Akustikusneurinom - Hirntumor AN und Interessengemeinschaft IGAN

......im Fokus der Interessengemeinschaft Akustikusneurinom IGAN.
Informationen, Beratung, Erfahrungsaustausch, Hilfe zur Selbsthilfe..

Die drei Zugangswege bei der Akustikusneurinom - OP

 Transtemporal, translabyrinthär (oder transmastoid) und suboccipital (auch subokzipital oder retrosigmoidal) heißen die Furcht einflößenden Begriffe, die charakterisieren, über welchen Weg der Chirurg sich Zugang zum Tumor im Schädelinneren verschafft.
Transtemporal = durch den Schläfenbeinbereich.
Translabyrinthär = durch das Labyrinth des Innenohrs.
Suboccipital = über die hintere Schädelgrube.

Der Patient kann zwischen diesen aber nicht wählen. Diese drei Zugangswege werden von den ausführenden Operateuren in Abhängigkeit von Größe und Lage des Akustikusneurinoms gewählt. Lediglich bei der Entscheidung für den translabyrinthären Weg ist eine Abstimmung zwischen Arzt und Patient unbedingt erforderlich, weil bei diesem Zugangsweg zwangsweise ein totaler einseitiger Gehörverlust eintritt.


Öffnung des Schädels bei Beginn der Akustikusneurinom-Operation – links: transtemporal, mitte: translabyrinthär, rechts: suboccipital.
(Vereinfachte zeichnerische Darstellung, die Kopfbehaarung bleibt weitgehend erhalten)

Transtemporaler Operationszugang

Dieser Zugangsweg über die Schläfengegend wird von HNO-Chirurgen bevorzugt. Das Akustikusneurinom sollte hier nicht zu groß sein und ausschließlich oder überwiegend noch im knöchernern Gehörgang liegen. Sowohl Gesichtsnerv als auch Hörnerv können hier erhalten werden, so dass dieser Zugangsweg zu empfehlen ist, wenn noch ein Hörvermögen auf der tumorbetroffenen Seite vorliegt.
Die Operation wird am liegenden Patienten durchgeführt. Der Kopf ist dabei weit nach hinten, unten gestreckt (s. Abb.).
Vorn, oberhalb des Ohres, wird die Kopfhaut eingeschnitten, ein Knochenstück aus dem Schläfenbein ausgefräst, die Hirnhäute und der sog. Schläfenlappen des Gehirns mit speziellem Instrumentarium angehoben, um einen Zugang zum Felsenbein zu haben.
Dann wird der obere Knochen des inneren Gehörganges im Felsenbein aufgefräst, so dass
der obere Gleichgewichts-Bogengang sowie der innere Gehörgang offen sind. Es besteht damit eine gute Übersicht über die Gesichts- und Hörnerven. Nun kann der Gesichtsnerv frei präpariert werden, die Hirnhaut geöffnet und der Tumor stückweise ausgeschält und verkleinert werden. Das ist notwendig, um zum Schluß die Hülle restlos von der Nervenhaut ablösen zu können.
Der Gleichgewichtsnerv wird bei diesem Eingriff durchtrennt. Abschließend wird die entstandene Lücke mit Gewebe aus dem eigenen Körper des Patienten, beispielsweise Körperfett oder Muskeln aus der Schläfe, aufgefüllt und der Knochendeckel wieder eingesetzt. Dann wird die Hautwunde vernäht.

Translabyrinthärer Operationszugang

Dieser Zugangsweg ist ein typischer Weg für HNO-Chirurgen und für weitgehend im Gehörgang liegende Akustikusneurinome.
Er ist ein sehr sicherer Weg durch das Ohr (=Labyrinth) hindurch und wird vor allem dann gewählt, wenn das Hörvermögen durch den Tumor bereits zerstört ist. Der Patient wird wenig belastet, was bei älteren Patienten bedeutsam sein kann. Bei der Operation werden quasi keine Hirnstrukturen komprimiert. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Gesichtsnerv früh freiliegt und fast immer geschont werden kann, so dass quasi keine operationsbedingte Fazialisparese auftritt. Allerdings geht in jedem Fall das Gehör auf der betroffenen Seite, auch jedes noch vorhandene Resthörvermögen, verloren!
Bei diesem Zugang wird zunächst die Kopfhaut hinter dem Ohr geschlitzt, eine Loch in den sog. Warzenfortsatzknochen (Mastoid) gebohrt und danach das gesamte Innenohrlabyrinth ausgeformt. Der Gesichtsnerv ist bereits im Mittelohr zu sehen und kann leicht bis in das Innenohr verfolgt werden. Danach kann der Tumor schrittweise ausgelöst werden. Auch hier wird die entstandene Lücke mit körpereigenem Gewebe aufgefüllt.

Suboccipitaler Operationszugang

Dieser Zugang ist der typische für Neurochirurgen und wird bei mittlerem und großem Akustikusneurinom bevorzugt gewählt. Bei Tumoren, die weit in die hintere Schädelgrube gewachsen sind und Kleinhirn und/oder Stammhirn bedrängen, ist er zwingend. Auch hier sind die Erhaltung eines Hörvermögens möglich und eine Fazialisparese vermeidbar.
Dafür wird am Hinterkopf, hinter dem Ohr, die Haut aufgeschnitten (s. Abb.). Es wird ein Knochendeckel aus der sog. Hinterhauptsschuppe entfernt und die harte Hirnhaut geschlitzt. Bei seitlicher Lagerung des Patienten sinkt das Kleinhirn so weit zurück, dass der Gehörgang freiliegt. Bei senkrechter Lage des Patienten muß das Kleinhirn vorsichtig beiseite geschoben werden, um das Akustikusneurinom in der hinteren Schädelgrube freizulegen, zu identifizieren. Die Operation erfolgt überwiegend in einer (halb-)sitzenden Position, die eine besonders gute Sicht der empfindlichen Nervenstrukturen und eine gute Spülung des Operationsfeldes ermöglicht.
Blutgefäße, die Teile des Gehirns versorgen, können in Tumornähe liegen und können erhalten werden.
Der Tumor wird auf jeden Fall zuerst von inner her verkleinert, weil es sich in aller Regel um größere Tumore handelt.
Der in der Schädelgrube gelegene Tumoranteil wird zuerst entfernt. Danach wird der innere Gehörgang aufgefräst und der dort lokalisierte Anteil ebenfalls entfernt.
Bei Teamarbeit von Neuro- und HNO-Chirurgen übernimmt der HNO-Chirurg mit dem Auffräsen des Gehörganges die Regie.
Das ausgefräste Knochenstück wird von manchen Operateuren wieder eingesetzt, manche verschließen die Öffnung „nur“ mit Knochenkleber. Die harte innere Hirnhaut und die dicke äußere, muskuläre Kopfhaut sind aber ein ausreichender Schutz für das Schädelinnere.

» Zurück zu Akustikusneurinom - Operation

Zum Seitenanfang

IGAN - Interessengemeinschaft Akustikusneurinom

Internetportal und Forum
zum Hirntumor Akustikusneurinom

• Hilfe zur Selbsthilfe
• länderübergreifend
• offen für alle

Pfeil Kontakt und Hilfe
Pfeil Hilfe zum Forum
Pfeil Forum Akustikusneurinom

Alles zum Thema Akustikusneurinom-Therapie
Therapien im Überblick
Operation
OP-Zugang
Monitoring
OP-Videos
Bestrahlung
Fraktionier.
Gamma-Knife
Cyber-Knife



IG Akustikusneurinom (IGAN)

Postfach | CH-6330 Cham | www.akustikusneurinom.info