Akustikusneurinom - Hirntumor AN und Interessengemeinschaft IGAN

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Akustikusneurinom - Bestrahlung mit  Gamma-Knife (Radiochirurgie)

Das im Jahre 1968 entwickelte Gamma Knife ist ein Strahlentherapiegerät, das dank vieler technischer Weiterentwicklungen und vor allem durch die Kombination mit modernen Computern heute zu einem wirkungsvollen Bestrahlungsgerät geworden ist. Weltweit wurden bisher rd. eine halbe Million Menschen mittels GammaKnife bestrahlt (bis zum Jahr 2000 rd. 20.000 Akustikusneurinome).

Wirkprinzip und Technik beim GammKnife

Das GammaKnife arbeitet mit natürlicher Gamma-Strahlung aus 201 kleinen Kobalt 60-Strahlungsquellen. Bewegliche Teile im Bereich der Quellen wurden bewusst vermieden. In einen großen Stahlblock wurde hochpräzis ein Strahlenführungssystem aus 201 Strahlenkanälen gefräst. Das Strahlenführungssystem besteht aus einem Vorkollimator im Quellenbehälter und einem zweiten Kollimator an der Patientenliege. Letzterer ist wie eine Helm geformt. Beim Durchlaufen der Bohrungen werden die Strahlen parallelisiert (=kollimiert) und gebündelt.

Fraktionierte Bestrahlung Bestrahlung mit Cyber-Knife
Kollimator der Patientenliege, rechts mit virtuellem Strahlungsverlauf
(Quellen: Homepage Wikipedia und GKZ Krefeld)

Mit Hilfe eines Blendensystems wird aus jeder der 201 Quellen ein feiner Strahl geformt, der sich mit allen anderen Strahlen im Fokuspunkt überlagert. Damit trägt jeder einzelne Strahl mit 0,5% zur Gesamtdosis bei, die nötig ist, um den Krankheitsherd auszuschalten. Einzelne Strahlenpforten können durch Blenden verschlossen werden, so dass bestimmte Gewebestrukturen von der Bestrahlung ausgenommen werden können.

Die nadelförmigen Strahlen treffen sich mit einer Genauigkeit im Zehntel-Millimeter-Bereich sternförmig in einem vorher berechneten Punkt, im Akustikusneurinom.

Wegen der langen Halbwertszeit von Kobalt müssen die Dosen nur aller zwei Jahre geeicht werden.

Ablauf der GammaKnife-Behandlung

Die radiochirurgische Behandlung mit dem Gamma Knife wird ambulant durchgeführt, in der Regel in einer Sitzung.

Als erster Behandlungsschritt wird ein stereotaktischer Rahmen mit vier kleinen Dornen am Kopf des Patienten befestigt. Das geschieht unter örtlicher Betäubung. Der Rahmen dient als Bezug für die exakte Lokalisierung des Krankheitsherdes mit Hilfe der bildgebenden Verfahren. Das ist erforderlich, um die hohe lokale Präzision am Kopf zu gewährleisten.

Fraktionierte Bestrahlung Bestrahlung mit Cyber-Knife
Patientin mit Helm 

Patientin mit Helm und Kollimator auf Liege

(Quelle: Homepage des GKZ Krefeld)

Lage und Form des Akustikusneurinoms sowie Einzelheiten der knöchernen Strukturen werden durch MRT- CT-Aufnahmen und DSA (digitale Subtraktionsangiografie) unmittelbar vor Beginn der Therapie ermittelt, um aktuelle Daten zu haben. Alle Daten werden durch eine Bearbeitungssoftware im Computer zu einem dreidimensionalem Patientenmodell und zu einem Bestrahlungsplan verdichtet.
Die Lokalisierung in den Bildern, d.h. die Berechnung ihrer Raumkoordinaten, geschieht dabei mit Hilfe von Markierungen am stereotaktischen Rahmen.

