2 Monate nach Akustikusneurinom-Operation wieder fit
Hallo zusammen,
ich denke es ist mal wieder Zeit für einen positiven Bericht.
Vor genau 2 Monaten wurde ich in Tübingen erfolgreich operiert, nach 8 Tagen Klinikaufenthalt eine Woche zu Hause und danach 10 Tage Reha - der Rest Erholung mit Urlaub und viel Sport. Heute bin ich bis auf das Gehör wieder absolut fit und seit gestern auch wieder voll arbeitsfähig.
Nach diesem, für mich Supererfolg möchte ich Euch gerne das eine oder andere weitergeben das mir geholfen hat.
Alles begann mit der Vorbereitung, ich habe soviel an Informationen gesammelt wie irgendwie möglich und mich ganz bewust mit meinem Tumor beschäftigt ohne aber in Selbstmitleid zu verfallen.
So ca. 2 Monate vor der Opertaion habe ich meine sportlichen Aktivitäten bewusst erhöht und täglich Sport getrieben (Squash, Velofahren, Segeln etc.) mit dem Ziel am OP-Termin möglichst fit zu sein. Beruflich habe ich in der Zeit ganz leicht (ca. 10 - 20%) reduziert um den psychischen Stress etwas auszugleichen.
Die OP selbst war dann sehr viel länger als geplant, da der Tumor stark verhärtet war. Anschliessen 1 Tag Intensivstation, am 4. Tag das erste mal aus dem Bett (nur wenige Meter), am 5. Tag (auf Anweisung von Prof. Tatagiba) Cappuccino trinken in der Cafeteria (2x) und danach jeden Tag längere Spaziergänge ausserhalb der Klinik.
Ab dem 9. Tag war ich dann für eine Woche zu Hause und habe mich da prompt etwas übertan - hat aber bestimmt nichts geschadet, ausser dass ich sehr, sehr müde und wohl auch unausstehlich war! Wichtig war aber, dass ich nicht nur rumgesessen und auf die Reha gewartet habe.
Ca. 2 1/2 Wochen nach der OP begab ich mich dann nach Walzenhausen in die Reha (da wird man nur schon durch die Lage der Klinik wieder gesund!)
Ein "Mitgefangener" erzählte mir dort, dass im der behandelnde Arzt vor der Einweisung in die Reha gesagt hat, eine Reha sei kein Ferien- sondern ein Arbeitslager - treffender kann man es wohl nicht sagen!
Nur ist das Mitmachen eben freiwillig, aber wer jede angebotene Möglichkeit nutzt und an sich arbeitet wird auch Erfolg haben! Klar kann man es übertreiben (mir wurde nach dem ersten Training auf dem Ergometer schwarz vor Augen, weil ich mehr wollte als der Physiotherapeut..), aber darauf passen die Betreuer eigentlich sehr gut auf. Grundsätzlich gilt es diese Zeit zu nutzen, die eigenen Grenzen ausloten, aber vermeiden sie zu überschreiten. Ausserhalb der Therapien war ich dann mit meiner Frau auch bereits auf mehrstündigen Wanderungen im Appenzellerland.
Wieder zu Hause, habe ich dann sofort wieder mit Squash und segeln losgelegt, meine ersten Versuche auf dem Fahrrad waren kein wirklicher Erfolg

. Die letzten drei Wochen sind wir dann mit dem Camper durch das Loiretal an den Atlantik gereist. Zum Besuch der Schlösser haben wir uns für das Velo entschieden, meine ersten Versuche waren noch recht wackelig - auf Strassen habe ich mich so nicht getraut. Aber zum Glück sind die Radwege in Frankreich so gut ausgebaut und so legten wir jeden tag zig Kilometer mit dem Velo zurück und wie nicht anders zu erwarten ging das täglich besser. Jetzt nach drei Wochen habe ich kaum mehr Einschränkungen (Vorsicht am Anfang sind auch Stürze nicht auszuschliessen, aber mit eienm Helm ist auch die Narbe geschützt).
Was aber fast noch mehr gebracht hat (hat ANFux hier auch schon erwähnt) war das tägliche Federballspiel. Bewusst ohne Netz, der Ball soll ja mal oben mal unten mal Links mal rechts abgenommen werden müssen und auch etwas rennen dabei schadet nichts (auch wenn man dabei anfangs gelegentlich noch stolpert und wohl hunderte von Luftlöchern schlägt

)
Mein Fazit: man kann nicht zuviel tun um wieder auf die Beine zu kommen, wenn man wirklich an seine Grenzen kommt merkt man dass früh genug, aber bei allen Übungen sollte man immer die Sichrheit beachten - Velofahren auf der Strasse könnte anfangs ins Auge gehen.
Zum Schluss möchte ich aber auch noch festhalten, dass ich wohl während der ganzen Zeit die bestmögliche Betreuung hatte und mich auf diesem Weg bei allen nochmals bedanken (Prof. Tatagiba und sein Ärzte- und Pflegeteam in Tübingen, das ganze Team der Rehaklinik in Walzenhausen und meine Frau (Bildungsverantwortliche für Intensivpflege in einem schweizer Kantonsspital, die die ganze Zeit unterstützend für mich da war).
Ich wünsche allen auf Ihrem Weg viel Energie und Ausdauer.
Gruss Dominique