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 Betreff des Beitrags: 1 Jahr nach der OP
BeitragVerfasst: 03.03.2017, 12:31 
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Hallo,

eigentlich hatte ich vor, bereits im Dezember, also genau ein Jahr nach meiner OP ein paar Zeilen über meine Fortschritte zu schreiben, aber es hat die Faschingsferien gebraucht, bis ich nun endlich dazu komme.

Kurz gesagt: es geht mir gut. :D

Einen großen Anteil daran hat sicherlich der Sport, den ich betreibe. Durch das traditionelle Teakwon-Do, mit all seinen körperlichen und geistigen Herausforderungen wird das Gleichgewicht doch sehr geschult, so dass ich im Alltag selten und kaum etwas von meinem fehlenden Gleichgewichtsorgan merke. OK, mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen ist meist nicht länger als 5 Sekunden möglich, aber da kenne ich viele Gesunde, die das nicht schaffen :wink: . Zwei weitere Gürtelprüfngen habe ich inzwischen erfolgreich abgelegt, Autofahren, Fahrradfahren, alles kein Problem, solange nicht zu viele Erschütterungen auf den Kopf einwirken, wie ich auf einer Holperpiste beim Schlittenfahren feststellen musste. Das hat mein Körper dann mit Kopfschmerzen quittiert. Ansonsten habe ich diesbezüglich nach wie vor kein Schmerzmittel nehmen müssen, ein bisschen wetterfühlig bin ich wohl geworden und merke Wetterumschwünge durch ein Matschigsein im Kopf, was bisher durch Bewegung an der frischen Luft oder eine Portion Extraschlaf wieder verschwand.

An die rechtsseitige Taubheit habe ich mich auch gewöhnt. Das fehlende Richtungshören bemerke ich ich auch nur, wenn plötzliche Geräusche von z.B. herunterfallenden Gegenständen auftreten, und ich erschrecke, weil man die "Gefahr" nicht so schnell einschätzen kann.

Das Rauschen im Ohr ist hinnehmbar, ich merke nur deutlich, wenn es mir zuviel wird: zu viel Stress oder zu viele Menschen die durcheinander reden oder generell zu viele Geräusche um mich herum. Das ermüdet mich dann deutlich schneller als vor der OP. Demzufolge bin ich nach der Arbeit auch stärker geschafft als früher und muss daheim dann zwischendurch mal eine Stunde Pause mit einem Schläfchen auf der Couch einlegen. Sitzungen ermüden mich auch schneller als früher, gesellige Runden mit vielen Menschen machen auch weniger Spaß und sind für mich oft eher anstrengend als unterhaltsam. Dann kommt halt der Ohrstöpsel in das hörende Ohr, was mir bisher immer sehr gut getan hat.

Ich arbeite inzwischen wieder voll, habe einen GdB von 30 mit Gleichstellung auf 50% und kämpfe aktuell mit den Behörden um die behindertengerechte Ausgestaltung meines Arbeitsplatzes. Die hierfür aufzubringende Extraenergie würde ich gerne anderweitig investieren, es hilft aber nichts, der Weg ist steinig und lang.

Musik in meiner Band mache ich auch wieder. Es ist zwar anders als vorher, auch schwieriger, da das differenzierte Wahrnehmen der einzelnen Instrumente und Stimmen deutlich gelitten hat, aber mit einem guten Mix auf dem In-Ear-Monitor lässt sich das ganz gut kompensieren. Die häusliche Übezeit hat sich durch die zwischenzeitlich benötigten Ruhephasen (s. Couch, oben) allerdings stark reduziert. Prioritätenverschiebung.

Hier im Forum habe ich gelesen, dass nach zwei Jahren der Heilungsprozess als abgeschlossen gelten kann. Wenn es weiter so gut geht, bin ich Alles in Allem sehr zufrieden mit dem gesamten Verlauf und kann nur jedem wünschen, dass es ihm oder ihr ähnlich wie mir ergehen möge.

Wenn die zwei Jahre herum sind, werde ich mich dann nochmals melden.

Viele Grüße,

Maceo

_________________
1970 m., 9/15 Zufallsbefund AN 2x1,5x1,9cm, präop. leichter Schwindel, leichtes Rauschen/Tinnitus, OP 7.12.15 in Halle (Prof. Strauß), re taub, leichter Tinnitus re (bei Umgebungslärm stärker), keine Parese, AHB 3 Wo. in Bad Windsheim


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 Betreff des Beitrags: Re: 1 Jahr nach der OP
BeitragVerfasst: 03.03.2017, 16:05 
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Registriert: 03.07.2009, 23:15
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Lieber Maceo,

mit deinem „Zwischenbericht“ 1 Jahr nach der Operation ist Dir eine sehr gute Beschreibung der erreichbaren Lebensqualität gelungen. Und ja - nach einem weiteren Jahr im Heilungsprozess darf der Zustand dann als stabilisiert und quasi dauerhaft angesehen werden.

