Liebe Forumsteilnehmer und Mitleser,
inzwischen bin ich schon eine ganze Weile zu Hause und es geht mir gut.
Vor der Op war ich rechts so gut wie taub (stark verzerrte Restsignale bei hoher dB-Zahl, Sprachverstehen 0 %, rechts Tinnitus, Schwindel). (Diagnose am 20.5.11)
Ich wurde drei Tage vor der Operation im Krankenhaus aufgenommen. An diesen Tagen wurden Untersuchungen gemacht. Das MRT hat ergeben, daß mein AN innerhalb von vier Monaten wohl um etwa die Hälfte größer geworden ist. Ich weiß nicht, ob das damit zusammenhängt, daß es mit einem anderen Gerät und bei einem anderen Radiologen gemacht wurde, oder ob es tatsächlich so schnell gewachsen ist.
Die Zeit im Krankenhaus vor der Op war für mich schwieriger als erwartet (wegen meiner psychischen Beeinträchtigungen, wie ich schon geschrieben habe). Ich hatte keine Angst vor der Op, für mich bestand die Belastung darin, daß ich aus meinem Eremitendasein in eine Situation geworfen wurde, die für mich eine riesige Herausforderung darstellte, kontinuierlich Kontakte zu haben und keine Rückzugsmöglichkeit.
Mein Mann hatte sich freigenommen und mich die meiste Zeit begleitet, so habe ich diese Zeit doch bewältigt. Ich war froh, als der Op-Tag kam, denn da war klar, ich würde mir selbst nicht mehr entwischen können, und ich würde das AN nicht mehr mit nach Hause nehmen.
Die Operation (22.9.11, Erlangen, Prof. Iro/Prof. Zenk, otochirurgisch, Zugang translabyrinthär) dauerte sieben Stunden, im Vorfeld war die Rede von vier bis sechs Stunden. Der Tumor war mit dem Fazialisnerv über ein langes Stück fest verbunden, reichte aber nicht an Hirnstamm/Kleinhirn heran. Er wurde vollständig entfernt. Der Vestibularisnerv wurde durchtrennt.
Die Hohlräume, die entstanden sind, wurden mit Bauchfett aufgefüllt. (auch nach außen hin unter der Haut)
Direkt nach der Op wurde ich auf die
Intensivstation verlegt. Nach dem Aufwachen habe mich zweimal übergeben und hatte starken Drehschwindel.
Ich selbst habe eine minimale Schwäche im Gesicht bemerkt bei bestimmten Bewegungen, die Ärzte sagten mir aber, ich hätte keine Fazialisparese (war getestet worden während der Op und im Anschluß). Nach einer Woche merkte ich selbst diesbezüglich keine Symptome mehr. In den ersten Nächten sollte ich nicht flach liegen, wollte ich auch nicht, da ich dann sofort Kopfschmerzen bekam.
Ich war vier Nächte/Tage auf der Intensivstation, habe dort kaum geschlafen, das war schon anstrengend, obwohl es dort ja Rundum-Service gibt

. Am vierten Tag wurde ich auf meine Bitte von den Kabeln abgestöpselt (ein Teil wanderte mit) und bin mit meinem Mann den Gang auf und abgelaufen. Das hat sich gut angefühlt!
Ab dem ersten Tag nach der Op habe ich Übungen gemacht, den Kopf vorsichtig zur Seite neigen, mit dem Augen im Viereck durch das Zimmer wandern, ...
Auf der
Normalstation (ab 5. Tag nach der OP) durfte ich am ersten Tag nicht allein aus dem Bett, das war aber in Ordnung für mich, denn ich war sehr wackelig auf den Beinen. Ab da ging es sehr schnell aufwärts. Eine Krankengymnastin war mehrmals kurz da und hat mir Übungen gezeigt, die ich fleißig gemacht habe. Von Tag zu Tag konnte ich mich spürbar freier bewegen.
Die Station, auf der ich war, ist klasse. Schwestern und Pfleger ohne Ausnahme freundlich, kompetent und aufmerksam. Das Essen war auch sehr gut, darin waren sich alle Patienten einig, ist ja fürs Wohlbefinden nicht zu vernachlässigen.
Am zehnten Tag nach der Op wurde ich
entlassen. Ich hatte in den ersten Tagen danach noch sporadisch Kopfschmerzen (in der folgenden Nacht zum ersten Mal so stark, daß ich ein Schmerzmittel nahm, war aber das einzige Mal), inzwischen keine mehr.
Der Schwindel ist noch deutlich da, vor allem beim Laufen und Radfahren auf unebenem Grund, verringert sich im Moment eher langsam. Ein Arzt sagte mir, nach sechs bis acht Wochen soll er sich deutlich gebessert haben, und etwa nach drei Monaten weitgehend verschwinden. Die Wunden sind schon sehr gut verheilt, die Fäden hat am 12. Tag meine Hausärztin gezogen.
Die
Nachsorge ist engmaschig. Ich war vier Tage nach der Entlassung schon zum ersten Mal wieder da und drei Wochen später (gestern) zum zweiten Mal. Drei Monate nach der Operation werden das Gleichgewicht und der Fazialisnerv getestet und ein neues MRT gemacht.
Ich denke, ich habe mit dem Verlauf der Operation, der ersten Erholung und meiner aktuellen Verfassung Glück im Unglück gehabt. Nach meiner persönlichen Einschätzung haben die Operateure ganze Arbeit geleistet. So wie ich einen der Profs. interpretiere, haben sie nicht nur die Grundhaltung, das Beste für den Patienten zu erreichen, sondern sie geben in der Operation alles, um das auch tatsächlich möglich zu machen. Ich bedanke mich bei Prof. Iro und seinem Team, ich bin zu 100 % zufrieden und würde mich (und mein Gehirn

) ihm wieder anvertrauen.
Einige
Symptome werden bleiben. Die Taubheit ist jetzt endgültig besiegelt (in der Cochlea ist keine Lymphe mehr, die notwendig ist, um die Schallwellen an die Haarzellen zu leiten, ich glaube, die Haarzellen sind damit auch zerstört); es wurde mir aber vorher von allen Fachleuten (auch Radiologin, Neurochirurgen) gesagt, daß sich mein Gehör nicht erholen würde), der Tinnitus soll evtl. noch geringer werden. Im Moment bin ich noch krankgeschrieben.
Was schon woanders geschrieben wurde und dem ich mich anschließen möchte: Es ist wichtig, sich vor einer Operation fit zu halten, trainieren, laufen, radfahren, ... Zumindest habe ich das Gefühl, daß mir das u.a. geholfen hat, wieder schnell auf die Beine zu kommen.
Ich wünsche allen Betroffenen alles Gute!
Herzliche Grüße an alle Leser
Amsel