AHB in Marcus-Klinik, Bad Driburg
Liebe Forumsleser,
anbei mein Bericht über meine 4-wöchige Anschlußheilbehandlung (AHB) in der Marcus-Klinik in Bad Driburg nach meiner Akustikusneurinom - Operation.
Die Marcusklinik in Bad Driburg war meine REHA-Wunschklinik. Wir hatten uns schon vor der OP diverse in Frage kommende Kliniken mit Neurologie und Orthopädie im Internet angeschaut, die Therapiemöglichkeiten studiert und auch Patientenbewertungen gelesen.
Letztendlich haben wir uns die Marcusklinik in Bad Driburg als Wunschklinik ausgesucht. Gründe waren u.a.
- überwiegend gute Patientenbewertungen
- Therapieangebot sehr vielfältig
- überwiegend Einzelzimmer
- Begleitperson möglich (Unterbringung in einem der wenigen Doppelzimmer incl. Vollpension für 41,-€ pro Tag)
- Lage direkt am 65 ha großen und wunderschönen gräflichen Park
Nach meiner Operation in Tübingen hatte der dortige Sozialdienst direkt mit der Marcusklinik Kontakt aufgenommen und mich dort für den 10. August (incl. Begleitperson) angemeldet.
Normalerweise heißt es ja, daß eine AHB spätestens 2 Wochen nach der Entlassung aus der OP-Klinik angetreten werden muß. Aber es scheint da auch gewisse Ausnahmen für längere Übergangszeiten zu geben.
Als ich dann, nach einer nochmaligen Verschiebung des Aufnahmetermins durch die Marcusklinik, am 13. August meine Maßnahme dort angetreten habe, wurde diese weiterhin als AHB geführt. Soviel zu den Übergangsfristen.
Nach unserer freundlichen Aufnahme und der Unterbringung in einem sehr schönen Zimmer (Schnitt und Ausstattung wie ein Hotelzimmer, statt des üblicherweise vorhandenen Balkons hatten wir eine sehr schöne Loggia) wurde ich einer ärztlichen Eingangsuntersuchung unterzogen. Die Therapien wurden dabei auf meine Haupt-Problemfelder Gleichgewichtsstörungen und Facialisparese zugeschnitten.
Zur Behandlung von Gleichgewichtsstörungen existieren dort verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus. Je nach persönlichem Befinden und Leistungsvermögen wird man in diese Gruppen eingeteilt. Ein Wechsel in eine anspruchsvollere Gruppe ist jederzeit nach Rücksprache mit seinem persönlichen Physiotherapeuten oder dem Arzt möglich.
Meinen Therapieplan mit den täglichen Anwendungen füge ich zur Information als Anhang bei.
Im Schnitt hat man 3-4 Anwendungen täglich, die in einem Wochenplan aufgelistet sind. Bei Änderungen erhält man auch unter der Woche neue Pläne.
Zusätzlich kann man auch persönliche Wünsche für bestimmte (zusätzliche) Therapien äußern. So erhielt ich z.B. TaiChi, Feldenkrais und einige Osteopathie-Anwendungen.
Zur Erläuterung der einzelnen Therapien folgende Informationen:

Krankengymnastik Einzeltherapie
Dieser Physiotherapeut ist neben den Ärzten die wichtigste und einflussreichste Person. Er kann Einstufungen ändern und auch neue Therapien veranlassen. In meinem Falle eine sehr kompetente Frau die mich gründlichst untersuchte und dann als erstes meine Einschänkungen im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule behob.
In diesem Bereich fühlte ich mich sehr gut behandelt und betreut.

Gleichgewicht Wasser
Hier wird im Bewegungsbad in einer Gruppentherapie durch verschiedenste Übungen das Gleichgewicht trainiert

Koordinationstraining I und II
Diese Gruppentherapie ist aus meiner Sicht ebenfalls eine sehr effektive Methode gewesen das Gleichgewicht und die Koordination zu trainieren. Auch hier wurden mittels verschiedenster Übungen und ausreichend vorhandener Hilfsmittel (allein, zu zweit, als gesamte Gruppe) die persönlichen Möglichkeiten voll in Anspruch genommen.
Für mich ebenfalls prima Übungen die zudem noch sehr viel Spaß gemacht haben.

Logopädie
Hier wurde in Einzelübungen meine Facialisparese behandelt. Anfangs nach der bereits zu Hause bewährten Methode PNF mit Eis und später mit gezielten Übungen für meine noch Problemfelder Auge und Mund.
Das Auge schließt mittlerweile wieder vollständig und auch die Mundpartie hat sich weiter verbessert.

Psychologie
Hier musste ich hauptsächlich erscheinen um meine Reaktionsfähigkeit und Aufnahmefähigkeit unter Beweis zu stellen. Dies im Zusammenhang mit meiner Fahrtüchtigkeit für mein Auto. Die Ärzte hatten mich dahingehend informiert, daß man nach einer solchen Hirn-OP frühestens nach 3 Monaten wieder Autofahren darf. Ausnahmen könnten nur gemacht werden wenn man neurologisch o.k. ist und diese Tests besteht.
Bei mir waren alle Werte normgerecht und so darf ich wohl seit meiner Entlassung wieder autofahren. Schriftlich soll dies allerdings erst im endgültigen Entlassungsbericht vermerkt sein, den ich innerhalb von 2 Wo erhalten soll.

Sozialdienst
Auch hier traf ich auf sehr kompetente Mitarbeiter, die für mich alle Anträge auf Übergangsgeld und für meine stufenweise Wiedereingliederung ab dem 23.09.09 ausgefüllt und verschickt haben.
Auch das Stationspersonal und die Damen und Herren im Speisesaal waren sehr hilfsbereit und freundlich.
Das Essen war gut, reichhaltig und sehr vielfältig.
Morgens und Abends gab es jeweils vom Buffet, Mittags konnte ich mir unter vier Gerichten eins aussuchen und auch die gewünschte Portionsgröße konnte man noch wählen.
Ausstattung und Lage der Klinik an dem bereits erwähnten 65 ha großen Park sind gut und haben ebenfalls zu meinem Erholungserfolg beigetragen.
Ich habe mich in dieser Klinik sehr wohl gefühlt und meine Genesung hat durch die beschriebenen Therapien weitere Fortschritte gemacht.
Ich kann daher nur jedem empfehlen sich nach einer Akustikusneurinom - Operation ebenfalls um eine entsprechende AHB/REHA-Maßnahme zu bemühen.
Liebe Grüße
Paulchen