Synkinesien bekämpfen und Folgen minimierenHallo an alle, die mit Facialisparese zu kämpfen haben,
ich habe seit ca. dem 8. Januar 2010
Mitbewegungen von der oberen Lippe und des unteren Augenlides und habe dank Forum und AnFUX gelernt, was es doch eigentlich ist. Ich dachte, es würde wie alle anderen "komischen" Erscheinungen nach ca. 1 Woche weggehen aber nach 2-3 Wochen war es noch da...und ich habe angefangen mich Fragen zu stellen.
Seit 2,5 Wochen habe ich mich intensiv damit beschäftigt,
Synkinesien besser zu kennen und einen Weg dagegen zu finden. Sie gehören nämlich zu den möglichen Folgen einer Fazialisparese und sind der Ausdruck einer Fehlregeneration des Gesichtsnervs (getrennte Nervenfasern docken falsch aneinander an).
Ich habe jetzt ein paar Tipps. Es gibt leider keine Mirakellösung aber ich denke mit Geduld und Fleiß, kann man Synkinesien bzw. ihre Folgen mildern oder vermeiden...Ich bin jetzt dabei und glaube auch, es sei die richtige Strategie...zumindest für mich...ich hoffe mit diesen Erklärungen, anderen auch helfen oder aufmerksam machen zu können.
Ich habe von verschiedenen Seiten
Osteopathie empfohlen bekommen. Da bin ich schon seit Mitte November 2009 in Behandlung und kann sagen, daß es hilft (ich habe ja die "Befreiung" meiner Zunge schon geschildert). Ein guter Osteopath kann irgendwie die Nerven oder das Gewebe im Kopf "entkleben"...hört sich komisch an aber es hilft und ist wichtig.
Dazu kommt seit einer Woche für mich noch die
Akupunktur (ich gehe zu einem chinesischen Arzt der TCM). Er hat mir versichert, daß er für Facialisparese helfen kann und schon das Zunähen von einem Auge bei einem Patienten in 4-5 Sitzungen vermieden hat. Er kann das Gesicht entspannen und dadurch die Mitbewegungen verringern. Darauf setze ich auch zur Zeit. Nach einer Sitzung hatte ich das Gefühl, daß mein Gesicht entspannter war und gestern nach der 3. scheint mein Auge ein bißchen besser "beherrschbar" zu sein...mal abwarten...
Ganz wichtig ist auch noch das
Training vor dem Spiegel. Das nennt man
Biofeedback. Bei mir hat die letzte Logopädin das versäumt und hat mich "Kraftübungen" ohne Spiegel ausführen lassen. Das ist ganz falsch !!
Ich war gerade am Donnerstag in Mainz bei Prof. Mann ("meinem" Chirurgen), der mir die Übungen gezeigt hat. Am Montag war ich bei einer neuen Logopädin (spezialisiert in FP). Also unbedingt
ganz kleine präzise Bewegungen ausführen und aufhören, sobald was anderes mitzucken will. Die Synkinesie wird dabei nicht verstärkt, sondern es wird dem Muskel nochmal gezeigt, wie man's eigentlich gerne hätte. Sich zwischendurch immer wieder entspannen, indem man die Händen zusammenreibt und dann die Wärme über die Augen fließen läßt. nicht drücken, nur anlegen, schön ausatmen und versuchen zu entspannen.
Zur Aufmunterung kann ich berichten, daß meine Logopädin gerade eine Patientin mit starken Synkinesien (Auge-Lippe auch) in Behandlung hat und daß noch bei ihr Fortschritte zu sehen sind, obwohl sie das Problem schon seit 2 Jahren hat! Die Patientin hatte selbstständig Elektrotherapie ausgeführt...also Finger weg davon !
Meine Logopädin meint, daß man eben mit den gezielten, ganz genauen Übungen das wieder erlernen könnte. Verlangt Fleiß, Konzentration, aber es lohnt sich, wieder mit den Übungen anzufangen !

exakt drauf achten, daß wirklich
nur gerade das bewegt wird, was man will und nicht mehr...sonst sofort stoppen, auch wenn es ganz gerinfügige Amplitude sind. Es wird mit der Zeit mehr werden.
Die richtige Logopädin (= die sich mit Fazialisparese gut auskennt) zu finden ist nicht einfach aber es ist ganz wichtig und nach ein paar Telefonaten bei verschiedenen Praxen sollte man fündig werden.. Fragen nach Erfahrungen mit Synkinesien wäre auch nicht verkehrt...wenn sie das Wort nicht kennt, Vorsicht ..!
Auch nicht zu viel üben. Ein paar gezielte Bewegungen 2-3 Mal machen... Zu den Übungen, die ich gerade erwähnt habe, will ich noch ergänzen, daß man sie wohl machen soll,
wenn man nicht unter Botoxeinfluß gerade steht. Die Muskeln reagieren durch den Botox nicht mehr oder weniger aber die Nervenaktivität ist noch da. Und die will man ja reduzieren oder umerziehen. Das kann man dann aber nicht sehen, da die Muskel nicht wirklich ansprechen...Ich möchte nicht, daß durch eine falsche Anwendung die Sache dadurch verschlimmert wird.
Also viel Fleiß und vor allem Genauigkeit in den Übungen an alle! Es ist, denke ich, einen Versuch Wert.
schöne Grüße
Vanessa = vane
A propos es gibt eine
Doktorarbeit über das Thema:
Fehlregenerationen des Nervus facialis –
ein vernachlässigtes Krankheitsbild
von Annette Wolowski (2005) da liest man auch, wie wichtig es ist, vor dem Spiegel zu üben.
http://miami.uni-muenster.de/servlets/D ... lowski.pdf