Hallo Andimau,
mir ging es ähnlich wie dir, zuerst war ich sehr geschockt als ich die ersten MRT Bilder angesehen hatte, auf denen das AKN zu sehen war. Mit den Bildern hatte mich mein HNO Arzt an die Uniklinik Erlangen überwiesen, mit der ich einen Termin ausgemacht habe.
Dort hatte ich diverse Untersuchungen (AEPs, Gleichgewicht, Hörtest, etc.) und ein Vorstellungsgespräch zuerst bei Prof. Zenk und später bei Prof. Iro. - Beide sind HNO Chirurgen.
Im Gespräch wurde mir mitgeteilt, dass ich ein AKN habe, das ich operieren lassen sollte. Die Gesprächssituation war für mich nicht besonders vertrauensbildend - ich auf diesem mikrigen HNO Untersuchungsstuhl, auf dem man zusammengekauert sitzen muss, die Assistenzärzte stehend und notierend und der Professor im Stuhl sehr bequem sitzend mit verschränkten Armen.
Das Gespräch war sehr mühsam, da ich kaum oder gar keine erklärende und ausführliche Antworten auf meine Fragen erhielt
Festgemacht, habe ich das vor allem daran, dass ich mich erkundigt hatte, welche Komplikationen es bei dieser OP geben kann. Laut Prof. Iro kann es zu "Likorfisteln" kommen. Als ich nachfragte, was genau das ist, wurde ich darauf verwiesen, dass ich mich ja im Internet schlau machen kann.
Nachdem ich, zugegebener Maßen, ziemlich gefrustet im Internet nach Likorfisteln und Co recherchiert hatte (welcher Arzt verweist auf das Internet, anstelle es selbst zu erklären), kam mir noch eine Doktorarbeit in die Finger, die das Thema "transtemporale Zugangsweg" vs. "translabyrintär" und "suboccipital" zum Thema hatte.
siehe:
http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus ... tation.pdf Nach dem ich diese Arbeit durchgelesen hatte, dachte ich mir, dass mein Arzt mich über die Risiken der mir empfohlenen transtemporalen OP etwas besser aufklären hätte können, da es durchaus ein Risiko gibt, nach einer solchen OP, Beeinträchtigungen am Großhirn zu bekommen, bzw. dass Persönlichkeitsstörungen auftreten können. In Erlangen wurde die Wahrscheinlichkeit, dass mein Gehör erhalten kann zu 50% eingeschätzt.
Nach diesem Gespräch und der Tatsache, dass man mit mir auch nicht die Ergebnisse der Untersuchung durchgegangen ist, kam ich zum Schluss, mich lieber nicht in Erlangen operieren zu lassen, wenn die Qualität des chirurgischen Eingriffs der Qualität der Beratung entspricht. Obwohl ich nahe an Erlangen wohne, und die Klinik einen guten Ruf hat (schon über 1300 OPs an AKN-Patienten -> allerdings nicht mit dem jetzigen Team), war mein Eindruck, lieber eine Zweitmeinung einzuholen.
Nachdem ich viel Positives über Tübingen und Prof. Roser und Prof. Tatagiba gelesen hatte, habe ich mich dort vorgestellt. In Tübingen hatte ich einen sehr aufgeschlossenen Operateur (Prof. Roser) vor mir, der mir die Angst vor der OP genommen hat, indem er auf meine Fragen eingegangen ist und mir genau erklärt hatte, wie er in meinem individuellen Fall vorgehen würde. Alle Fragen hatte mir Prof. Roser ausgiebig erklärt, sodass ich die Antworten auch wirklich verstanden hatte. Die Erfolgsaussichten, gehörerhaltend zu operieren wurden in TÜ mit 70% eingeschätzt - für mich der Indikator, dass ich an der richtigen Adresse bin und mich in erfahrene, kompetente Hände begebe.
Besonders gefallen hat mir auch, dass in Tübingen nicht gleich auf die Vereinbarung eines Termins gedrängt wurde, sondern ich mich selbst melden sollte, wenn ich mich für die OP entscheide.
Am 16.05 habe ich jetzt die OP, von der ich zu gegebener Zeit berichten möchte.
Ich hoffe dich ermutigt zu haben eine Zweitmeinung einzuholen - bei mir ist das Vertrauen in die OP wieder deutlich größer geworden.
viele Grüße
nogannets