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 Betreff des Beitrags: Tumorgröße richtig einschätzen!
BeitragVerfasst: 04.01.2008, 10:58 
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Tumorgröße richtig einschätzen!

Leider und unverständlicherweise gibt es immer noch kein einheitliches, verbindliches Verfahren zur Bestimmung und Bezeichnung der Tumorgröße. Nur selten wird sie in Kubik-cm (ccm) oder Kubik-mm (cmm) angegeben, manchmal werden zwei Längenangaben für zwei Achsen verwandt, meist jedoch nur eine Längenangabe in cm oder mm. Und das für ein Gebilde, das ja eindeutig ein Körper mit einem Volumen ist! Das hat Folgen. Das führt zu einer nicht realistischen Charakterisierung des Tumors, denn neben seiner Lage ist dessen Größe ein wesentliches Merkmal. Die potentiellen Gefahren des Tumors werden durch so eine Benennung verniedlicht, notwendige Entscheidungen evtl. hinausgeschoben. Die Folgen dieser Fehlaussage potenzieren sich im wahrsten Sinne des Wortes, so wie eine lineare Streckenangabe sich in eine dreidimensionale Volumenangabe potenziert.

Ein fiktives Beispiel soll dies verdeutlichen. Ein AN wird entdeckt. Es sei anfangs nur stecknadelkopfgroßes (das ist ein mittlerer Durchmesser von max. 2 mm). Wächst das AN, so dass der mittlere Durchmesser 6 mm beträgt, wird meist oberflächlich gesagt, dass der Tumor um 4 mm gewachsen sei, oder „von 2 auf 6 mm, „auf das Dreifache“. Würde man den Tumor als Fläche (annähernd als Kreis) betrachten, würde man schon sagen müssen, dass sich der Tumor von rd. 4 qmm auf rd. 27 qmm vergrößert habe, also auf das „Neunfache“. Das klingt schon alarmierender. Denkt man sich den Tumor aber annähernd als Kugel, wächst das Volumen von rd. 4 cmm auf rd. 110 cmm, also auf das 27-Fache. Das ist dann wohl echt alarmierend.

Nur spricht fast niemand so über einen Tumor. Man verdeutlicht sich nicht immer das wahre Ausmaß. Und verniedlicht so die Gefahr, denn in unserem Köpfen ist auf Dauer kein Platz für so einen Fremdkörper! Und wenn der sich Platz verschafft, hat das Folgen. So wie bei Max (siehe dessen Beitrag in der Rubrik „Entscheidung Operation oder ...“?), dessen Tumor sich innerhalb von zweieinhalb Jahren bei regelmäßiger Beobachtung von Stecknadelkopfgröße (rd. 2 mm) auf 2,4 cm entwickeln konnte. Oberflächlich ausgedrückt, ist der Tumor auf das Zwölffache gewachsen. Aber: In Wahrheit ist das (bei Annahme einer annähernd kugeligen Gestalt) eine Volumenzunahme von rd. 4 cmm auf sage und schreibe rd. 7200 cmm (in Worten: siebentausenzweihundert), also auf das 1800-Fache!!! Wen wundert es da noch, dass sich bei Max eine Fazialisparese einstellte? Wundern muß man sich aber vor allem über die Ärzte, die diese Entwicklung sahen und Max nicht von der Notwendigkeit einer Therapie überzeugten, denn nach seiner Schilderung drängte er selbst dann auf eine OP.

Es klingt vielleicht schulmeisterlich, aber ist hilfreich: Man male sich einmal die entsprechenden Flächen als Quadrat oder Kreis auf ein Blatt Papier, um sich deutlich zu machen, was da passiert. Wer will, kann sich die fiktiven Tumore auch aus Teig oder Plastik formen, um eine Vorstellung von dem Platzbedarf zu bekommen.

Die Tatsache, dass bei Max trotz dieses enormen Größenzuwachses vor der OP noch keine Fazialisbeschwerden aufgetreten waren, spricht nicht für Warten und gegen eine OP! Im Gegensatz zum überaus empfindlichen Hörnerven ist der Fazialisnerv vergleichsweise robust und verträgt eine ganze Weile eine Menge Druck. Der Hörnerv reagiert auf direkten Druck auf ihn mit schleichender Hörminderung und auf Druck auf seine blutversorgenden Gefäße mit Hörstürzen. Der Fazialisnerv wird aber bei einer bestimmten Tumorgröße stark gequetscht, aufgefächert, vielfach vom AN umflossen, so dass die Abschälung des ANs sehr aufwendig und gefährlich ist. Die Erfolgaussichten für einen Erhalt des Fazialisnerven und seiner Funktion sinken also mit einem großen, lange wirkenden Tumor drastisch. Das sollt bei einer Entscheidung zum „Warten unter Beobachtung“ stets beachtet werden. Bei dieser Entscheidung sollte nicht nur oder nicht vordergründig an den Hörerhalt gedacht werden. Der Erhalt der Funktionen des Fazialisnerven sind m.E. das höherwertige Ziel.

Eine sorgsame Sprachregelung tut Not. Sie muß Bestandteil des Dialogs zwischen Arzt und Patient sein.

ANFux

_________________
1939, m. '94 transtemp. OP (15 mm) in Magdeburg/Prof. Freigang, einseitig taub, kein Tinnitus, keine Fazialispar. Rehakur in Bad Gögging. '96-'04 im Vorstand d. VAN in D, seitdem Beratungen zum AN. Ab '07 Moderator, ab '08 Homepage-Verantwortl.(bis 2012)


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