Man sagt den meisten fernöstlichen (Kampf-)Sportarten eine besondere Verbindung (Einheit) zwischen Körper und Geist nach, die körperliche Ausübung und die Rückkopplung mit dem Befinden gehören zusammen. Beides muss ins Gleichgewicht gebracht werden. Auch Yoga und Tai sind hier
zu nennen. Neben dem Trainingseffekt durch körperliche Anstrengung, Reaktion, Kraft und Ausdauer, die einer gesteigerten Belastbarkeit zugute kommen, sind hier positive Auswirkungen auf das
Gleichgewicht zu erwarten. Dagegen kann ein Kraft- und Fitnesstraining mit Gewichten oder ein ambitioniertes Jogging-Programm aufgrund heftiger Auswirkungen Probleme bereiten und gezwungenermaßen zum Verzicht führen - wo es beschwerdefrei funktioniert, sind die Effekte dennoch ähnlich. Alles in allem also eine Begünstigung des Heilungsverlaufs.

Wichtig ist daneben das bewusste Registrieren der Symptome. Denn nur so ist eine bestmögliche Anpassung im Alltag möglich. Du sprichst von Nachwirkungen bei Erschütterungen, die der Körper mit Kopfschmerzen quittiert. Nun kann man versuchen, durch Training und Belastung eine Grenze auszuweiten, was unterschiedlich gut gelingen kann – es ändert aber nichts daran, sie als "Belastung" zu identifizieren. Die Herausforderung liegt im passenden Umgang damit.

Ich habe mich in den Beobachtungen zur Wetterfühligkeit, Matschigsein im Kopf, Gespräche in großen Gruppen und bei der Schmerzmitteloption wiedergefunden – und genau die gleichen Maßnahmen als Reaktion darauf getroffen. Ausreichend Schlaf, frische Luft, disziplinierte Erholungsphasen, Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Trinken. Das sind funktionierende Regler, die wir im Alltag bedienen können und im Umgang persönlich optimieren sollten.

Der Prozess des Sich-Zurechtfindens geht natürlich über die reine Heilung hinaus, kleine Verbesserungen lassen sich manchmal lange Zeit. Tatsächlich ist es ja die individuelle persönliche Erfahrung, die man erst nach der Therapie durchlebt - die man aber bereits vor der OP durchzuspielen versucht. Deshalb ist es auch so schwer, eine einseitige Ertaubung, einen Dauertinnitus, Schwindel oder Kopfschmerzen in ihrer Bedeutung im voraus nach einem imaginären Belastungsgrad zu taxieren.

Dein trefflicher Begriff „Prioritätenverschiebung“ bringt es auf den Punkt, die Veränderungen anzunehmen gelingt mit einer positiv optimistischen Grundhaltung vielleicht besser – das klingt leicht dahingesagt, ist aber dennoch wichtig. Vieles, was jetzt mehr Anstrengung erfordert und fordernd ist, will trotzdem bewältigt sein. Hadern mit Widrigkeiten raubt wichtige Energie, die nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.

Ein Instrument in der Band, vielleicht ganz anders, anstrengend und neu – aber ein Stück wiedergewonnene Normalität. Der „Work-around“ ist verändert, der Spaß und die Freude überlebt. Ich habe mir noch im Jahr der OP ein E-Drum zugelegt, regulierte Lautstärke, anderes Feeling – keine „Schießbude“ mehr, aber auf seine Art ein liebgewonnenes Therapiegerät. Ab und zu muss es sein, dann erinnert mich der Brummschädel danach erst wieder... ;)

Alles Gute und hoffentlich weiter spürbare Fortschritte, bis zum nächsten Bericht.

Beste Grüße
snowdog

_________________
snowdog (Moderator seit 4.12) Jg.62,m,verh.,2 Söhne,
AN re.5x8 mm,n-c. suboccipital AN-OP in Offenbach 4.08,
postoperativ Liquorfistel,keine Fazialisparese, einseitig taub,chron.Kopfschmerzen,jährl.Kontroll-MRT f.d.ersten 5 J.


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