hotel war einfach nur schrecklich, da es doch ungewohnt und anstrengend war, in einem Hotelbett nach der OP zu schlafen.

Am kommenden Tag wurde ich sehr freundlich in Kontanz empfangen. Ich bekam sogar ein Zimmer mit Blick auf den Bodensee. Meinen Rehaaufenthalt werde ich später in der entsprechenden Rubrik noch einmal ausführlicher schildern.

Prof. Dr. Tatagiba hatte mir bei der Entlassung gesagt, dass ich
mich die kommenden Wochen schonen sollte, bei der Therapieplanung in der Reha-Klinik sollte ich aber schon am dritten Tag bei der Fitness-Gruppe mitmachen.

Im Endeffekt war das wohl zu viel für mich gewesen. Es ging zwar im normalen Gehtempo einmal um die Klinik, danach war ich ganz schön fertig. Es war aber machbar. Ich fühlte mich nicht überanstrengt. Nach zwei Tagen bemerkte ich aber, dass ich immer mehr Wassertropfen an der Nasenspitze hatte. Insbesondere, wenn ich mich nach vorn überbeuge. Es kann schon sein, dass ich diese Tropfen einige Tage länger hatte, ich ihnen aber keine Beachtung schenkte, weil ich auch früher immer mal wieder eine "feuchte Nase" hatte und ich keinen Zusammenhang zur OP sah. Tatsächlich tropfte mir aber Hirnwasser aus der Nase. Es hatte sich eine Liquorfistel gebildet. Aufmerksam wurde ich erst darauf, weil ich praktisch über Nacht meine rechte Gesichtshälfte (OP-Seite) nicht mehr bewegen konnte. Es tat nichts weh, aber ich konnte das Auge kaum schließen, die Lippen nicht bewegen oder irgend etwas anderes mit der Gesichtshälfte machen. Die Ärztin untersuchte die Tropfen an der Nase mit einem Zuckermessgerät. Es zeigte an, dass die Tropfen zuckerhaltig waren. Es handelte sich also um Hirnwasser.

Jetzt war Eile geboten. Der Anfangsverdacht eines Schlaganfalls bestätigte sich glücklicherweise nach einer CT-Untersuchung nicht. Ich musste aber wieder zurück in die Neurochirugie nach Tübingen. Das Loch in der Hirnhaut musste verschlossen werden. An diesem Punkt zahlte sich meine Planung aus, die Reha weitestgehend in der Nähe der Uniklinik zu machen, um im Ernstfall wieder dorthin zu kommen und weiterbehandelt zu werden.

Diese sah dann so aus, dass ich eine Lymbaldrainage bekam. Dabei wird ein kleiner Schlauch durch den Spiralkanal in das Rückenmark eingebracht und das Hirnwasser durch diesen kleinen Schlauch abgeleitet. Eine wirklich schmerzhafte Prozedur, weil dadurch im Hirn Unterdruck erzeugt wird, damit sich die Hirnhaut zusammenzieht und besser zusammenwachsen kann. Ich musste insgesamt etwas mehr als eine Woche in der Klinik bleiben. Dies war insgesamt schlimmer als die Woche nach der OP selbst. So hatte mich die Station 26 wieder. Ich kannte aber bereits viele der Ärzte und Ärztinnen, Schwestern und Pfleger.

Die Gesichtsparese stand aber nicht wirklich im Zusammenhang mit der Liquorfistel. Die Ursache war anscheinend eine Infektion des Gesichtsnerven. Diese wurde entweder durch ein Gerstenkorn, dass ich nach der OP am rechten Auge (OP-Seite) hatte, oder durch eine Herpesinfektion verursacht. Anfangs nahm man an, dass es mehrere Monate dauern würde, bis alles wieder okay ist. Aber schon nach 6 Tagen zuckte mein rechter Mundwinkel und alle paar Tage konnte ich mehr bewegen. Ich war so unendlich dankbar, dass alles wieder besser wurde.

Prof. Dr. Tatagiba sagte mir, dass so etwas passieren kann. Es war wohl, weil ich nach der OP schon zu viel gemacht habe. Sein Team kümmerte sich wirklich sehr gut um mich. Deratige Komplikationen kommen bei ca. 5 Prozent der OPs vor.