Während der Bestrahlung liegt der Patient auf der Liege, der sog. Helm ist am Kopf befestigt und mit einem halbkugeligen Kollimator verbunden. Die Liege wird dann so in das Bestrahlungsgerät gefahren, dass die Bohrungen im Vorkollimator des Quellenbehälters mit den Bohrungen im Kollimator der Patientenliege übereinstimmen. Nach Öffnung der Quellenbehälter und der Blenden vor den Bohrungen kann die berechnete Strahlung durch die 201 Bohrungen der Kollimatoren in das berechnete Zielgebiet im Kopf des Patienten, in das Akustikusneurinom, treffen. Es wird dabei jeweils ein zuvor berechneter Punkt, genauer gesagt ein kleines kugeliges Volumen, für eine bestimmte Zeit bestrahlt. Im weiteren Verlauf wird ein kleines Kugelvolumen nach dem anderen, überlappend, im sog. Rasterverfahren bestrahlt, bis das gesamte Akustikusneurinom in seiner individuellen Form behandelt ist. Das geschieht üblicherweise bis zu 15-mal, d.h. 15-mal wird die Liege aus dem Gerät gefahren, der Strahlenmittelpunkt wird neu justiert, die Liege wird in das Gerät gefahren.


Gamma-Knife-Gerät mit Patientenliege und Kollimator-Helm
(Quelle: Homepage des GKZ Aachen)

Die Bestrahlung ist völlig schmerzfrei, lautlos und dauert ein bis zwei Stunden. Die Patienten werden dabei durch vier Kameras beobachtet und können über eine Gegensprechanlage am Gerät ständig Kontakt zum Behandlungsteam aufnehmen. Auf Wunsch können Sie während dieser Zeit Musik hören. Die Behandlung kann jederzeit unterbrochen werden, um eine Pause einzulegen.

Nach der Behandlung werden der stereotaktische Rahmen sofort wieder abgenommen und die Befestigungsstellen mit einem Pflaster versorgt. Normalerweise können am übernächsten Tag die Haare wieder gewaschen werden und die Befestigungsstellen verheilen in der Regel ohne Spuren.

Nachsorge

Der nicht entfernte, sondern “nur“ inaktivierte Tumor muß nach der Bestrahlung unter Beobachtung bleiben. Außerdem ist zu ermitteln, ob und welche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Anhand neuer MRT-Aufnahmen wird das Tumorvolumen genau ausgemessen. Wegen der langen Schrumpfungsdauer gutartiger Tumore wie dem Akustikusneurinom werden Kontrollintervalle von anfangs wenigen Wochen bis dann einem Jahr vereinbart. Das ist lebenslang erforderlich.

Neben MRT-Aufnahmen findet auch stets eine neurologische Untersuchung statt.

Kostenübernahme für die GammaKnife-Bestrahlung beim Akustikusneurinom

In Deutschland werden für privat krankenversicherte Patienten die Kosten der GammaKnife-Behandlung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnet und von privaten Krankenkassen erstattet.
Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es derzeit keine einheitliche Regelung. In den einzelne Bundesländern und zwischen einzelnen Krankenkassen und einzelnen GammaKnife-Zentren gibt es verschiedene Regelungen. Auskünfte über den aktuellen Stand können sowohl die Krankenkassen als auch die Therapiezentren geben. Beispielweise hat das GammaKnife-Zentrum Krefeld bereits mit der DAK, der TK, der HMK und einigen Betriebskrankenkassen die Kostenübernahme durch diese Kassen vereinbart.

Daher müssen die Patienten die Kostenübernahme für eine ambulante radiochirurgische Behandlung noch immer zunächst bei Ihrer Krankenversicherung beantragen.

GammaKnife-Zentren in Deutschland und Österreich

In Deutschland und Österreich haben nachfolgende Zentren Erfahrungen bei der Bestrahlungvon Akustikusneurinomen:

  • GammaKnife Zentrum Krefeld
  • GammaKnife-Zentrum Aachen
  • GammaKnife Center Hannover
  • GammaKnife Frankfurt
  • Universität Graz

Darüber hinaus werden GammaKnife Bestrahlungen in mehreren Universitätskliniken durchgeführt.


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