Bittere Erfahrungen mit großen Lautstärken
Für mich hat Musik schon immer sehr viel bedeutet, das hat sich leider ein wenig geändert (mir kommen glatt die Tränen beim tippen).
Hab immer viel Musik gehört, unterwegs im Walkman, zu Hause, Konzerte, Disko, hab auf Partys öfter den DJ gespielt. Geht alles nicht mehr.
Historie:
Vor 10 Jahren bin ich wegen 'nem "Disko"Tinnitus gleich in selbst in die Klinik. Nach 8 Tagen Infusionstherapie (ohne Besserung) dann MRT:
AKN links, schon eher groß (2.5x1.5 cm), OP in den nächsten 3 Monaten angeraten.
Nach der Op: links taub, Facialisparese, Gleichgewicht links weg.
Tinnitus war subjektiv lauter, da dieser wegen der Taubheit nun nicht mehr von anderen Geräuschen übertönt (man spricht da von maskieren) wird.
Die Ärzte meinten zum Tinnitus "irgnorieren", "damit leben" etc.
Der Tinnitus ging dann mit der Zeit (ca. 3 Jahre) weg, er war auch nicht sehr laut, (ein leises Summen, etwa wie eine Stechmücke am Ohr).
Ich war dann dummerweise mal wieder (vor allem zu lange, da ich den Tinnitus ignoriert habe) in einer Disko, auf einem Konzert, im Auto laut Musik gehört, meinen Geburtstag in einer Kneipe gefeiert.
Das waren die 4 Ereignisse, die ich bis heute sehr bereue. Der Tinnitus kam wieder, wurde jedesmal lauter und blieb.
Wieder mal 'ne Infusionstherapie und wieder ohne Änderung.
Selbst das Umblättern einer Zeitung nervte mich. Jedes Geräusch war wie ein Stich, der den Tinnitus verstärkt hat.
Musik hören also nur ganz, ganz leise - grad so noch hörbar, sowie ganz safte Klänge, wo ich sonst immer gerne Gitarren und eher stressige und anstrengende Musik gehört habe.
Seit über 5 Jahren hab ich nun den Tinnitus, anfangs hab ich z.B. nur mit Ohrstöspel geduscht.
Inzwischen kann ich wieder normal Musik hören. Konzerte, Disko, laute Kneipen nach wie vor nicht, nur ausnahmsweise mal, und dann aber den Stöpsel ganz fest ins Ohr.
MEIN TIP AN ALLE:
wer einen leichten Tinnitus hat oder hatte und einseitig taub ist oder eine Hörminderung hat: NIE WIEDER OHNE HÖRSCHUTZ laute Musik hören (oder sich anderen lauten Umgebungen aussetzen), schon gar nicht, wenn man über 25 ist.
Einfache Oropax (die mit Wachs) reichen völlig, auf Dauer verschmalzt das Ohr aber. Silikon-Ohrstöspel gibt es z.B. im Hörgeräteladen, ungefähr zw. 40 und 100 Euro - mit verschiedenen Dämpfungsgraden und -kurven, Filtern. Kann ich nur empfehlen. Es wird ein Abdruck vom Ohr genommen, so das diese Stöpsel perfekt passen.
Meine Empfehlung, wenn auf dem tauben oder schwerhörigem Ohr ein Tinnitus auftaucht:
die laute Umgebung (oder die Umgebung mit vielen Geräuschen) sofort verlassen, krankschreiben lassen, sowie Infusionstherapie starten (auch wenn diese inzwischen umstritten ist und ich glaub auch nicht mehr gezahlt wird) oder auf Kur gehen oder Urlaub nehmen. Auf alle Fälle sehr ruhig gestalten, kein Stress, keine geräuschvolle Umgebung. Wenn ambulate Infusionstherapie, dann trotzem komplett krankschreiben lassen und nicht danach in die Arbeit. Die Ruhe ist meiner Meinung nach wichtig.
Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung sagen: was sind 2 Wochen "ruhiggestellt" (auch wenn die Arbeit noch so wichtig scheint) gegen x Jahre Tinnitus.
Zum Richtungshören mit nur einem Ohr:
Das ist durchaus möglich. Ich habe dazu bereits unter dem Theman "Richtungshören mit nur einem Ohr " (
http://www.akustikusneurinom.info/forum ... -t293.html) genaueres geschrieben.
Bei mir hat es ca 2 Jahre nach der OP gedauert, bis ich wieder "voll rundum" gehört habe (auch wenn nach links natürlich lange nicht so gut und je nach Umgebungsgeräuschen).
Die Dauer hängt aber sicher davon ab wie groß die Hörminderung vor der OP ist und wie gut ausgebildet das Richtungshören der Person ist. Ist bereits vor der OP eine Hörminderung vorhanden, so hat sich das Gehör (damit meine ich hier nicht das Ohr, sondern den signalverarbeitenden Teil im Gehirn, der auch zum Gehör zählt) bereits ein wenig daran gewöhnt.
Richtungshören kann man auch trainieren. Am besten mit gut bekannter Musik, mit guten Aufnahmen und einer guten Anlage.
Aber auch im Alltag kann man versuchen bekannte Geräusche zu orten, dann mit den Augen zu erfassen und dann sowohl mit den Augen und Ohren dem Geräusch folgen. Das Richtungshören wird durchaus durch die Augen beeinflusst, wenn auch recht gering. Es ist auf alle Fälle ganz wichtig zu sehen wo das Geräusch herkommt, um dem Gehirn die Richtung klarzumachen und somit zu trainieren.
Es sind aber dabei keine großen Sprünge zu erwarten, das Hören entwickelt sich ja sehr früh (viel früher als das Sehen), aber bei mir hat sich das Richtungshören durchaus im Laufe der Jahre verbessert.
ChrisG