Danach ging es wieder zurück zur Reha. Diesmal wurde ich wie ein rohes Ei behandelt und es ging mir von Woche zu Woche immer besser. Die Ärzte und Therapeuten in der Schmieder-Klinik sagten mir zu meinem Erstaunen, dass alle Patienten, die von Prof. Dr. Tatagiba und über die Jahre bei ihnen in der Klinik waren, sich sehr schnell erholt haben und kaum durch die OP beeinträchtigt waren. Andere Patienten, die aus anderen Kliniken mit AKN-OPs in der gleichen Reha-Klinik waren, waren erstaunt, dass ich nach nur einer Woche bzw. zwei Wochen nach der OP schon so gut gehen konnte und es mir gut ging. Sie hatten Monate damit zu tun, das Gleichgewicht zu halten etc. Meine Entscheidung, mich von Prof. Dr. Tatagiba operieren zu lassen, war also mehr als nur richtig.

Im Rückblick hat mich mein AKN 3 Monate Zeit gekostet, die ich nicht an meiner Dissertation arbeiten konnte und natürlich mein rechtes Gehör. Da ich anfangs noch ca. 85 Prozent hören konnte und nach der OP nichts mehr, war die Umstellung von stereo auf mono doch sehr schwer. Mit der Zeit hat mein Gehirn aber gelernt, damit umzugehen. Richtungshören kann ich jetzt mitteln Lautstärke lokalisieren. Bei Partys ist es aber immer noch schwer, sich zu unterhalten. Meine Narbe hinter dem rechten Ohr sieht man fast gar nicht mehr. Sie ist sehr gut verheilt.

Ich bin sehr sehr dankbar, dass alles so gut verlaufen ist. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das AKN nicht per Zufall gefunden worden und so gut entfernt worden wäre.

Ich stehen gern für Rückfragen zur Verfügung. Die Benachrichtungen über das Forum kommen nicht immer wegen meinem Spamschutz an. Bitte sendet mir eine Nachricht an meine Emailadresse enno1007@gmx.de. Diese kommen auf jeden Fall an.

Viele Grüße
Enno

_________________
1977, m; Hörsturz 03/2011, rechts; Verlust hoher Töne; AKN, 9.6.11 von Dr. Schwarz, HNO, Berlin; T3 (25x23x16 mm), homogen, Kontakt zu Kleinhirn und Hirnstamm; OP Ende 07/2011 bei Prof. Dr. Tatagiba, Tübingen. 11/2011, kein Rezidiv.


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BeitragVerfasst: 07.02.2012, 12:05 
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Lieber Enno,

Dein Bericht ist sehr interessant. Du hast Dinge erlebt, die nicht oft vorkommen, aber die eben vorkommen können. Vor allem hast Du alles gut geschildert. Und noch wichtiger: Alles verlief letztendlich gut. Der unvermeidlich Hörverlust widerspricht dem nicht.

Mich drängt es, lediglich eines hervorzuheben:
Schonzeit nach der Operation !!!
Auch bzw. gerade dann, wenn man glaubt, alles sei wieder i.O., es gibt keine großen Beschwerden, man hat es gepackt.

Mein Operateur, Prof. Freigang, hat mich damals sehr eindringlich vor jeder Überlastung gewarnt und keinen Zweifel daran gelassen, daß auch "lange" nach der OP noch etwas passieren kann, also Fazilasparese, Tinnitus, Liquorleck.

Du wirst es ganz sicher lernen, mit einem Ohr gut zu leben, ich meine natürlich mit einseitigem Hörvermögen. Im Forum steht einiges dazu. Man muß eine Balance finden zwischen vernünftiger Belastung, um sich nicht zu isolieren, und zwischen Schonung bzw. Erholungsphasen. Und in unserer (zu!) lauten Zeit tut ein Gang zurück in diesem Punkt ohnehin dem gesamten Körper gut.

Weiterhin alles Gute und beste Grüße
ANFux

_________________
1939, m. '94 transtemp. OP (15 mm) in Magdeburg/Prof. Freigang, einseitig taub, kein Tinnitus, keine Fazialispar. Rehakur in Bad Gögging. '96-'04 im Vorstand d. VAN in D, seitdem Beratungen zum AN. Ab '07 Moderator, ab '08 Homepage-Verantwortl.(bis 2012)


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